18.04.2007

Stefan Beinlich im Interview

„Eine Herzensangelegenheit“

Vor beinah zehn Jahren verließ Stefan Beinlich Hansa Rostock, um mit Leverkusen, Hertha und dem HSV nach den Sternen zu greifen. Im Herbst seiner Karriere kehrte er nun zurück – und will schon wieder nach den Sternen greifen.

Interview: Tobias Börner Bild: Imago
Herr Beinlich, der Begriff Musterprofi kommt mir als erstes in den Sinn, wenn ich ihren Namen höre.

Wirklich? Ach nein, ich glaube das nicht (lacht).

Sie fallen nie durch Geschichten abseits des Platzes auf, haben immer für jeden ein Lächeln auf den Lippen, überzeugen durch einen hohen Einsatz auf dem Platz und sind ungemein diszipliniert. Wie haben Sie es geschafft, eine so tadellose Karriere hinzulegen?

Ich denke, dass man Spaß an seinem Beruf haben sollte, egal welchen man ausübt. Der Fußball war und ist mein Ein und Alles. Ich bin Fußballprofi und könnte mir nichts Besseres vorstellen. Die Freude, die ich dabei empfinde, versuche ich zu vermitteln. Natürlich hat meine Familie ebenfalls einen sehr hohen Anteil daran. Ohne sie wäre ich nicht soweit gekommen. Meine Frau und die drei Kinder geben mir den nötigen Halt.



Sie sind ein Berliner Junge. Wie begann ihre Karriere in der damaligen Hauptstadt der DDR?

Bereits im Alter von zwei Jahren bin ich dem runden Leder hinterher gejagt. Um das ganze dann in vernünftige Bahnen zu lenken, meldete mich mein Vater einige Jahre später beim BFC Dynamo an.

Später dichtete man Ihnen Herzrhythmusstörungen an und schob sie vom BFC zu Bergmann Borsig ab.

Es ist richtig, dass ich damals mit dem Fußballspielen aufhören musste. Herzryhtmusstörungen wurden dann vorgeschoben, aber eigentlich war es meine Tante im Westen, die den Genossen Sorgen bereitete. Ein Jahr lang spielte ich keinen Fußball, bis ich mich dann bei Bergmann Borsig in Pankow anmeldete.

Zu dieser Zeit absolvierten Sie eine Lehre zum Elektriker. Wäre das eine ernsthafte Option für sie gewesen. Elektro-Beinlich statt Fußballprofi?

(lacht) Ich weiß nicht, was gekommen wäre. Ich hatte damals meine Ausbildung ordentlich abgeschlossen. Wenige Monate zuvor hatte ich jedoch einen Nichtamateurs-Vertrag unterzeichnet – ja, so hieß das damals in der DDR –, und so war ich mir sicher, erst mal nicht als Elektriker arbeiten zu müssen. Ich war darüber sehr froh, denn mein Interesse galt doch mehr dem Sport.

Warum sind Sie nach dem Fall der Mauer nach England gewechselt?

Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Denn Anfang der 90er absolvierte ich mit Bergmann Borsig ein Trainingslager in Holland. Ebenfalls vor Ort war ein Scout von Aston Villa. Matthias Breitkreuz und ich fielen ihm auf, und wenig später wurden wir zum Probetraining auf die Insel eingeladen. Dort hinterließen wir beide dann einen so guten Eindruck, dass man uns unter Vertrag nahm. Hilfreich waren sicherlich auch die beiden Buden, die Matthias und ich in einem Testspiel vor Ort erzielten.

Wie hat Sie die Zeit in England geprägt?


Ich war 19 Jahre alt, als ich nach England ging, und stand das erste Mal in meinem Leben auf eigenen Füßen. Meine heutige Frau begleitete mich, und wir führten unseren ersten gemeinsamen Haushalt dort. Menschlich und fußballerisch hat mich die Zeit in Birmingham ungemein weitergebracht.

Obwohl Sie es in drei Jahren auf lediglich 16 Einsätze bei Villa brachten?


Ich habe es zwar nur auf diese geringe Anzahl von Erstligaspielen gebracht, aber in der Reservemannschaft habe ich jede Woche gespielt und das Niveau dort war ebenfalls nicht zu verachten. Man konnte es mit der Zweiten Liga hier in Deutschland vergleichen.

Wo es sie dann auch hinzog. Wenn Sie zurückblicken, erkennen Sie Parallelen zwischen der gegenwärtigen Situation in Rostock und Hansas damaligen Aufstiegssaison 1994/95?

Durchaus. Die Qualität des Kaders ist schon sehr ähnlich. Eine gelungene Mischung zwischen vielen jungen Akteuren und einigen alten Hasen. Die Rollen haben sich jetzt eben geändert. War ich damals der junge Spund, so bin nun einer der erfahrenen Spieler im Team. Doch bei allen Parallelen, die Situation damals war ein wenig anders. Seinerzeit waren wir erst ab dem 24. Spieltag dauerhaft auf einem Aufstiegsplatz.

Damals waren sie mit 15 Toren der treffsicherste Schütze des Vereins. Aktuell haben sie lediglich ein Tor auf dem Konto. Liegt es am Alter oder an ihrem Rückzug in die Defensive?

Die Tore sind im Laufe der Jahre, bedingt durch meine defensivere Ausrichtung, natürlich weniger geworden. Heutzutage spiele ich direkt vor der Abwehr und da ist dann meist kurz hinter der Mittellinie Schluss für mich. Aber ein wenig schade ist es schon. Ich schieße sehr gerne Tore (lacht).

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