Souleyman Sané über sein Traineramt

»Der Samy ist da!«

Souleyman Sané war einer der besten Stürmer der 80er Jahre. Danach verloren sich seine Spuren. Nun taucht er an alter Wirkungsstätte wieder auf: In Wattenscheid trainiert er einen Kreisligisten. Wir sprachen mit ihm.  Souleyman Sané über sein Traineramt

Souleyman Sané, die Fußballwelt hat Sie wieder, dieses Mal auf einem neuen Posten. Sie sind jetzt Trainer beim Kreisligisten DJK Wattenscheid.  

Ja, aber das ist nur ein kleiner Posten, in einem kleinen Verein.   

Ihr erster Trainerposten war die Stelle als Nationaltrainer von Sansibar. Wie kam es dazu?  

Das ist durch einen Freund von mir gekommen, der ist im Verband Sansibars tätig. Es gab eine Agentur, die die Aufgabe hat, die Nationalmannschaft Sansibars in Europa zu betreuen, dort arbeitet er.

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Welche Erfahrungen haben Sie dort gesammelt?  

Es war eine gute Gelegenheit für mich, Erfahrung als Trainer zu sammeln. Ich war nicht der offizielle Nationaltrainer Sansibars, sie haben einen Trainer in der Heimat. Ich war nur für die Zeit des Europaaufenthalts zuständig, um sie hier zu trainieren und vorzubereiten.   

Ihr Vertrag läuft bis 2011, mache Sie diesen Job immer noch?  

Ja, der Vertrag steht noch. Aber die Arbeit hindert mich nicht, auch noch andere Dinge zu tun. Ich bin parallel immer in der Spielervermittlung und Beratung tätig. Das ist kein Problem, da ich die Nationalmannschaft nicht jeden Tag trainiere oder bei jedem Lehrgang, wie Jogi Löw. Ich muss auch keine Spieler beobachten, ich muss sie nur hier trainieren und sie auf die Spiele vorbereiten. Das war kein schwerer Job. Es gibt auch keinen Druck, ich kann verlieren, ein Spiel oder alle, das ist ganz egal.   

Wie kam es zum Engagement beim DJK Wattenscheid?  

Ich kenne den Vorstand und den sportlichen Direktor durch einen Freund. Und als Frank Schulz und der Verein sich trennten, haben sie einen Trainer gesucht. Dann hat einer wohl gesagt: »was sollen wir suchen, wir haben doch den Samy vor der Tür, lass uns ihn fragen«. Das war vor ein oder zwei Wochen, da war ich nicht in Deutschland. Sie haben mich angerufen, aber ich habe gesagt, dass wir uns erst einmal treffen müssen, wenn ich wieder in Deutschland bin. Jetzt ist das auch erst mal eine Interimstrainerstelle. Ich gebe ihnen so Zeit, einen geeigneten Trainer zu suchen.   

Wollen Sie auch selber noch einmal die Fußballschuhe schnüren und auf den Platz laufen, als Spielertrainer?  

Na klar, die Kreisliga B schaffe ich noch.   

Noch spielt DJK in der Kreisliga B, wo soll es hingehen?  

Das Ziel des Vereins war schon vor meiner Verpflichtung der Aufstieg. Dementsprechend wurden Spieler geholt. Sie versuchen das mit dem Aufsteigen schon seit ein paar Jahren, haben es aber nie geschafft. Sie waren am Ende immer Zweiter oder Dritter, weil sie nachgelassen hatten. Schon Frank Schulz wollte aufsteigen und hat so geplant. Warum er aufgehört hat, weiß ich nicht, ich habe aber auch noch nicht gefragt. Wir spielen zusammen in der Traditionsmannschaft von Wattenscheid da werde ich ihn mal fragen, ob er aufhören wollte oder ob das aus dem Verein kam. Bis dahin hatten sie erst zwei Spiele – glaube ich – gemacht, eins davon gewonnen, eins verloren. Da gibt es eigentlich keinen Grund, einen Trainer zu entlassen. Okay, im Fußball weiß man nie. Da verlieren Mannschaften ein oder zwei Mal, und die Trainer sind weg. Aber ich denke nicht, dass es in der Kreisliga B, im Amateurbereich, so schnell geht, wie bei den Profis, wo so viel Geld im Spiel ist. 

Wie geht es jetzt weiter beim DJK?  

Noch kenne ich die Mannschaft nicht so gut und werde mir ab Sonntag angucken, wie die so sind. Dann kann ich die Lage besser einschätzen. Mein Ziel ist es, oben mitzuspielen, aber ob es zum Aufstieg reicht? Da müssen wir erst mal abwarten. Ich muss auch erst sehen, wie die anderen Mannschaften so sind. Dadurch dass ich jetzt beim DJK bin, wird es auch nicht leichter für uns. Alle wissen nun, dass der Samy da ist und ich mich nicht mit Platz vier oder fünf zufriedengeben werde. Es wird nicht leicht werden, die Spiele zu gewinnen. Bis jetzt war es so, dass, egal wo ich in der Amateurliga gespielt habe, der Verein dann aufgestiegen ist. In Leithe zum Beispiel, da sind wir sogar dreimal hintereinander aufgestiegen. Jetzt kenne ich das Potential der Mannschaft noch nicht und will noch nicht den Mund zu groß aufmachen, aber oben mitspielen will ich auf jeden Fall.   

Steigt die Textilbaronesse Britta Steilmann der alten Zeiten wegen mit Ihnen beim DJK Wattenscheid ein?  

Seitdem sie nicht mehr in Wattenscheid wohnt, haben wir eigentlich keinen Kontakt mehr, von daher glaube ich nicht.   

In Ihrer Karriere wurden Sie oft mit Rassismus konfrontiert. Trainer mit anderer Hautfarbe sind in Deutschland sehr selten. Befürchten Sie, dass Sie wieder verbal angegriffen werden?  

Ich bin jetzt schon so lange in Deutschland. Ich habe in zwei Amateurvereinen gespielt und habe da keine Schimpfwörter gehört. Mein Vorteil ist, dass mich viele Leute kennen. Wenn es dann doch mal wieder passiert, werden wir sehen. Aber ich denke nicht, dass ich ein wirkliches Problem damit haben werde. Und wenn ein oder zwei Fans schreien, dann ist das doch ganz egal. Ich bin in dem Alter, wo man auf solche Dinge ruhiger reagiert.   

Von Wattenscheid ist es nicht weit nach Gelsenkirchen oder Bochum, zog es Sie nie zu einem der großen Vereine?  

Ich wurde von da noch nie gefragt, ob ich kommen möchte. Ich habe mir nie Mühe gegeben, im Vordergrund zu stehen, schon zu meiner Profizeit war ich am liebsten im Hintergrund. Ich wollte immer nur meine Arbeit machen. Und jetzt, als Trainer, habe ich keinen Schein. In Europa wird immer sehr viel Wert auf solche Scheine gelegt, egal in welchem Bereich. Aber ich glaube nicht, dass ein Trainer einen Schein braucht, um gut zu sein. Ich habe 23 Jahre lang im Profifußball gespielt und genug Erfahrungen gesammelt, mit guten Trainern und schlechten, ich habe von ihnen gelernt. Auch Wattenscheid 09 hat noch nicht gefragt. Als dort im Verein umstrukturiert wurde, wurde keiner von uns ehemaligen Spielern wie z. B. Stefan Emmerling gefragt, ob wir bei diesem Neuanfang helfen können oder wollen. Wenn mich jemand nach Hilfe fragt, dann helfe ich gerne, wenn man mich nicht fragt, dann frage ich auch nicht.   

Ist Wattenscheid ihre große Liebe? Sie haben dort so lange Jahre verbracht.  

In Wattenscheid ist der Verein, in dem ich in Deutschland am längsten gespielt habe. Aber ich bin ein bisschen wie ein Zigeuner. Wenn ich wo hingehe und ich werde dort akzeptiert, dann fühle ich mich dort auch zuhause, das war so in Freiburg, Nürnberg, Wattenscheid, in Frankreich, Österreich und der Schweiz. Trotzdem hänge ich auch an jedem Verein, für den ich mal gespielt habe und verfolge, wie es ihnen geht. Ich habe auch fast überall noch Freunde, und wenn ich zu einem Spiel gehen würde, dann würde ich wohl an jedem Sportplatz noch jemanden treffen, den ich kenne. Ich bin zwar kein Riesenfan von diesen Vereinen, aber wenn es mit ihnen bergab geht, dann macht mich das schon traurig.   

Vor zwei Jahren witzelten Sie in einem Interview, dass Sie der erste schwarze Trainer in der Bundesliga sein wollen. Ist DJK Wattenscheid nun der Beginn dieser Laufbahn?  

(lacht) Wer weiß. Das ist mein erster richtiger Verein als Trainer. Ich werde sehen, wie schwer der Trainerjob ist. Obwohl ich weiß, dass Trainer es nicht leicht haben, mal sehen, wie das im Amateurbereich ist. Das Schwerste wird hier wohl sein, dass die Spieler keine Profis sind, die haben eine andere Einstellung zum Sport, sie leben ja auch nicht vom Fußball. Ich werde sehen, wie ich mich mache. Und wenn ich Erfolg habe, klopfen vielleicht auch mal andere Leute an meiner Tür. 

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