14.12.2012

Stefan Kießling über Wohlfühlpakete und Formschwankungen

»Der beste Kießling aller Zeiten?«

Kein Bundesligaspieler hat 2012 mehr Tore geschossen als Stefan Kießling. Wir sprachen mit dem 28-Jährigen über Leverkusens Trainerduo Lewandowski/Hyypiä, Wohlfühlpakete und den Laufstil von Jürgen Klinsmann.

Interview: Karol Herrmann Bild: Imago

Stefan Kießling, welche Frage haben Sie zuletzt häufiger gehört: Ob Leverkusen jetzt der neue Bayern-Jäger ist, oder warum Joachim Löw Sie nicht mehr anruft?
Zuletzt war es dann doch der Bayern-Jäger, aber durch den großen Abstand müssen wir uns damit überhaupt nicht beschäftigen. Wir wollen jetzt den zweiten Platz verteidigen.
 
Und was denken Sie, wenn Sie abends vor dem Fernseher sitzen und die Nationalelf mangels Personal mit Mario Götze im Sturm aufläuft?
Diese Frage geht mir auf jeden Fall mehr auf den Keks, als das mit dem Bayern-Jäger. Ich war 2010 bei der WM dabei und habe davor eine gute Saison gespielt. In Südafrika habe ich dann aber nie eine wirkliche Chance bekommen, was nicht einfach für mich war. Seither wurde ich nicht mehr nominiert. Für mich ist das total in Ordnung. Ich bin fit und kann für Leverkusen spielen. Alles andere ist mir im Moment völlig egal.
 
In der Bundesliga hat im Kalenderjahr 2012 kein Spieler mehr Tore erzielt. Warum sehen wir jetzt den stärksten Stefan Kießling, den es je gab?
Ob das der beste Kießling aller Zeiten ist? Ich habe in der Saison 2009/2010 schon 21 Tore gemacht. Auch kein schlechtes Jahr. Es freut mich, dass es so gut läuft und ich will im nächsten Jahr, wenn keiner mehr über die Tore von 2012 spricht, wieder genau da anknüpfen.
 
Wie würden Sie Ihren Spielstil beschreiben?
Ich bin ein Stürmer, der viel für die Mannschaft läuft und ackert, sich Räume frei macht und sich selbst Torchancen erarbeitet. Ich versuche immer, mannschaftsdienlich zu spielen, die Anderen in Szene zu setzen. Bei einem so aufwändigen Spiel ist es aber wichtig, dass man vor dem Tor noch genügend Power und Konzentration hat. Es gilt also immer einen gesunden Mittelweg zwischen Aufwand und Ertrag zu finden.
 
Sie bestreiten mit großem Abstand die meisten Zweikämpfe aller Bundesligaspieler.
Ich bin eben nicht der Typ, der zurücksteckt und versuche in jeden Zweikampf zu gehen. Und als Stürmer hat man ja bei langen Bällen immer automatisch einen Zweikampf. Aber dass ich in den letzten Jahren erheblich mehr Zweikämpfe gemacht habe, als der Zweitplatzierte, das wundert mich selbst.
 
Kritiker werfen Ihnen gelegentlich einen unorthodoxen Laufstil vor. Wie viel haben Sie sich von Jürgen Klinsmann abgeschaut?
Ich bewege mich sicherlich nicht wie Jürgen Klinsmann, sondern habe meinen eigenen Laufstil. Wenn jemand meint, dass der unorthodox ist, dann soll er das tun.
 
Sie haben neulich gesagt, der zweite Tabellenplatz sei das Ergebnis einer neuen Mentalität. Wie meinen Sie das?
Einige Siege hätten wir so in der vergangenen Saison nicht geholt. Neben dem Spiel in München meine ich vor allem auch das DFB-Pokalspiel gegen Bielefeld. Eine unheimlich schwere Partie, die wir nach Rückstand noch drehen konnten. Dieser Wille hat uns in der Vergangenheit vielleicht etwas gefehlt.
 
Warum ist Bayer so schwach in die Saison gestartet?
Wir haben den Bundesligaauftakt in Frankfurt verloren und mussten dann am dritten Spieltag zum Deutschen Meister nach Dortmund. Da kannst du schon mal verlieren. Aber wie man sieht, ist die Mannschaft ist super damit umgegangen
 
Was läuft unter Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä anders als unter Robin Dutt?
Es ist kein Geheimnis, dass es letztes Jahr nicht mehr so gut funktioniert hat. Mit Sascha und Sami lief der Neuanfang reibungslos. Die Beiden haben klar formuliert, was sie von uns erwarten und wie sie spielen wollen. Ein Vorteil ist, dass ich mit Sami noch zwei Jahre zusammen gespielt habe und wir genau wissen, wie der Andere tickt. Am Ende hat uns die Qualifikation für die Europa League den entscheidenden Aufschwung gegeben, den wir mit  in die neue Saison genommen haben.

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