31.05.2013

Sportfreunde Stiller über Schweini, Lorant und die Nationalmannschaft

»Hau ab, du Bayern-Sau!«

Im WM-Sommer 2006 wurden die Sportfreunde Stiller von ihrem eigenen Erfolg überrollt. Jetzt kommen sie mit einem neuen Album zurück. Ein Gespräch über Spätfolgen des WM-Hypes, die Hausmeisterqualitäten von Werner Lorant und Haschisch im Basskoffer.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Gerald von Foris

Wenn man heute mit Ihnen spricht, hat man nicht das Gefühl, dass die WM langfristige Schäden hinterlassen hat. Aber können Sie das Lied überhaupt noch hören?
Rüde: Ich mag das Lied sehr gerne, äußerst selten bauen wir es auch mal irgendwo ein. Als Überraschung. Was ich aber nie wieder haben möchte, ist dieses ständige Gefühl, von allen beobachtet zu werden.

Die Schattenseiten des Ruhms.
Rüde: Nach der WM gab es Wochen, da stand ich kurz vor der Paranoia. Ich konnte nicht mal mehr in den Supermarkt gehen, ohne dass irgendwo das Tuscheln anfing.
Peter: Hattest Du immer deinen Basskoffer dabei? (alle lachen)
Rüde: Dieses Gefühl andauernd angesehen zu werden. Die Leute erkennen dich ja nicht auf Anhieb, sondern sie starren dich an wie einen alten Klassenkameraden. Und dann sieht man, wie es in ihren Köpfen rattert und arbeitet. Ich habe das als wahnsinnig anstrengend empfunden, für diese kurze Zeit ein bekanntes Gesicht zu sein. Und ich bin nur der Bassist. Ich möchte nicht wissen, wie es Peter da ging.
Peter: Natürlich haben die Leute mehr getuschelt. Aber trotzdem verbinde ich mit diesem Lied eine wahnsinnig schöne Zeit. Vielleicht sogar den Sommer unseres Lebens. Aber wir wollten eben nicht nur auf dieses Lied reduziert werden. Das war schon ein großes Problem für uns.

Dann haben Sie mit »You have to win Zweikampf« eine reine Fußballplatte veröffentlicht. War das ein Fehler?
Peter: Nein, das war eine hervorragend Platte. Vielleicht die beste Fußballplatte aller Zeiten. (lacht) Aber wir haben gemerkt, dass wir in der Wahrnehmung der Leute eine reine Fußballband sind. Und das ist faktisch falsch.
Flo: Deswegen haben wir auch sehr schnell eine weitere Platte veröffentlicht. Das war im Nachhinein vielleicht ein Fehler, aber wir wollten den Leuten zeigen, dass wir auch vor der WM schon Hunderte Lieder ohne Fußballbezug geschrieben haben und das auch weiterhin tun wollen.

Also doch ein paar Spätschäden.
Flo: Wir sind eine Band mit zwei absoluten Fußballfreaks  – und selbst den Rüde haben wir mittlerweile schon ganz gut infiltriert. Wenn uns einer 2002 gesagt hätte, dass wir 2006 WM-Hit schreiben werden, dem hätte ich wahrscheinlich auf die Nase gegeben. Das war schon Wahnsinn.
Rüde: Aber zum Kerner wollten wir trotzdem nicht.

Man muss eben auch in den sauren Apfel beißen.
Rüde: Ich weiß noch, wie die Plattenfirma total begeistert anrief und brüllte: »20 Millionen Zuschauer mindestens. Eine einmalige Chance.« Und Flo nur sagte: »Ne, da kann ich nicht. Da habe ich Fußballkarten. Deutschland gegen Schweden in München.«
Flo: Ich wollte ins Stadion und hatte bestimmt 20 Anrufe vom Labelchef. Aber keine Chance.
Rüde: Für mich nach wie vor unbegreiflich.

Wie sind Sie dann doch bei Kerner im Studio gelandet?
Flo: Durch ein unmoralisches Angebot. Der Deal war: Wenn wir zum Kerner gehen, lädt uns die Plattenfirma nach Berlin ein. Viertelfinale. Deutschland gegen Argentinien. Tolles Hotel.
Peter: Wer da nein sagt, der ist doch bescheuert, oder?
Flo: Und als wir das alles miterlebt haben, diesen ganzen Wahnsinn, da war ich dann halbwegs entschädigt.

Sie sind echte Experten: Warum ist Fußballmusik meistens so schlimm?
Peter: Ich denke, es gibt nur elf wirklich gute Fußballstücke. (lange Pause) Und die sind alle auf unserer Platte »You have to win Zweikampf«.

Gibt es einen Fußballsong, der so schlecht ist, dass er schon wieder gut ist?
Flo: (grübelt) Mensch, wie heißt das Ding noch (springt auf und tanzt) »Rummenigge, Rummenigge, sexy knees«. Das ist so scheiße, dass es mir schon wieder gefällt.
Peter: Aber die Bibel der Fußballsongs ist und bleibt doch »Three Lions«, oder? Was soll da noch kommen.
Flo: Das ist ja das Problem. Alle orientieren sich daran.
Rüde: Wir mit »54, 74.... « doch auch, oder? (alle lachen)

Im Grunde warten wir aber alle auf eine große Fußballplatte mit der Nationalmannschaft am Mikro. Wollen Sie zur WM 2014 nicht Udo Jürgens beerben?
Flo: Es gab tatsächlich mal die Anfrage, ob nicht ein paar Spieler bei uns mitsingen wollen, aber da hat der Bierhoff nur gesagt: »Nette Idee, aber wir konzentrieren uns lieber auf Fußball.«
Rüde: Der Benny Lauth hat doch mal mitgemacht und Roque Santa Cruz. Allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, wann immer wir mit einem hoffnungsvollen Talent in Berührung kommen, geht es mit ihm bergab.

Sie sind also der Band gewordene Nutellafluch.
Peter: Wenn man es so will, ja. Vielleicht würden wir im deutschen Fußball mehr Schaden anrichten, als für Segen sorgen.  

Wer ist das größte Showtalent in der aktuellen Nationalmannschaft?
Peter: Der Müller, der ist ein Wahnsinniger. Der macht alles mit. Ich find den super.
Florian: (schreit) Ist aber auch ne Bayern-Sau.
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