18.09.2013

Sky-Kommentator Tom Bayer über: Stimmen

»Maßregeln sie mal einen Brasilianer!«

Sky-Kommentator Tom Bayer hat eine der markantesten Stimmen im deutschen Fernsehen. Vor seinem heutigen Einsatz in der Champions League sprachen wir mit ihm über sein wichtigstes Werkzeug.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Tom Bayer, Jahrgang 1957, ist einer der bekanntesten Fußball-Kommentatoren Deutschlands. Mitte der achtziger Jahre heuerte der Neusser beim Radio an, 2000 wechselte er zum Fernsehen und arbeitet seitdem für Premiere bzw. Sky. Heute Abend wird er die Partie Neapel gegen Dortmund kommentieren.



(Quelle: Imago)


Tom Bayer, wie geht es der Stimme?
Danke, alles in Ordnung.

Das hören wir. Schon mal morgens aufgewacht und gedacht: Mit dieser Stimme kannst heute Abend kein Fußballspiel kommentieren?
Klar.

Und wie reagieren Sie dann? Welche geheimen Super-Medikamente hat Sky für solche Notfälle parat?
Da muss ich Sie enttäuschen: Ich trinke Tee und schone meine Stimme. Und wenn es gar nicht geht, rufe ich meinen Chef an und der muss dann den Dienstplan neu besetzen. Wenn sich ein Bäcker die Hand bricht, kann er keinen Teig kneten. Und wenn meine Stimme streikt, kann ich auch nicht arbeiten.

Sie besitzen eine der markantesten Stimmen der deutschen Kommentatoren-Gilde. Wie häufig hören Sie im Alltag den Satz: »Ihre Stimme kenne ich doch!«
Regelmäßig. Und erstaunlich viele Menschen verbinden meine Stimme noch mit dem Radio, dabei habe ich mich vor 13 Jahren vom Rundfunk verabschiedet. Erst neulich, bei einem Spiel in Leverkusen, sprach mich in der Halbzeit jemand an: »Sie kenne ich doch noch vom WDR!«

Werden Sie auf Partys von Ihren Freunden genötigt, das entscheidende Tor vom Wochenende noch einmal nachzukommentieren?
Zum Glück nicht. Ich werde dann und wann auf meinen Kommentar des Golden Goals von Oliver Bierhoff im EM-Finale 1996 angesprochen – da schrie ich vor lauter Begeisterung so laut, dass ich am Ende husten musste. Meine Freunde sind aber so höflich, dass sie mich darum bitten, den Hustenanfall nicht noch einmal zu imitieren.

Wie viele Seminare zum Thema Sprachtraining mussten Sie in Ihrer Karriere über sich ergehen lassen?
Nicht eines. Ich habe Mitte der achtziger Jahre angefangen, Sport zu kommentieren. Da waren Sprechausbildungen noch nicht Usus. Ich bewarb mich als junger Student einfach auf gut Glück beim WDR, ohne mir Chancen auszurechnen. Dann meldete sich doch der legendäre Sportchef Kurt Brumme bei mir und sagte: »Du hast den Job.« Ob ihm meine Stimme gefallen hat, habe ich nie erfahren. Aber ich denke schon, sonst hätte er mich ja nicht eingestellt.

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