Sind Sie ein »Königsmörder«, Stefan Müller-Römer?

»Für Overath bin ich ein rotes Tuch«

Stefan Müller-Römer heißt der Mann, der für den spektakulären Rücktritt von Wolfgang Overath als Präsident des 1. FC Köln verantwortlich sein soll. Im 11FREUNDE-Interview bezieht der Sprecher der Fan-Initiative »fc:reloaded« dazu Stellung. Sind Sie ein »Königsmörder«, Stefan Müller-Römer?

Stefan Müller-Römer, einige Medien bezeichnen Sie als »Königsmörder«, weil Sie für den überraschenden Rücktritt von Wolfgang Overath verantwortlich sein sollen. Wie gut kommen Sie damit klar?

Stefan Müller-Römer: Das ist Quatsch. Weder unsere Initiative noch ich alleine haben Wolfgang Overath vom Sockel gestürzt, das hat er schon ganz alleine gemacht. Allerdings, so habe ich gehört, war ich für Herrn Overath wohl ein sehr rotes Tuch. Intern hat er sich offenbar heftig über mich beschwert. Das ist schade, weil die Zielrichtung unserer Initiative immer eine Satzungsänderung für klarere Strukturen und mehr Mitgliederbeteiligung war.

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Stimmt es, dass Sie als Sprecher von »FC:Reloaded« in all den Monaten kein einziges Mal mit Wolfgang Overath gesprochen haben?

Stefan Müller-Römer: Das stimmt, aber es sollte anders formuliert werden: Er hat nicht mit uns gesprochen. Wir wären jederzeit gekommen, wenn er gewollt hätte. Ich habe ihn einmal zufällig auf dem Parkplatz vor dem Geißbockheim getroffen. Da hat er mich gleich angeschrien: »Mit Ihnen rede ich schon gar nicht!« Dabei hatte ich gar nichts zu ihm gesagt, sondern nur ihm zugehört.

Bei seinem Auftritt auf der Mitglieder-Versammlung des 1. FC Köln hat er Sie lediglich als »den mit den Haaren« bezeichnet. Was hat Wolfgang Overath gegen Sie?

Stefan Müller-Römer: Das weiß ich auch nicht, weil wir uns gar nicht kennen. Overath ist offensichtlich ein Mensch, der keine Kritik verträgt. Kritik an seiner Arbeit, ist für ihn immer sofort ein Angriff auf seine Person. In meiner Funktion als Sprecher von »FC:Reloaded« habe ich mehrfach seinen Führungsstil kritisiert und ihm eine teilweise schlechte Arbeit als Präsident des 1. FC Köln attestiert. Damit kam und kommt er ganz offensichtlich nicht klar.

Als aktives Mitglied vom 1. FC Köln: Wie haben Sie den überraschenden Rücktritt von Wolfgang Overath erlebt?

Stefan Müller-Römer: Auch ich war überrascht. Damit hatte zu diesem Zeitpunkt niemand gerechnet, weil er ja noch am Tag zuvor in der Presse das Gegenteil verkündet hat. Er hat aber leider bei seinem Rücktritt bewusst verbrannte Erde hinterlassen.



Was meinen Sie damit?

Stefan Müller-Römer: Die Inszenierung seines Abschieds in der Versammlung war nicht in Ordnung, weil sie nur darauf angelegt war, seine Anhänger und die neutralen Mitglieder gegen uns und unsere Unterstützer aufzubringen. Er hat die Stimmung damit sehr aggressiv gemacht. Außerdem ist es sehr unprofessionell, dass ein Präsident im Alleingang seinen Rücktritt verkündet, ohne auch nur eines seiner Verwaltungsratsmitglieder darüber zu informieren. Zudem hat der Verein viel Geld dafür bezahlt, dass PR-Profis den Auftritt bei der Mitgliederversammlung vorbereiten. Der Rücktritt von Overath hat dann alle Pläne über den Haufen geworfen. Overath hat aber das bekommen, was er wollte: Sich mit einem großen Knall zu verabschieden. Er hat auf egozentrische Art und Weise diese Bühne benutzt, um sich die Entlastung zu verschaffen und um unsere Initiative und vor allem mich richtig in die böse Ecke zu stellen. .

Auch, weil er Sie damit zum »Königsmörder« gemacht hat?

Stefan Müller-Römer: Ach, meine Person ist nicht so wichtig. Ich halte diesen Druck aus. Ich habe zwar im Nachgang zur MV mehrere sehr böse Mails erhalten. Ich habe aber noch mehr positive Mails erhalten, weil viele einfach froh waren, dass es jetzt vorbei ist.

Wenn es nicht um Sie geht, um wen dann?

Stefan Müller-Römer: Um den 1. FC Köln! Deshalb kann ich mich über diese Form des Rücktritts von Overath auch nicht freuen. Denn diese Aktion hat dafür gesorgt, dass die Fan- und Mitgliederszene in Köln jetzt tief gespalten ist. Der Verein hat eindeutig den größten Schaden abbekommen. Die Außenwirkung ist für unseren Verein nicht gut. Das Image unseres Vereins in Deutschland ist leider nicht so gut, wie viele Kölner glauben, weil wir eben oft kein gutes Bild abgeben. Dabei ist das hier wirklich ein geiler Verein mit einer irren Fanszene.

Dass sich die Fronten innerhalb des Vereins verhärtet haben, war auch an den Reaktionen auf Overaths Rücktritt zu erkennen. Bei seiner Rede wurde er bejubelt und ausgebuht. Als Sie schließlich ans Mikro traten, gab es ein gellendes Pfeifkonzert von den Overath-Anhängern.

Stefan Müller-Römer: Ja, leider hatte er den Boden dafür bereitet. Das war nicht angenehm. Ich bin mir aber sicher, dass sich die Wogen jetzt wieder glätten werden, auch was meine Person betrifft. Wir werden von unserer Seite das Notwendige dafür tun. Die nächsten Wochen wird mich das aber sicherlich noch verfolgen.



Auf der Homepage von »FC:Reloaded« haben Sie und Ihre Mitstreiter bereits im Juni 2011 geschrieben: »Fakt ist, dass Wolfgang Overath die Ziele, mit denen er angetreten ist und die er lauthals proklamiert hat, nicht einmal ansatzweise erreicht hat. [...] Das sind mehr als genug Gründe, um diese Regentschaft endlich zu beenden und unseren Verein endlich in eine bessere Zukunft führen zu können.« Wer soll diese Aufgabe Ihrer Meinung nach denn nun übernehmen?

Stefan Müller-Römer: Dass jetzt mit Werner Wolf der neu gewählte Vorsitzende des Verwaltungsrates übergangsweise den Verein anführt, ist schon einmal ein gutes Zeichen. Er ist ein besonnener und klar denkender Mensch mit der notwendigen Erfahrung für so eine schwierige Aufgabe. Er kann zuhören und er wird es schaffen, die zerstrittenen Fraktionen im Verein wieder zusammenzuführen. Wir würden uns als neuen Präsidenten des 1. FC eigentlich genau so einen wie ihn wünschen: Einen erfahrenen Unternehmer aus der Region mit der Fähigkeit zur Integration und Repräsentation, jemanden, der diesen tollen Klub wirtschaftlich und zwischenmenschlich gesunden lässt (aktuell drücken dem 1. FC Köln circa 30 Millionen Euro Schulden, d. Red.). Und der die sportliche Abteilung auch machen lässt. Mit etwas Glück – das braucht man nämlich immer - haben wir dann auch bald wieder mehr sportlichen Erfolg. Denn das Ziel muss es sein, mit so einem großen Verein mit dieser Geschichte weiter oben mitzuspielen, als wir es in den letzten 20 Jahren getan haben.

Da das Rennen um die Overath-Nachfolge eröffnet ist, wirft auch der Boulevard seine Kandidaten in die Arena. Die »Bild«-Zeitung machte sich jüngst für Toni Schumacher stark...

Stefan Müller-Römer: Ehrlich gesagt, würden wir es befürworten, wenn der nächste Präsident kein ehemaliger Fussballer ist. Heute muss man als Präsident andere Fähigkeiten mitbringen, als kicken zu können. Dass das in Bayern so gut funktioniert, ist einfach eine Ausnahme und nicht die Regel. Wir brauchen jetzt eine unspektakuläre Personalie.

Stefan Müller-Römer, Sie können doch nicht im Ernst wollen, dass der 1. FC Köln zu einem ganz normalen Verein wird?

Stefan Müller-Römer: (lacht) Doch, in der Führung würde ich mir das wünschen. Wir werden im Übrigen immer speziell und verrückt genug bleiben. Wer außer uns singt das ganze Jahr über Karnevalslieder im Stadion?

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