01.09.2007

Simon Rolfes im Interview

„Zerstören genügt nicht mehr“

Über einen dornigen Weg ist Simon Rolfes in Leverkusen und auch in der Nationalmannschaft angekommen. Auf der vielbesungenen Position des Sechsers gilt er als Mann der Zukunft. Wir sprachen mit ihm über seinen unorthodoxen Karriereplan.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Herr Rolfes, in der noch jungen Saison haben Sie schon einiges durchgemacht. Vom Pokal-Aus gegen St. Pauli bis zum berauschenden Sieg gegen den KSC. Wie beurteilen Sie den Saisonstart von Bayer?

In dem Heimspielen waren wir spielerisch gut, haben uns aber aus den beiden Partien gegen Cottbus und Karlsruhe sechs statt vier Punkte erhofft. In Hamburg hatten wir nicht unseren besten Tag, da hat der HSV verdient gewonnen.

Was sagt ein Trainer nach so einer Partie gegen Cottbus, in der Bayer hoch überlegen war, aber einfach kein Tor fallen wollte?

Unser Trainer und wir lassen uns nach so einem 0:0 nicht aus der Fassung bringen. Wir sind nicht leichtfertig mit den Chancen umgegangen, so dass man sagen könnte, dass es an Überheblichkeit oder Schlafmützigkeit gelegen hätte. Cottbus Torwart Piplica hatte einen überragenden Tag, und es war auch viel Pech dabei, wenn ich an den Pfostentreffer von Schneider denke. Wichtig ist, dass man sich Chancen heraus spielt. Das ist uns gelungen, unser Spielaufbau war gut. Damit haben wir schon vieles richtig gemacht.



Der Saisonstart war nahezu ein Spiegelbild der Leistungen Bayers in der letzten Saison. Können Sie uns erklären, warum die Leistungen in der Vergangenheit immer wieder so unkonstant waren?


Das ist schwer zu greifen. Natürlich könnte man da unsere junge Mannschaft als Grund anführen. Wenn es bei uns läuft, sind wir zu sehr vielem fähig. An schlechten Tagen aber haben wir die Punkte zu leicht hergegeben. Wie müssen versuchen, dahin kommen, insbesondere in engen Matches, unsere Chancen konsequenter zu nutzen. Insgesamt müssen wir sicherlich noch abgezockter werden.

Was macht Sie zuversichtlich, dass Bayer in dieser Saison konstanter wird?

Wir haben in dieser Saison hinten weniger Tore gefangen. Das ist eine gute Basis, um auch die Spiele zu gewinnen, in denen nicht so gut läuft. Überhaupt haben wir in dieser Saison einen besseren und breiteren Kader als im letzten Jahr. Somit können wir Ausfälle nun besser kompensieren, insbesondere in der Defensive.

Was ist mit dem verbesserten Kader in dieser Bundesligasaison für Leverkusen möglich?


Unser Ziel ist es, ganz klar mehr Punkte zu holen als die 51 Zähler im letzten Jahr. Wenn wir das schaffen, sind wir nächsten Jahr auch wieder international dabei. Wenn möglich, wollen wir den Abstand zu den ersten vier Mannschaften verkürzen, denn der war in der letzten Saison doch recht groß.

Und international?

Das erste Ziel ist natürlich, in die Gruppenphase zu kommen. Bis zum Finale sind es 15 Spiele, das ist ein sehr langer Weg. Wir wollen in dem Wettbewerb von Runde zu Runde schauen.

Zurück zum Anfang: Wie alt waren Sie eigentlich, als Sie zum ersten Mal so wirklich daran geglaubt haben, Fußballprofi zu werden?

Den Traum hatte ich schon als kleines Kind. Ich war damals großer Bremen-Fan und habe schon mit vier Jahren gesagt: „Ich spiele mal bei Werder“. Wirklich konkret wurde es, als ich von meinem Heimatverein tatsächlich in die Bremer A-Jugend gewechselt bin. In meinem zweiten Jahr, als ich noch A-Jugend hätte spielen können, war ich dann bereits im Regionalligakader. Da habe ich gespürt, dass ich es packen kann.

Wie war die Umstellung vom „kleinen“ TuS Recke zum großen SV Werder Bremen?


Fußballerisch habe ich mich recht schnell akklimatisiert. Das größte Problem waren die höheren körperlichen Anforderungen. Statt zwei Mal Traing pro Woche waren es in Bremen vier Trainingseinheiten plus Spiel. Das war anfangs sehr hart.

Waren Sie schon in der Jugend defensiver Mittelfeldspieler, oder wurden Sie umgeschult?

In der A-Jugend habe ich im offensiven Mittelfeld hinter den Spitzen gespielt. Jetzt spiele ich defensiver, aber ich sehe mich als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive.

Können Sie einem Laien erklären, was der Unterschied für einen 6er ist, wenn die Mannschaft mit einer Raute spielt, gegenüber der taktischen Formation mit zwei 6ern vor der Abwehr?

Wenn man alleine auf der 6 spielt, ist man sehr an Defensivaufgaben gebunden. Es ist eine wichtige Position, die besetzt sein muss. Wenn man den Raum da zu sehr aufgibt, dann brennt´s bei Kontern. Spielt man mit zwei 6ern, kann man sich mehr in die Offensive einschalten und variabler spielen.

Früher galten die 6er als Staubsauger, als biedere Arbeiter. Merken Sie, dass dieser Position heute eine höhere Wertschätzung zukommt als in früheren Tagen?

Ich bin noch nicht so lange dabei, um zu sagen, wie es früher war. Ich denke aber, dass sich das Spiel im Allgemeinen sehr verändert hat. Auch den klassischen 10er gibt es heute nicht mehr. Früher hatte der 6er oft einzig und allein die Aufgabe, den gegnerischen Spielmacher zu bekämpfen. Heute ist alles sehr viel variabler. Die Spielermacher müssen auch defensiv arbeiten, und genauso müssen die 6er auch Offensivqualitäten besitzen und das Spiel eröffnen können. Nur Zerstören genügt einfach nicht mehr. Das gilt genauso für die Abwehrspieler.

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