Stefan Kuntz über seinen Abschied beim 1. FC Kaiserslautern

»Bei diesem Verein herrscht eine ausgeprägte Meckerkultur«

In unserer neuen Ausgabe widmen wir uns dem Machtwechsel beim 1. FC Kaiserslautern. Dort räumt Stefan Kuntz nach acht Jahren als Vorstandschef demnächst seinen Posten. Feinde werfen ihm vor, wie ein Sonnenkönig geherrscht zu haben. Was sagt Kuntz dazu?

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Stefan Kuntz, über Jahre waren Sie als »Herzblut«-Retter, der den FCK vor dem Absturz in die dritte Liga bewahrte und in Rekordzeit zurück in die Bundesliga führte, im Umfeld des Klubs fast unangreifbar. Jetzt treten Sie vorzeitig ab. Was ist passiert?
Sagen wir es so: Solange es sportlich gut läuft und man oben mitspielt, sind in Kaiserslautern alle froh. In dieser Hinsicht ist es wie bei anderen Klubs auch. Wenn es aber nicht mehr so läuft, wie es die Leute erwarten, herrscht bei diesem Verein eine ausgeprägte Meckerkultur.

Was ist aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren nicht so gut gelaufen?
In finanzieller und strategischer Hinsicht haben wir alle unsere Ziele erreicht. Sportlich sicher nicht ganz. Wir haben mehrfach den Aufstieg verpasst. Eine gewisse Unzufriedenheit kann ich insofern nachvollziehen.

Aber insgesamt ist die Erwartungshaltung des Umfelds überzogen?
Wissen Sie, wie oft ich Sätze höre wie »Wir sind 1998 als Aufsteiger Meister geworden, das muss doch wieder möglich sein.«

Und was antworten Sie darauf?
Dass sich in 20 Jahren im Fußball praktisch alles verändert hat.

Vielleicht liegt da das Problem. Dass Fußball ein Geschäft mit Träumen ist und man als Klubvorstand ein Stück weit Politiker sein muss.
Aber ich tue mich nun mal schwer damit, die Unwahrheit zu sagen, die Leute anzulügen oder unrealistische Hoffnungen zu wecken. Und einer muss die Wahrheit, also die Veränderungen, verkaufen: ich. Damit gelte ich für viele hier als Hiob.

Eine unangenehme Wahrheit in den vergangenen Jahren waren die Verkäufe von hoffnungsvollen Talenten aus der eigenen Jugend.
Ich habe von Anfang an gesagt, wir müssen immer wieder Spieler verkaufen, um den Laden am Laufen zu halten. Das zeichnet den FCK aus. Wir haben vergleichsweise hohe Stadionkosten, die nicht reduzierbar sind. Und wir geben viel Geld für die Jugend aus. Es gibt immer wieder unvorhersehbare Umstände, die erfordern, dass mehr Geld ausgegeben werden muss als erwartet. Dieses Defizit müssen wir durch Spielerverkäufe ausgleichen. Man kann doch einer Bäckerei nicht vorwerfen, dass sie ihre guten Zahlen erreicht, weil sie Brötchen verkauft.

Der Bäcker verkauft die Brötchen aber, weil er davon lebt. Ein Verein hat viele Einnahmefelder.
Der FCK lebt auch davon, vor allem, wenn die anderen Einnahmefelder nicht diese Mehreinnahmen generieren. Was soll ich einem Spieler sagen, der nach Köln oder Leipzig geht und ein Vielfaches verdienen kann?

Ende der Saison sollen wieder zwei Eigengewächse gehen.
Sie sollen nicht gehen, aber es ist gut möglich, dass wir Jean Zimmer und Marius Müller im Sommer abgeben müssen, wenn sie ein Angebot aus der Bundesliga bekommen.

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