Siggi Reich und das Pech der frühen Geburt

»Kanonen gab's nicht«

Siggi Reich wurde zwei Mal Torschützenkönig der 2. Liga. Für Wolfsburg erzielte er in vier Jahren 59 Tore. Wir sprachen mit der VfL-Legende über die Champions-League-Chancen der Wolfsburger und über nicht überreichte Torjägerkanonen. Siggi Reich und das Pech der frühen Geburt

Siggi Reich, Sie sind heute noch in der Altherren-Kreisliga aktiv. Sind Sie noch genauso treffsicher wie zu Ihrer Wolfsburger Zeit?

Ich laufe jetzt ein bisschen mehr, weil ich im Mittelfeld spiele. (lacht) Deswegen ist die Torquote ein bisschen runtergegangen.

Wie oft treffen Sie denn noch?

Ach, das zähle ich nicht mehr. Es geht um den Spaß an der Freude. Ich spiele auch aus zeitlichen Gründen nicht regelmäßig, sondern nur fünf, sechs Mal pro Jahr.

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In der vergangenen Saison erzielte Ihr alter Klub 80 Tore, die Offensivmaschine lief perfekt geölt. Der beste Fußball, der in Wolfsburg je zu sehen war?

Ich sehe mir das selbst noch im Stadion an. Wolfsburg ist ja noch nicht so lange in der Bundesliga. Man hat sich kontinuierlich gesteigert. In der letzten Saison haben sie vor allem zu Hause überragend gespielt, die Höhepunkte waren sicher das 3:0 gegen Dortmund und das 5:1 gegen Bayern. Das war schon klasse anzuschauen!

Grafite und Dzeko trafen zusammen 54 Mal. Wie oft hätte Siggi Reich im Wolfsburger Meisterteam von 2009 eingenetzt?

Heute ist das Spiel ja anders angelegt. Die Stürmer werden sehr gut unterstützt und müssen wenig Defensivarbeit machen. Das Spiel ist genau auf sie zugeschnitten.

Die heutigen Stürmer haben es Ihrer Meinung nach also leichter?

Es wird eben nicht mehr so dicht gedeckt. Zu Försters oder Kohlers Zeiten ging es da noch ein bisschen anders zu! Da fand direkt bei der Ballannahme der Zweikampf statt. Aber natürlich ist auch alles schneller, athletischer geworden.

Was waren Ihre besonderen Stärken als Stürmer?

Ich hatte eine gute Nase und war vor dem Tor recht sicher. Ich war fußballerisch recht gut und mein Antritt auf den ersten Metern konnte sich sehen lassen.

Wolfsburg muss heute in Manchester ran. Dort scheint man die Niedersachsen gar nicht richtig zu kennen. Was sollte Alex Ferguson über das Team von Armin Veh wissen?

Alex Ferguson wird sich schon schlau gemacht haben. (lacht) Die Offensive, das schnörkellose, zielstrebige Spiel nach vorne, ist sicherlich fantastisch. Der VfL hat drei sehr torgefährliche Leute vorne, dazu einen guten Torwart. Einzig die Defensive ist noch verbesserungswürdig.

Hat die Veh-Elf überhaupt eine Chance in Old Trafford?

Eine Chance gibt es ja immer im Fußball. Wenn die Jungs früh in Führung gehen, ist ein Punkt drin, was sicherlich überragend wäre für die Mannschaft, auch mit Blick über die Gruppenphase hinaus.

Schafft es Wolfsburg in die K.O.-Phase?

Wenn sie keines ihrer Heimspiele verlieren und auswärts auch mal etwas mitbringen, sind sie eigentlich durch. Neun oder zehn Punkte sollten reichen. Wichtig ist, die Heimspiele zu gewinnen.

Sind Sie ein bisschen traurig, dass Sie das »Pech der frühen Geburt« hatten und die beste Zeit der Wolfsburger Vereinsgeschichte verpasst haben?

Damals waren die Verhältnisse ja ganz anders. Als ich kam, habe ich den VfL aus der Regionalliga in die Zweite Liga geschossen, habe in der Aufstiegsrunde in sechs Spielen neun Tore gemacht. Dann haben wir uns in der Liga festgesetzt und das Pokalfinale erreicht. Ich habe hier schon ein bisschen was bewegt!

Wer waren die Stützen der Wolfsburger Mannschaft Mitte der Neunziger?

Da gibt es einige gute Leute zu nennen. Detlev Dammeier zum Beispiel, Thomas Gerstner hat ein Jahr bei uns gespielt, Hansi Brunner, Frank Lieberam, dazu Michael Spies, Matthias Maucksch und dann Roy Präger und Matthias Stammann. Mit Willi Reimann wurde dann der Aufstieg realisiert.

Was sagen Sie zur Entwicklung des VfL in den letzten drei Jahren?

Es ist schön zu sehen, dass der VW-Vorstand fußballbegeistert ist und Geld in die Hand genommen hat, damit der Verein nicht weiter zwischen Platz 10 und 12 herumdümpelt. Mit guten Einkäufen hat man dann eine Topmannschaft geformt.

1987 und 1993 waren Sie Zweitligaschützenkönig. Haben Sie dafür eigentlich auch die obligatorischen Kanonen bekommen?

Nein, leider nicht! (lacht) Zweite Liga war damals wohl nicht so wichtig. Ich weiß gar nicht, ob es die heute gibt...

1995 standen Sie mit Wolfsburg im DFB-Pokalfinale. Ihre schönste Erinnerung als Fußballer?

Sicherlich eine der schönsten Erinnerungen. Wenn man nicht in einer Spitzenmannschaft spielt, schafft man das ja vielleicht nur einmal in der Karriere. Ein wunderschönes Erlebnis, obwohl wir damals gegen Gladbach verloren haben. Das ganze Stadion war grün-weiß – ein toller Anblick!

Im März 1988 erzielten Sie gegen Eike Immel das Tor des Monats. Beschreiben Sie es noch einmal für uns!

Stuttgart hatte gerade das 2:0 gegen uns gemacht. Beim Anstoß war Eike Immel noch auf Gratulationstour am Sechzehner. Gregor Grillemeier hat mir den Ball quergelegt und ich hab ihn direkt reingeschossen. 

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