Sportdirektor Gerhard Stöger im Interview

„Es hat sich abgenutzt“

2005 übernahm ein Brause-Gigant die gute alte Austria Salzburg und drückte ihr seinen Namen auf. Daraufhin gründeten die Fans den Verein neu und fingen ganz unten wieder an. Doch nun greifen auch im Idyll die Mechanismen des Business. Sportverein Austria Salzburg

Herr Stöger, sind Sie geschockt, dass Gustl Kofler so plötzlich zurückgetreten ist?

Natürlich haben wir so kurzfristig nicht damit gerechnet. Es gab allerdings in letzter Zeit schon einige markante Zeichen, die darauf hingewiesen haben. Aber wir haben alle versucht, das Ganze bis Saisonende mitzutragen und mitzugestalten. Es ist in unserem Verein eine ganz wesentliche Komponente, dass alle versuchen, gemeinsam Probleme zu lösen.

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Welche Probleme gab es denn zu lösen?

Der Hauptgrund liegt sicherlich im Verhältnis zwischen Kofler und der Mannschaft. Es gab da sehr unterschiedliche Auffassungen. Auch ich hatte teils Meinungsverschiedenheiten mit Gustl Kofler, wobei ich mich mit gewissen Ansichten immer im Hintergrund gehalten habe. Aber der entscheidende Faktor war die Mannschaft, die einige Vorgehensweisen nicht mehr akzeptieren konnte. Und deswegen ist das leider so gekommen.

Waren es eher menschliche oder sportliche Meinungsverschiedenheiten?

Das sind hauptsächlich sportliche Anschauungen, vielleicht auch zwischenmenschliche Sachen. Da möchte ich aber nicht näher drauf eingehen. Das sind vereinsinterne Dinge.

Zu Saisonende sollte Kofler aber sowieso gehen.

Ja. Wir haben eine sehr intensive Zeit miteinander verbracht. Durch unseren Neuanfang in der untersten Liga, die sportlichen Ziele, die wir uns gesetzt haben und die viele Arbeit, die wir investiert haben, war die Zeit noch viel intensiver. Da nutzt sich das ein oder andere schon mal schneller ab, und wir müssen darauf schauen, dass die weitere Perspektive nicht verloren geht.

Welchen Einfluss hat Koflers Rücktritt auf die weitere Entwicklung des Vereins?

Für die weitere Entwicklung bedeutet das zunächst, dass ein neuer Trainer gesucht wird. Ein Trainer, der zu dem Gesamtkonzept Austria Salzburg bestmöglich passt. Das ist aber natürlich auch eine Frage von Angebot und Nachfrage. Wir haben aber einige Wochen und Monate Zeit, den besten Trainer für die weitere Entwicklung zu finden.

Es wird viel Wert darauf gelegt, dass sich der Trainer stark mit dem Verein identifiziert. Gibt es jemanden, der das genauso kann wie Kofler?

Sicher gibt es einige Leute. Ich kann ihnen aber jetzt noch keine Namen nennen. In den nächsten Wochen wird es da sicher Spekulationen geben. Die Identifikation ist das eine, das andere ist aber auch die fachliche und sachliche Komponente, die uns neben der Identifikation mit dem Verein und seinem Werdegang auch sehr wichtig ist.

Sie sind auch ein Mann der ersten Stunde und werden vorerst die Mannschaft übernehmen. Stehen Sie auch als Trainer zur Debatte?

Ja, ich habe die meiste Zeit zusammen mit Gustl Kofer die Trainerbank gedrückt. Mein Ziel ist es jetzt erstmal, mit ein oder zwei Assistenten die Mannschaft bis Saisonende zu führen und in die 2.Landesliga Nord aufzusteigen. Das wird aber sicher kein Selbstläufer, und wir müssen unsere Hausaufgaben machen. Wir werden aber alles dafür tun, dass in allen Bereichen Leute eingesetzt werden, die geeignet sind Austria Salzburg entsprechend zu professionalisieren.

Wenn es mit Ihnen als Trainer gut läuft, wäre das also eine Alternative?

Man sieht ja jetzt in diesem aktuellen Fall, dass man immer Alternativen braucht. Aber mein erstes Ziel ist es, einen Trainer zu finden, der ab Sommer mindestens zwei Jahre mit dem Verein zusammenarbeitet und die hoffentlich großartige Erfolgsgeschichte des Vereins weiterführt. Das wird sicher schwer genug, und es bedarf bestimmt vieler Gespräche.

Die ersten Schritte hat der Verein erfolgreich hinter sich gebracht. Wie sehen die weiteren Ziele aus?

Mittelfristig ist das Ziel die erste Landesliga, vielleicht sogar die Regionalliga. Das wird allerdings nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern auch wirtschaftlich sehr sehr schwierig. Da muss im Umfeld schon alles tiptop passen. Darum werden wir versuchen in den nächsten zwei bis drei Jahren die Vereinsstrukturen so auszurichten, dass wir wirtschaftlich gerüstet sind.

Glauben Sie denn, dass es überhaupt möglich ist, wieder im Profibereich zu spielen und sich zugleich der Kommerzialisierung entgegenzustellen?

Da stellt sich die Frage, was man unter Kommerzialisierung versteht. Gerade im Fußball ist wirtschaftliche Unterstützung maßgeblich. Allerdings kenne ich kein Land, in dem es so läuft wie in Österreich. Ich kenne keinen FC T-Mobile München und auch kein Real Siemens Madrid. Diese Art der Kommerzialisierung, wie wir es erlebt haben, ist »Made in Austria«. Aber ich denke, es lassen sich Wege finden, auch ohne wandelnde Litfasssäule im Profibereich zu spielen und eine derartige Kommerzialisierung zu umgehen. Die Österreicher sind ja sehr einfallsreich, und ich denke, dass auch uns etwas einfallen wird. Aber es ist ein wesentliches Vereinsstatut, dass die Vereinsfarben und der Vereinsname unangetastet bleiben. Strukturelle Veränderungen kann es aber natürlich jederzeit geben.

Kofler war bei den Fans sehr beliebt. Befürchten Sie, dass sein Weggang Unmut unter den Fans auslösen könnte?


Befürchtungen habe ich nicht. Es wird sicher noch eine Erklärung von Gustl Kofler geben. Leider konnte ich bisher noch nicht persönlich mit ihm sprechen, da ich gerade erst aus dem Urlaub zurückkomme. Aber es ist sicherlich für unsere Fans nicht einfach, weil Gustl Kofler gerade in der ersten Zeit hervorragende Aufbauarbeit geleistet hat. Und dafür sind ihm sowohl die Fans, wie auch der Verein sehr dankbar.

Können Sie die Entscheidung von Gustl Kofler verstehen?


Selbstverständlich. Man muss sich ja immer selber hinterfragen. Und wenn man merkt, dass man die Mannschaft nicht erreicht, dann ist es das Beste aufzuhören. Gustl hat in einem Mannschaftsgespräch gemerkt, dass es zu viele Punkte gab, die zwischen ihm und der Mannschaft stehen, um konstruktiv weiter zu arbeiten und hat daraufhin trotz oder vielleicht gerade wegen seiner hundertprozentigen Hingabe für den Verein gesagt, dass es aufhören will.  

Was werden Sie anders machen, wenn Sie die Mannschaft jetzt übernehmen?

Viel wird sich zunächst nicht verändern. Es spricht ja für den Trainer und seine Arbeit, dass er mit mir zusammen die Mannschaft so geformt hat, dass sie jetzt da oben steht. Dennoch sind kleine punktuelle Änderungen absolut notwendig. Ich werde einige Gespräche mit den Spielern führen und gewisse strukturelle Veränderungen vornehmen, um aus diesem doch negativen Ereignis wieder eine positive Grundlage zu schaffen.

Wie hat denn die Mannschaft auf den Rücktritt reagiert?

Die Mannschaft schweißt so was nur noch mehr zusammen. Die sind sich ihrer Situation bewusst und wenn ihnen der Verein egal wäre, dann wäre das bestimmt schon viel früher passiert. Von daher ist es eine wichtige Sache, dass die Mannschaft mitbekommt, dass die Entscheidungen nicht nur von Dritten getroffen werden. Mich macht es stolz, dass diese Mannschaft den Mumm hat, dem Trainer direkt entgegenzutreten. Der Vorstand und auch ich in meiner Position als sportlicher Leiter haben alles probiert und versucht, Brücken zu schlagen, aber es ging halt nicht mehr. Die Differenzen waren zu groß.


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