01.09.2007

Simon Rolfes im Interview

„Zerstören genügt nicht mehr“

Über einen dornigen Weg ist Simon Rolfes in Leverkusen und auch in der Nationalmannschaft angekommen. Auf der vielbesungenen Position des Sechsers gilt er als Mann der Zukunft. Wir sprachen mit ihm über seinen unorthodoxen Karriereplan.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
In welchen Bereichen haben Sie noch Steigerungspotential?

Das Dazulernen hört nie auf. Ich kann mich sicherlich noch in vielen Bereichen verbessern. Mein rechter Fuß kann besser werden, und körperlich kann ich auch noch etwas zulegen. Es ist wichtig, sich seine ganze Karriere hindurch weiter zu entwickeln.

Sind Sie ein Spieler, der nach Trainingsschluss noch ein paar Extraschichten schiebt?


Natürlich bleibe ich nach dem Training oft noch länger draußen, übe lange Pässe, Flanken und den Torabschluss oder gehe in den Kraftraum. Da hat sich viel gewandelt. Bei uns machen das mittlerweile viele Spieler.

Ihre Karriere hatte keinen stetigen Verlauf. Sie begann in der Regionalligamannschaft von Bremen, wo Sie dann auch einen Profivertrag bekommen haben. Wie viel Zeit hat sich Thomas Schaaf für einen talentierten Nachwuchsspieler wie Sie genommen?

Im Profigeschäft läuft es schon anders als in der 2. Mannschaft. Da muss man sich zum großen Teil selbst durchkämpfen. Wenn man in der Jugend der beste Spieler ist und man als Nachwuchshoffnung gilt, dann nehmen sich der Jugendtrainer und der Nachwuchsmanager sehr viel Zeit für einen. Wenn man dann zu den Profis kommt, ist das auf einmal nicht mehr so, weil es da in dem Bereich auch gar nicht mehr in dem Maße möglich ist. Das war eine große Umstellung für mich – und ist es sicher auch für viele andere Nachwuchsspieler – wenn man vom Umsorgten Jugendspieler auf einmal bei den Profis weitestgehend auf sich allein gestellt ist und sich Stück für Stück hochbeißen muss.

Als Nachwuchsspieler haben Sie den Durchbruch in Bremens Profimannschaft nicht geschafft. In der Winterpause 2002/03 sind dann für eine Halbserie zum SSV Reutlingen gegangen. Haben Sie lange überlegt, ob Sie den Schritt in die 2. Liga wagen sollen?

Es war mein Wunsch, mich ausleihen zu lassen, um einen neuen Impuls zu bekommen. In Bremen hatte ich zu dem Zeitpunkt das Gefühl, dass es dort für mich nicht weitergeht. In Bremen hatte ich nur in der Regionalliga gespielt, deswegen war der Schritt in die 2. Liga für mich ein Schritt nach vorne, und die Chance, mich auf höherem Niveau zu beweisen.

In Reutlingen war dann Abstiegskampf angesagt.

Die Situation in Reutlingen war nicht einfach. Da gab es Abstiegkampf, Trainerwechsel, hin und her... Aber aus solchen Situationen kann man als junger Spieler nur lernen. Das war beim Wechsel schließlich mein Ziel. Es war natürlich schade, dass wir damals abgestiegen sind, aber mich hat es weitergebracht.

Welche Erfahrungen haben Sie aus Reutlingen für Ihre weitere Karriere mitgenommen?

Beim SSV habe ich zum ersten Mal in der ersten Mannschaft eines Profivereins gespielt. Da steht man in einer ganz anderen Verantwortung als vor ein paar Zuschauern in der Amateurmannschaft von Werder Bremen. Da ist der Druck einfach nicht so hoch.

Glauben Sie, dass in Zukunft junge Spieler auf ihrem Weg vermehrt auch in die 2. Liga gehen, um ihr Ziel 1. Bundesliga zu erreichen?

Ja, denn dort kann man sich auf höherem Niveau beweisen und sich besser entwickeln als in der Regionalliga. Ich denke, dass es ein gutes Sprungbrett in die 1. Liga ist. Die fußballerische Qualität in der zweiten Liga hat sich gesteigert und wird immer besser. Bei Spielern wie Schlaudraff, Federico und mir hat das super geklappt. Mittlerweile sind die Bundesligisten eher bereit, die Top-Spieler der zweiten Liga zu verpflichten, als dies früher der Fall war.

Nach dem Abstieg mit Reutlingen sind Sie zurück nach Bremen gegangen, haben dort aber wieder keine Chance bekommen. Sie sind in etwa im selben Alter wie Tim Borowski. Er hat den Durchbruch in Bremen geschafft. Haben Sie sich manchmal gedacht: „Was Borowski kann, das kann ich doch eigentlich auch“?

Ich habe mich weniger mit anderen verglichen. Natürlich hätte ich gerne eine Chance bekommen, zu spielen und zu zeigen, dass ich auf Erstliganiveau mithalten kann. Ich denke auch, dass ich eine Chance verdient gehabt hätte. Im Nachhinein muss ich aber auch sagen, dass ich zu der Zeit noch längst nicht soweit war, wie ich es heute bin.

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