30.09.2009

Siggi Reich und das Pech der frühen Geburt

»Kanonen gab's nicht«

Siggi Reich wurde zwei Mal Torschützenkönig der 2. Liga. Für Wolfsburg erzielte er in vier Jahren 59 Tore. Wir sprachen mit der VfL-Legende über die Champions-League-Chancen der Wolfsburger und über nicht überreichte Torjägerkanonen.

Interview: Johannes Ehrmann Bild: Imago
Siggi Reich, Sie sind heute noch in der Altherren-Kreisliga aktiv. Sind Sie noch genauso treffsicher wie zu Ihrer Wolfsburger Zeit?

Ich laufe jetzt ein bisschen mehr, weil ich im Mittelfeld spiele. (lacht) Deswegen ist die Torquote ein bisschen runtergegangen.

Wie oft treffen Sie denn noch?

Ach, das zähle ich nicht mehr. Es geht um den Spaß an der Freude. Ich spiele auch aus zeitlichen Gründen nicht regelmäßig, sondern nur fünf, sechs Mal pro Jahr.



In der vergangenen Saison erzielte Ihr alter Klub 80 Tore, die Offensivmaschine lief perfekt geölt. Der beste Fußball, der in Wolfsburg je zu sehen war?

Ich sehe mir das selbst noch im Stadion an. Wolfsburg ist ja noch nicht so lange in der Bundesliga. Man hat sich kontinuierlich gesteigert. In der letzten Saison haben sie vor allem zu Hause überragend gespielt, die Höhepunkte waren sicher das 3:0 gegen Dortmund und das 5:1 gegen Bayern. Das war schon klasse anzuschauen!

Grafite und Dzeko trafen zusammen 54 Mal. Wie oft hätte Siggi Reich im Wolfsburger Meisterteam von 2009 eingenetzt?

Heute ist das Spiel ja anders angelegt. Die Stürmer werden sehr gut unterstützt und müssen wenig Defensivarbeit machen. Das Spiel ist genau auf sie zugeschnitten.

Die heutigen Stürmer haben es Ihrer Meinung nach also leichter?

Es wird eben nicht mehr so dicht gedeckt. Zu Försters oder Kohlers Zeiten ging es da noch ein bisschen anders zu! Da fand direkt bei der Ballannahme der Zweikampf statt. Aber natürlich ist auch alles schneller, athletischer geworden.

Was waren Ihre besonderen Stärken als Stürmer?

Ich hatte eine gute Nase und war vor dem Tor recht sicher. Ich war fußballerisch recht gut und mein Antritt auf den ersten Metern konnte sich sehen lassen.

Wolfsburg muss heute in Manchester ran. Dort scheint man die Niedersachsen gar nicht richtig zu kennen. Was sollte Alex Ferguson über das Team von Armin Veh wissen?

Alex Ferguson wird sich schon schlau gemacht haben. (lacht) Die Offensive, das schnörkellose, zielstrebige Spiel nach vorne, ist sicherlich fantastisch. Der VfL hat drei sehr torgefährliche Leute vorne, dazu einen guten Torwart. Einzig die Defensive ist noch verbesserungswürdig.

Hat die Veh-Elf überhaupt eine Chance in Old Trafford?

Eine Chance gibt es ja immer im Fußball. Wenn die Jungs früh in Führung gehen, ist ein Punkt drin, was sicherlich überragend wäre für die Mannschaft, auch mit Blick über die Gruppenphase hinaus.

Schafft es Wolfsburg in die K.O.-Phase?

Wenn sie keines ihrer Heimspiele verlieren und auswärts auch mal etwas mitbringen, sind sie eigentlich durch. Neun oder zehn Punkte sollten reichen. Wichtig ist, die Heimspiele zu gewinnen.

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