20.04.2009

Sportfreunde Stiller über Klinsi und Bon Jovi

»Mehr Metal im Fußball!«

Vor 13 Jahren spielten sie noch vor 50 Leuten und zwei Hunden. Die WM 2006 katapultierte sie in unwirkliche Sphären: 500.000 Fans feierten die Sportfreunde Stiller in Berlin. Ein Gespräch über die Sorge, zum Deppen zu werden.

Interview: Benjamin Apitius, Andreas Bock Bild: Imago
Flo, Du bist 1860-Fan. Ist diese Saison des FC Bayern eine Genugtuung für Dich?

Flo (lacht): Ich bin mittlerweile nicht mehr so streng mit dem FC Bayern. Ich habe denen einmal Tod und Hass geschworen – aber gegen Wolfsburg und Barcelona haben sie mir schon Leid getan, da sind sie ja wie die Hühnchen auseinander genommen worden. Auf diesem Wege möchte ich dem Grafite auch zum Tor des Jahres gratulieren. Aber ich bin mir fast sicher: In dieser Form hätte ich einen Lell und einen Ottl auch alt aussehen lassen, die waren ja so etwas von gar nicht da in dieser Situation.

Peter: Die ganze zweite Hälfte war demütigend! Und so dumm! Wie der verletzte Lucio da noch zu dieser Ecke humpelt und denkt, er müsse das jetzt alleine machen – und kommt dann nicht zurück. Und der van Bommel! Der muss doch nur aggressiver drauf gehen! Macht er aber nicht! Dieses Getrabe kotzt mich wirklich an!

Flo: Ich möchte keinem zu nahe treten… (überlegt) Aber kann es sein, dass der Lucio so leicht dumm ist? Ich will echt nicht, dass der mich jetzt verklagt…

Er mag Pferde.

Flo: Er mag Pferde? Ja, das ist doch schon mal ein Indiz (lacht). Die Bayern müssen auf dieser Position unbedingt handeln. Lucio agiert in den letzten Monate einfach sehr unclever. Er kommt mir vor wie ein kleines Kind, das mit dem Kopf durch die Wand will…

Peter: …was natürlich auch geile Momente hervorbringt…

Flo: …für den Gegner!

Ist Jürgen Klinsmann der richtige Mann in München?

Flo: Seine Stärke liegt sicherlich in der Motivation, da ist er mit Christoph Daum vergleichbar. Aber taktisch? Der Jogi fehlt ihm schon, das merkt man natürlich. Wie heißt sein Co-Trainer jetzt?

Peter: Vasquez.

Flo: Genau. Ich weiß auch nicht, ob es so clever ist, sich in der Bundesliga einen Mexikaner an die Seite zu stellen. Aber ganz ehrlich, man muss dem Klinsmann auch die Zeit geben. Jetzt zu sagen, er sei der falsche Mann, finde ich ein bisschen unfair. Die Meisterschaft ist noch lange nicht entschieden.

Doch auch seine Motivationskünste scheinen in München nicht richtig zu fruchten. Kennt Ihr das als Band auch, wenn man mal nicht so richtig Lust hat, aber auf die Bühne muss? Gebt Ihr immer hundert Prozent?

Peter: Manchmal geht es einfach nicht, keine Frage, und dann geht ein Konzert auch schon mal daneben.

Flo: Sobald wir anfangen zu spielen, entsteht ja auch ein gewisser Lärmpegel, der uns wachrüttelt. Bei uns kommt es ja auch nicht in dem Sinne auf Leistung an wie bei Profifußballern. Wir können uns ja gegenseitig noch im Spaß mitreißen. Aber wenn jetzt der Podolski auf dem Platz anfängt, Witze zu reißen…

Peter: …naja, man kann zumindest die Leute ansprechen und heiß machen. Das bekomme ich bei den Bayern aber auch nicht mit.

Schüchtert vielleicht die Kulisse doch mehr ein als es die Spieler zugeben wollen?

Peter: Ich kann mir das schon vorstellen, wenn du im gegnerischen Stadion spielst und dir da eine ordentliche Wand entgegen brüllt. Aber in Wolfsburg?

Flo: Ich denke, es kann dich ganz schön antreiben, wenn dich die eigenen Fans nach vorne peitschen – und einschüchtern, wenn die gegnerischen Fans in der Übermacht sind.

Wurdet Ihr von eurem Publikum schon einmal eingeschüchtert? Wie war beispielsweise euer Auftritt mit der Nationalmannschaft am Brandenburger Tor vor über 500.000 Menschen?

Peter: Das war so eine riesige Masse, soweit wir gucken konnten, ein Meer von Köpfen. Da haben wir ja aber auch nur das eine Lied gespielt, es war Euphorie pur, ein krasser Adrenalinschub – und dann war es ja auch schon wieder vorbei (schnipst).

Flo: Es ist auch für uns wichtig, wie das Publikum reagiert. Wenn die Menschen von Anfang an tanzen und mitsingen, ist das für uns schon die halbe Miete. Sobald wir aber merken, dass das Publikum ein wenig zurückhaltend ist, kommt man auch schnell auf falsche Gedanken. Der Rüdiger ist sehr abhängig vom Publikum und kommt dann nicht so richtig rein, wenn es nicht von Anfang an funzt.

Wie hoch geht es bandintern her, wenn die Löwen gegen die Bayern spielen?

Flo: Wir sind uns diesbezüglich noch nie in die Quere gekommen. Als 1860 noch in der Bundesliga gespielt hat, haben wir natürlich versucht, die Derbys zusammen zu schauen, dann gab es natürlich Sticheleien… Aber ich denke, das gehört dazu.

Rüdiger (betritt den Raum): Noch nie in die Quere gekommen? (lacht) Als wir 1999 zusammen das Champions League-Finale geschaut haben und du nach dem Abpfiff lachend durch die weinenden Bayern-Fans gestapft bist…

Peter: …das habe ich bis heute nicht verstanden! Wie man das feiern kann, wenn etwas so Krasses passiert!

Aber es gibt doch auch sicherlich immer wieder Streitpunkte. Uli Hoeneß, zum Beispiel, muss doch eine Hassfigur für dich sein, Flo.

Flo:
In einem Büchlein, das ich mal geschrieben habe, ist »Hoeneß« als das schlimmste Schimpfwort deklariert, das es gibt. Mittlerweile habe ich meine Ansicht aber ein wenig geändert. Ich habe viele Bayern-Spieler kennen gelernt, die gesagt haben, er sei ein guter Typ. Denen schenke ich jetzt meinen Glauben, denn sozial engagierte Menschen gibt es eindeutig zu wenig.

Peter: Ich war auch so scheiße (schlägt die Hände über dem Kopf zusammen). Auf der Filmpremiere von »Freigespielt«, dem Film von Mehmet Scholl, hatte ich die Chance, Uli Hoeneß die Hand zu schütteln und mich vorzustellen. Und dann gehe ich auf ihn zu und plötzlich vergeht mir der Mut und ich war einfach zu schüchtern.

Flo: Was hast du gemacht?

Peter: Ich bin einfach vorbeigegangen…

Flo: …und hast gesungen: »Uli Hoeneß – homosexuell« (lacht)?

Peter: (niedergeschlagen) Ich habe mich nicht getraut, ihn anzusprechen.

Wird Mehmet Scholl sein Nachfolger als Manager bei den Bayern?

Flo: Das habe ich auch gelesen. Der Mehmet soll lieber eine Band aufmachen!

Peter: Mit Tanne am Bass!

Flo: Ich würde dem FCB raten, einen sehr kompetenten Mann zu holen. Es kursiert ja auch immer wieder Oliver Kahn als möglicher Kandidat, der wäre für mich ebenso wie Scholl ein nicht kompetenter Nachfolger. Du kannst da eigentlich nur einen geschulten Wirtschaftsmann hinsetzen.

Dann hätte Mehmet Scholl endlich Zeit, mit Euch auf Tour zu gehen.

Flo: Eigentlich dachten wir, er würde uns 2007 auf unserer Tour mal besuchen, aber das hat dann aus verschiedenen Gründen nicht geklappt.

Peter: Kegeln?! (lacht)

Was ist Euer Ausgeichssport?

Flo: Der Peter reitet ganz gerne (lacht).

Peter: Du lachst – aber ich würde echt gerne reiten können.

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