07.09.2009

St. Paulis tragischer Held Heinz Weber

Die dunkle Seite des Geschäfts

Wie aus heiterem Himmel bekam Heinz Weber seine große Chance: Für eine Saison wurde er an den FC St. Pauli ausgeliehen. Der junge Keeper aus Österreich nutzte sie bravourös, dennoch verschwand er danach in der Versenkung. Warum bloß?

Interview: Marco Weber Bild: imago

In der Zweitligasaison 2000/2001 schaffte St.Pauli das schier Unmögliche: Nur ein Jahr, nachdem der Absturz in die Regionalliga erst in letzter Minute verhindert worden war, stieg der Verein durch einen 2:1 Sieg beim 1. FC Nürnberg am letzten Spieltag in die Bundesliga auf. Neben Spielern wie Klasnic, Patschinski und Bajramovic spielte Keeper Heinz Weber eine starke Saison.

»Heinz war ein ganz wichtiger Baustein für den Aufstieg«, sagt sein damaliger Trainer Dietmar Demuth noch heute. »Wir waren sehr zufrieden mit ihm, er war sowohl außerhalb des Platzes als auch auf dem Platz eine absolute Führungspersönlichkeit und er hat immer seine Leistung gebracht«, ergänzt St. Paulis Ex-Manager Stephan Beutel.

In der Torwartrangliste des »Kickers« musste er sich nur Andi Köpke geschlagen geben, alles anderen Keeper ließ er hinter sich.  

Alles schien perfekt, dachten nicht nur die Fans. Sowohl der Trainer als auch der Manager wollten Weber unbedingt halten, und dieser konnte sich nichts Schöneres vorstellen, als mit St. Pauli in der Bundesliga zu spielen.

Doch daraus wurde nichts. Denn der FC Tirol wusste um die Bedeutung Webers für die Hamburger und verlangte eine Million Mark Ablöse für den Keeper. Da der FC Tirol nicht verhandlungsbereit und der FC St .Pauli laut Beutel »nicht in der Lage war, diese Summe zu bezahlen«, musste Weber gezwungenermaßen nach Österreich zurückkehren, um dort wieder auf der Bank Platz zu nehmen.

Dass St. Pauli in der Folgesaison mit zwei nicht erstligatauglichen Keepern wieder abgestiegen ist und der FC Tirol nur ein Jahr später Pleite ging, macht die Geschichte noch tragischer.  

Acht Jahre später haben wir uns auf die Suche nachdem in der Versenkung verschwundenen Weber gemacht und den heute 33-jährigen bei Austria Kärnten gefunden. Im Interview erinnert er sich mit Gänsehaut an eine »Weltklasse«-Zeit, er spricht mit uns über die bittere Enttäuschung und über RB Leipzig.    


Heinz Weber, wie geht es Ihnen?  

Sehr gut.  

Wie läuft es sportlich?  

Ich spiele beim SV Austria Kärnten in der österreichischen Bundesliga. Letztes Jahr sind wir Sechster geworden, und jetzt startet die Vorbereitung auf die neue Spielzeit. Zurzeit bin ich die Nummer zwei hinter Andreas Schranz, aber die letzten beiden Spiele habe ich gespielt.  

Acht Jahre ist es mittlerweile her, dass Sie in Deutschland mit St. Pauli für Aufmerksamkeit gesorgt haben.  

Das war der Wahnsinn, man kann gar nicht wirklich beschreiben, wie das Ganze abgelaufen ist. Schon als ich das erste Mal am Millerntor spielen konnte, war das unglaublich schön. Auch durch die Geschichte der Vorsaison, als der Klassenerhalt erst in der letzten Minute geschafft wurde, hatten wir einen irrsinnigen Zusammenhalt in der Mannschaft. Es war eine Zeit, die ich nie vergessen werde. Ja, man kann sagen, dass es Weltklasse war, dort zu spielen.  

Einmalig?  

Ja. Was ich dort erlebt habe, das habe ich bei Weitem nicht mehr erlebt, und ich habe schon einige Stationen erlebt. Der Verein ist Kult, das wird er immer sein, und deswegen hängt mein Herz auch jetzt noch, nach acht Jahren, an St.Pauli. Allein die Aufstiegsfeier, als alle Dämme gebrochen sind. Wenn ich an die feiernden Fans denke, bekomme ich noch heute Gänsehaut.  

Wissen Sie noch, wie St. Pauli auf Sie aufmerksam wurde?  

Es war Riesenglück, dass ich überhaupt nach Hamburg gekommen bin und eigentlich der pure Zufall. Ich saß beim FC Tirol nur auf der Bank, und dann hat mein damaliger Torwarttrainer Horst Hrubesch angerufen und gefragt, ob er nicht einen Verein für mich wüsste. Hrubesch hat St. Pauli vorgeschlagen und mich dort schmackhaft gemacht. Dann bin ich nach Hamburg geflogen, und wir hatten in einer Viertelstunde alles geklärt. Ich saß mit  Manager Stephan Beutel kurz am Tisch, alles hat gepasst und ich habe unterschrieben. Zum Glück hat mir Tirol damals keine Steine in den Weg gelegt und mich kostenlos verliehen.  

32 Spiele haben Sie für die Hamburger gemacht, Sie sind aufgestiegen und der »Kicker« bewertete Ihre Leistungen mit dem Prädikat »herausragend«. Es hat alles für Ihren Verbleib am Millerntor gesprochen.  

Es hat sehr viel dafür gesprochen, vor allem aber habe ich dafür gesprochen. Tirol wollte mich verkaufen... aber ... das ist eben die dunkle Seite im Fußballgeschäft. Ich weiß selbst nicht, warum es nicht geklappt hat, und das ist natürlich sehr bitter. Ich wollte unbedingt in Hamburg bleiben, habe das auch dem Verein und allen Zeitungen gesagt, aber warum es nicht ging, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass Tirol eine Million Ablöse verlangt hat und St.Pauli nicht so viel bezahlen wollte. Dann wäre theoretisch noch mal ein Leihgeschäft in Frage gekommen, aber irgendwie hat es nicht sein wollen.  

Wer hat Ihnen das mitgeteilt?  

Eigentlich niemand. Es ist halt dann so gewesen.  

Sie mussten wieder zum Training nach Innsbruck?  

Ja, leider. Wie gesagt, das ist die dunkle Seite des Geschäfts. Ich konnte mich von keinem wirklich verabschieden, weil ich bis zuletzt gehofft hatte, dass ich doch noch irgendwie bleiben kann. Das hat sehr geschmerzt.  

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