Sportstücke – Ein Festival aus Sport und Neuer Musik

»Primitivität ist auch schön«

Klassische Musik und Kurvengebalze sind auf dem ersten Blick nicht wirklich miteinander vereinbar. Markus Bongartz plant dennoch ein Festival aus Sport und Neuer Musik in Berlin. »Sportstücke«, aufgeführt vom 28. November bis zum 12. Dezember, soll die Gemeinsamkeiten aufdecken.

Markus Bongartz, ein Festival mit Musik und Sport zu verbinden klingt erstmal eher ungewöhnlich. Wie haben Sie sich das vorgestellt?
Wir planen sechs Veranstaltungen. Die Verbindung zwischen Sport und Musik liegt in erster Linie in der Performance. Sowohl musikalische Auftritte, als auch sportliche Wettkämpfe, beinhalten eine gewisse Theatralik. Eine Kunstform. Die Besonderheit bei unseren Veranstaltungen liegt darin, Töne und Klänge darzustellen, auf die man sonst nicht achtet.

Also liegt der Schwerpunkt eher auf der klassischen Musik?
Nicht ausschließlich. Denkbar sind auch computergestützte Klänge. Aber der Schwerpunkt liegt in der klassischen Musik, in der neuen Musik.

Fußball und klassische Musik. Deftig versus Etikette. Auf den ersten Blick gibt es, abgesehen von der Champions-League Hymne, wenige Gemeinsamkeiten. Wo sehen Sie Übereinstimmungen?
Das Körperliche! Auch die klassische Musik ist etwas sehr körperliches mit einer unheimlichen Intensität. Quasi eine Rückbindung von etwas Artifiziellem. 
Gerade in der Jugendarbeit wird in beiden Bereichen unheimlich hart gearbeitet um letztlich erfolgreich zu sein. Aber der Unterschied zum Sport ist, dass man den Erfolg messen kann. Auch wenn Fußball noch so schön ist, am Ende kommt es darauf an, wer mehr Tore geschossen hat. Manchmal ist Fußball so furchtbar ungerecht.

Sind Sie selbst Fußballfan oder haben aktiv Fußball gespielt?
Nein, gespielt habe ich nie. Ursprünglich komme ich aus Mönchengladbach und bin dementsprechend Gladbach-Fan. Und ich war auch schon im Stadion.

Sie würden aber nie wieder hingehen, weil «Scooter» als Torjingle zu viel des Guten war?
Doch natürlich. Das gehört doch dazu! Ich habe auch kein Problem mit irgendeiner Art von Musik. Primitivität ist auch schön. Das Pseudo-Proletarische hat mich eigentlich nie gestört. Aber eines stört mich schon!

Und das wäre?
Die Unverhältnismäßigkeit der Popularität zwischen Musikern und Fußballern. Aufmerksamkeit und Popularität will doch jeder. Darum wird es bei unserer Veranstaltung auch gehen: Inwieweit spielt, mit Blick auf den Sport, auch Neid bei den Musikern eine Rolle.

Gibt es zwischen beiden Bereichen Ihrer Meinung nach noch das klassische Schubladen-Denken? Oder anders gefragt: Wie sollte man dem Kuttenträger aus der Kurve Chopin schmackhaft machen?
Das Schubladen-Denken gibt es doch eigentlich gar nicht mehr. Von beiden Seiten aus. Die subtile Denkweise, dass man schon vor dem Spiel einen halben Kasten Bier getrunken hat und im geschützten Raum rumgrölen kann, ist zwar schön, entspricht aber doch nicht wirklich dem Naturell der Menschen. Im Alltag sind die Menschen nochmal ganz anders. So primitiv ist der Fußball nicht.

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Für die Veranstaltung Spiele 2012 - eine theatrale Begegnung von Neuer Musik und Sport mit dem ensemble unitedberlin sowie Leistungssportlern und -sportlerinnen des Olympiastützpunktes Berlin am 09.12.2012, verlost die Berliner Gesellschaft für Neue Musik e.V. 5x2 Karten. Schickt einfach eine Mail mit dem Betreff »sportstücke« an bureau@3berlin.de.

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