03.11.2007

Stefan Kuntz im Interview

„Ich muss das Gras nicht riechen“

Stefan Kuntz hat sich verändert: Er hat den Schnauz abrasiert, er schießt keine Tore mehr und hat deshalb auch die nach ihm benannte Säge weggepackt. Wir sprachen mit dem Manager des VfL Bochum über seinen Weg in die Chefetage.

Interview: Johannes Lindenlaub Bild: Imago
Der TuS Koblenz sollte die erste Station des Managers Stefan Kuntz werden. Wie ist der Verein auf Sie gekommen?

Das war einer dieser Zufälle. Ein Spieler von Koblenz, der im Saarland lebt, wusste, dass der Kuntz lieber Manager machen möchte als Trainer. Die TuS suchte gerade nach einem, und so kam es zu den ersten Gesprächen.

Ihr Name hat Ihnen sicher nicht geschadet?

Sicherlich wurde das im Hinblick auf die Sponsoringgeschichten mit in Erwägung gezogen. Ein weiterer Grund war, dass Koblenz jemand Externes haben wollte, um sich von alten Seilschaften zu lösen.

In Koblenz konnten Sie innerhalb kürzester Zeit professionellere Bedingungen einführen. Wer hat Ihnen als „Berufsanfänger“ geholfen?

Es war viel learning by doing. Ich hatte eine äußerst engagierte Assistentin, die mir sehr viel Arbeit abgenommen hat und mit Herzblut dabei war. Alle Mitarbeiter waren sehr hilfsbereit und engagiert. Auch die Sponsoren standen meiner Verpflichtung von vornherein positiv gegenüber. So hatte ich von Beginn an eine große Sicherheit, auch was das Investitionsvolumen anbelangte.

Also der ideale Ort für den Einstieg in die Managerkarriere?

Absolut. Ich habe sehr viele Erfahrungen gesammelt, weil wir den Verein wirklich gestalten konnten. Auch der sportliche Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Die Zusammenarbeit mit dem Trainer lief hervorragend, und die Stadt hat uns bei allem, was wir taten, unterstützt und uns Rückendeckung gegeben.

Sie sind ausgebildeter Polizist.

Ja, das ist richtig.

Kann Ihnen diese Ausbildung im Managementbereich weiterhelfen? Vielleicht in brisanten Verhandlungen, wenn Sie die Nerven behalten müssen?

Nee. (Pause) Ich habe nur manchmal das Gefühl, dass ich dank meiner Ausbildungen im Kampfsportbereich vielleicht dem ein oder anderen Verhandlungspartner körperlich überlegen bin. (lacht laut) Nein, im Ernst: Für mich war es damals einfach wichtig, noch zusätzlich einer normalen Tätigkeit nachgehen zu können. Daraus konnte ich viel Selbstwertgefühl ziehen. Das empfehle ich sowieso jedem jüngeren Spieler, und es gehört auch zur Philosophie des VfL Bochum.

Welche Erfahrungen als Spieler helfen Ihnen nun als Manager?


Ich erkenne sehr schnell bestimmte Strömungen und Stimmungen innerhalb einer Mannschaft. Da ich das alles selbst erlebt habe, nehme ich so etwas vielleicht schneller wahr als andere. Und das kann in meinem Beruf durchaus hilfreich sein. Ich war sehr lange Profi, von daher kann ich sowohl junge, als auch alte Spieler an meinen Erfahrungen teilhaben lassen – was sie daraus ziehen, muss natürlich der jeweilige Spieler selbst entscheiden.

1995 spielten Sie eine Saison in der Türkei für Besiktas Istanbul. Eine weitere Erfahrung, von der Sie auch als Manager profitieren werden. Hatten Sie Probleme mit der Integration?

Nein, im Gegenteil: Die Türken haben es mir und meiner Familie sehr leicht gemacht. Ich kann wirklich von keinem einzigen negativen Erlebnis berichten.

Die kulturellen Unterschiede haben Ihnen keine Schwierigkeiten bereitet?

Nein. Natürlich habe ich Rücksicht auf kulturelle Eigenheiten genommen, das versteht sich ja von selbst. Aber es wurde mir und meiner Familie auch sehr leicht gemacht. Die Türken waren sehr tolerant. Nach dem Training bin ich einmal nackt in die Dusche gelaufen, und da standen dann vier, fünf Spieler, die ihre Shorts noch anhatten. Ich dachte, ich hätte mir jetzt einen Riesen-Fauxpas geleistet. Der Kapitän kam auf mich zu und hat gesagt, das liege nur an der Glaubensrichtung, und ich solle mir bloß keine Sorgen machen. Ich könne mich so verhalten, wie ich es für richtig halte.

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