Sportfotograf Björn Hake über Wesleys Fotoexperiment

»Wesleys Fotos sind schwer in Ordnung«

»Der verrückteste Torjubel aller Zeiten«, japste ein Sportschau-Kommentator, als sich Werder Bremens Wesley am Wochenende die Kamera eines Fotografen griff und herumknipste. Wir sprachen mit dem Besitzer der Kamera über Wesleys Talent an der Kamera. Sportfotograf Björn Hake über Wesleys Fotoexperiment

Der Bremer Sportfotograf Björn Hake geriet am vergangenen Samstag in den öffentlichen Fokus, weil er Teil des ungewöhnlichen Jubels von Werder Bremens Mittelfeld-Akteurs Wesley wurde. Der 35-jährige Fotograf, der für die Agentur Pressefoto Ulmer arbeitet, glaubt, dass so in der Bundesliga ein neuer Jubel-Trend entstand.

Björn Hake, vergangenen Samstag nahm Ihnen Werder Bremens Mittelfeldmann Wesley nach seinem Tor die Kamera ab und fotografierte Bremens Stürmer Marko Arnautovic vor den Fans. Wie haben Sie die Szene empfunden?

Björn Hake: Zunächst war es für mich ganz normal, dass ein Spieler jubelnd auf mich zu rennt, weil das häufig passiert. Erst, als Wesley sehr dicht vor mir stand, wurde mir bewusst, dass etwas nicht normal ist. Er forderte mich auf, dass ich ihm meine Kamera gebe. Ich habe nicht lange überlegt und sie ihm gegeben.

[ad]

Das Gerät kostet rund 8.000 Euro. Hatten Sie Angst um Ihre Kamera?

Björn Hake: Zu keinem Zeitpunkt, denn ich hatte Vertrauen in Wesley, dass er damit keinen Blödsinn macht. Er hielt sie auch professionell in seinen Händen.

War das der Grund, warum die Fotos des Brasilianers erstklassig wurden?

Björn Hake: Mein Eindruck ist, dass er schon häufiger mit so einer Kamera fotografierte. Er schaute auf das Display und versuchte, das Gerät perfekt einzustellen, was aber gar nicht nötig war. Seine Fotos wurden dennoch gestochen scharf und auch der Bildausschnitt mit Arnautovic passte. Wesleys Fotos sind schwer in Ordnung.

Sie arbeiten seit 1995 als Sportfotograf, insbesondere in der Fußball-Bundesliga. Hatte Sie schon ähnliche Erlebnisse mit Spielern?

Björn Hake: Dass mir ein Spieler die Kamera während einer Partie aus der Hand nahm, nicht. Aber Carlos Alberto hat sich bei mir einmal per Handschlag entschuldigt, weil er mich fast mit einem verunglückten Schuss traf. Ein anderes Mal rannte mich Ivan Klasnic im Spiel an der Seitenlinie um – ich fürchtet kurz um meine Ausrüstung, aber es ging nichts zu Bruch. Und beim Confed Cup 2005 riss direkt über mir das Stadiondach, weil es so heftig regnete. Aber so ein Feedback wie nach Wesleys Aktion habe ich noch nicht erlebt.

Sie gaben in den vergangenen Tagen mehreren Bremer Fernseh-Sendern Interviews, und sogar die englische Zeitung »The Guardian« berichtet in ihrer Online-Ausgabe darüber.

Björn Hake: Ich hoffe nicht, dass ich so das Gespräch der Stadt bin, denn ich halte mich lieber hinter der Kamera auf, weil ich nur Beobachter der Szenen bin. Ich fühle mich deshalb gar nicht so wohl in der Rolle, auf einmal ein Teil des Mittelpunktes zu sein.

Glauben Sie, dass Wesleys Kamera-Jubel, der bislang einmalig in der Bundesliga war, ein neuer Tor-Jubel in Deutschland wird?

Björn Hake: Möglich ist es, ich bin selbst gespannt. Ich gehe eigentlich davon aus, dass es irgend ein Spieler in den nächsten Wochen nach macht.

Verwandte Artikel

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!