14.03.2014

Per Skjelbred über Hertha, HSV und die Liebe

»Meine Frau hat mich umgegrätscht«

In Hamburg als Fehleinkauf abgestempelt, bei Hertha BSC zum absoluten Glücksgriff mutiert. Obwohl Per Skjelbred erst 26 Jahre alt ist, hat er bereits zehn Jahre Profifußball in den Beinen. Wir sprachen mit ihm über das Tanzen, ein Probetraining beim FC Liverpool und die Blutgrätschen seiner Frau.

Interview: Ilja Behnisch Bild: Imago

Per Skjelbred, ist an Ihnen ein Tänzer verloren gegangen?
Ich war kein Profitänzer, aber es stimmt, ich habe als Kind sehr viel getanzt. Ballett und vor allem HipHop.

Profitieren Sie als Fußballer von Ihrer früheren Leidenschaft?
Vom Tanzen habe ich viel zurückbekommen: Balance, Schnelligkeit und die ganzen Bewegungsabläufe. Bis ich 14 Jahre alt war, habe ich außerdem Handball gespielt. Da gibt es viele schnelle, kurze Bewegungen. Ich glaube, das hat mir beim Fußball auch sehr geholfen.

Mit 14 Jahren haben Sie an der norwegischen Casting-Show »Der Traum vom Profifußball« teilgenommen. Was hat Sie dazu bewegt?
Das kam ziemlich ungeplant. Für die Show wurden die besten 40 Nachwuchsspieler aller norwegischen Regionen ausgewählt. Ich habe damals in einer Trondheimer Junioren-Auswahl gespielt und wurde so automatisch Teilnehmer. Das Ziel war es, das beste Nachwuchsteam des Landes zu finden.

Sie kamen unter die letzten Zwölf der Casting-Show.
Nicht nur das. Es gab zwei Spieler, die eine extra Auszeichnung erhalten haben, einer davon war ich. Als Preis gab es ein dreiwöchiges Probetraining beim FC Liverpool.

Wie lief es für Sie in Liverpool?
Ich war wahnsinnig nervös, denn ich hatte bis dahin hauptsächlich nur aus Spaß mit meinen Freunden Fußball gespielt. Ich dachte früher nie an eine Profikarriere – und dann trainiere ich plötzlich an der Anfield Road! Da habe ich zum ersten Mal gespürt, dass ich im Fußball etwas erreichen kann.

Der FC Liverpool hat Ihnen im Anschluss sogar einen Vertrag als Jugendspieler angeboten. Warum haben Sie abgelehnt?
Ich war zu diesem Zeitpunkt gerade 14 Jahre alt, da wollte ich meine Familie und meine Freunde noch nicht verlassen. Das Angebot kam für mich einfach ein bisschen zu früh.

Sie haben Ihre Absage nie bereut?
Nein, denn zur gleichen Zeit kam Rosenborg Trondheim auf mich zu und hat mir das Angebot gemacht, für die U19/U20 zu spielen. Nach einem Jahr habe ich es in die A-Mannschaft geschafft und kämpfte als 16-Jähriger mit 35 Jahre alten Männern um einen Platz in der Startelf.

War es schwierig sich als junger Spieler zu behaupten?
Da gab es keine Probleme. Ich habe mich in jedem Training reingehauen. Nach ein paar Monaten haben meine Mitspieler gesehen: Das ist ein guter Junge, der kann Fußball spielen. So habe ich mir den Respekt erarbeitet. Natürlich gab es im Training ein paar Situationen, in denen es etwas härter zur Sache ging. Aber sich dann zu behaupten, hilft einem weiter. Außerdem ist der Verein Rosenborg Trondheim wie eine Familie.

Weil Sie so früh in die erste Mannschaft gerückt sind, halten Sie auch einen unschönen Rekord. Sie sind der jüngste Spieler der norwegischen Liga mit einem Platzverweis. Dabei sind Sie ansonsten ein sehr fairer Spieler. Ärgert Sie das?
Ich kann mich noch gut an das Spiel erinnern. Es ging im Derby gegen Molde FK, ein klassisches Hassduell: Wir hassen Molde, und Molde hasst Rosenberg. Ich kassierte früh eine gelbe Karte und geriet plötzlich in einen Zweikampf mit einem Stürmer von Molde, der mit leider entwischte. Also habe ich ihn festgehalten: Gelb-Rot. Und dann haben wir das Spiel auch noch verloren. Da war ich für kurze Zeit nicht sehr beliebt. Für einen jungen Spieler wie mich damals eine harte Erfahrung.

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