So verliefen die Gespräche zwischen Fans und DFL

»Es war keine Revolution!«

Am Dienstag trafen sich Fanvertreter zu Gesprächen mit der DFL. Teilnehmer der Runde waren u.a. die DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig und Christian Seifert sowie Fanvertreter von »Pro Fans«, »12:12« und »Unsere Kurve«. Jan-Henrik Gruszecki, Sprecher der »12:12«-Initiative, zieht ein Fazit.

Jan-Henrik Gruszecki, Sie haben heute als Fanvertreter an den Gesprächen mit der DFL teilgenommen. Wie ist Ihr Fazit nach dem Treffen?
Wir sind weder zufrieden noch enttäuscht. Beide Seiten haben in den vergangen zweieinhalb Stunden festgestellt, dass es einen hohen Redebedarf gibt. Sowohl über die Geschehnisse der vergangenen Monate als auch in Zukunft, das ist schon einmal eine Menge wert. Aber natürlich haben wir heute noch keine konkreten Ergebnisse erzielt. Es war eher ein retrospektives Abtasten. Jeder konnte hinter verschlossenen Türen deutlich und teilweise auch selbstkritisch sagen, was ihn zuletzt gestört hat.

Was waren die Kontroversen?
Die Kommunikation um das Sicherheitskonzept der DFL lief gründlich schief. Die DFL hat bei den Vereinen zu viel vorausgesetzt. In einer so kurzen Zeit ist es Vereinen wie Dortmund, Schalke und Bayern unmöglich, mit ihrer riesigen Anhängerschaft halbwegs konsensfähig über Sicherheitsbeschlüsse zu diskutieren. Insofern war das Sicherheitskonzept auch als Diskussionsgrundlage einfach ein überhasteter Schnellschuss. Von den Inhalten ganz zu schweigen: Es ist nicht richtig, Freiheiten und Grundrechte einzuschränken, weil diese von manchen Leuten falsch genutzt werden.

Wie geht es jetzt weiter?
Ende März wird es ein weiteres Treffen geben. Das nächste Treffen wird sicherlich auch strategischer und vorwärtsgewandter. Vor dem Hintergrund des noch präsenten kommunikativen und symbolischen Desasters des 12. Dezember war es schwer möglich, weit in die Zukunft zu blicken.

Haben die Fans konkrete Ziele?
Uns ist es wichtig, nicht nur »Anti« zu sein. Wir wollen mittelfristig eine Kommission bilden, die der DFL ein Konzept mit Vorschlägen für die Fanfreundlichkeit von Fußballstadien unterbreiten soll, um daraufhin konkrete Ergebnisse zu erreichen. Andreas Rettig hat in einem »taz«-Interview zu Recht moniert, dass die Sicherheitsdebatte von der VIP-Tribüne aus geführt wurde. Dem wollen wir nun einvernehmlich entgegen wirken.

Inwieweit ist die DFL offen für Vorschläge aus dem Fanlager?
Ich glaube, dass die DFL durch die »12:12«-Proteste verstanden hat, wie wichtig Fans für den Fußball sind. Ich bin halbwegs optimistisch, dass wir der DFL mit Vorschlägen beratend zur Seite stehen können. Fußball ohne Fans funktioniert nicht.

Wie bewerten Sie die Gesprächsbereitschaft der DFL?
Andreas Rettig behält auf jeden Fall seinen Vertrauensvorschuss, denn es war definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Aber trotzdem bleiben wir auf dem Teppich, denn zuvor gab es schon einen Marathon in die falsche Richtung. Zufrieden sind wir erst nach wirklichen Ergebnissen. Versprechen kann man viel.

Glauben Sie, dass sich das Verhältnis zwischen Fans und Verbänden jetzt grundlegend verändert?
Es war keine Revolution, und wir stehen wieder ganz am Anfang. Der Schritt zu dieser Art von Gespräch war bereits vor Jahren überfällig, aber ich glaube, dass sich die DFL inzwischen ihrer Kommunikationsdefizite bewusst ist. Festhalten kann man, dass Andreas Rettig einen guten Einstand als DFL-Geschäftsführer hat.

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