Siggi Held erinnert sich

»Norwegen ist Schmerz«

Siggi Held hat gute Erfahrungen mit Norwegen gemacht: 1971 stand er bei der 7:1-Peitsche gegen die Nordmänner auf dem Rasen. Im Interview erinnert er sich an Beckenbauer und Netzer. An Lund und Sandland aber nicht. Siggi Held erinnert sichImago

Siggi Held, am Mittwoch empfängt Deutschland Norwegen zum Freundschaftsspiel. Sie selbst dürften gute Erinnerungen haben an Spiele gegen Norwegen...

Da haben Sie recht. 1971 haben wir in Norwegen gespielt und mit 7:1 gewonnen. Für uns war das damals ein ziemlich einfaches Spiel, vielleicht waren die Norweger damals auch noch nicht so stark, wie sie es heute sind. Im Großen und Ganzen war das für uns wie ein Trainingsspiel.

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Kleine Fußballnationen gibt es heute angeblich nicht mehr. War Norwegen anno 71 so ein Zwergenstaat?

Zwergenstaat kann man nicht sagen. 1966 haben wir schließlich auch schon gegen Norwegen gespielt, das Spiel ist nur 3:0 ausgegangen. Sagen wir es so: Wir hatten halt einen guten Tag und Norwegen ein rabenschwarzen.

Sind Ihnen ein paar klangvolle Namen des damaligen Gegners noch in Erinnerung geblieben?

Nein. Die klangvollen Namen standen eher in der deutschen Mannschaft: Beckenbauer, Netzer, Müller. Wir haben uns damals nicht so wirklich an den Norwegern orientiert.

Lund, Iversen oder Sandland, diese Namen sagen Ihnen also nichts mehr?

Nein. Tut mir leid.

Die deutsche Mannschaft 1971 war zum Großteil die, die ein Jahr später bei der Europameisterschaft so glänzen sollte. Konnte man das spielerische Potential denn schon so deutlich erkennen?

Also, in diesem Spiel hat so ziemlich alles geklappt. Ich erinnere mich an einen Freistoß, ich glaube von Günter Netzer, der wunderschön über die Mauer ins Tor segelte. Oder an einen Pass von mir, den habe ich scharf aus kurzer Distanz auf Gerd Müller gepasst und der musste nur noch die Sohle hinhalten. Wie gesagt: wie in einem Freundschaftsspiel.

Sie selbst haben auch getroffen: zum 6:0 in der 67. Minute. Immerhin eines Ihrer fünf Länderspieltore.

Aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Dass das Spiel so einfach werden konnte, hätten wir ja vorher nicht gedacht.

Nein?

Nein. Die Nordmänner waren ja ziemlich robuste Kerle. Hart im Zweikampf – wenn man gegen die spielte, bedeutete das: Schmerzen. Aber in diesem Spiel war vieles anders. Auch das.

In der Saison waren Sie gerade von Borussia Dortmund zu Kickers Offenbach gewechselt – und spielten in der Regionalliga Süd...

Damals gab es ja noch diese fünf Regionalligen mit Aufstiegsspielen. (Die Kickers hatten soeben erst den Bundesliga-Skandal überstanden, Anm. d. A.) Offenbach spielte in der Aufstiegsrunde, deswegen konnte ich ja 1972 nicht an der EM teilnehmen.

Was?

Ja, ja. Ich musste schließlich mit den Kickers um den Aufstieg spielen. Wir haben es am Ende auch geschafft. Das waren zwei Gruppen, und – warten sie – die Gegner bekomme ich auch noch zusammen: St. Pauli, Völklingen, Rot-Weiss Essen und noch ein Verein aus Berlin. Der fällt mir jetzt nicht mehr ein. Jedenfalls: die beiden Ersten der Gruppen stiegen dann auf.

Warum sind Sie eigentlich von Borussia Dortmund zu den Kickers gewechselt?

Nun ja, ich war mit Anfang 30 schon im gesetzten Fußballer-Alter und bei der Borussia hat man auf jüngere Spieler gesetzt. Wir sind uns nicht einig geworden, also habe ich keine Anstrengungen unternommen zu verlängern. Ich bin auch nicht der einzige gewesen, der damals Dortmund verlassen hat. Der Willi Neuberger beispielsweise ist nach Bremen gegangen.

Sie sprechen von einem »gesetzten Fußballer-Alter«. Dabei haben Sie noch bis zur Saison 1980/81 weiter gespielt und sind drei Jahre zuvor wieder zum BVB gegangen...

Fußball hat mir Spaß gemacht, ich war gesund: warum sollte ich also aufhören? Es gab keinen Grund dazu.

Morgen spielt die DFB-Auswahl erneut gegen Norwegen. Wie schätzen Sie die norwegische Auswahl der Gegenwart ein?

Auf einer Stufe stehen beide Mannschaften sicherlich nicht, ich schätze die Deutschen schon noch deutlich stärker ein. Aber: einfach wird es trotzdem nicht. Einfache Spiele gibt es ja heutzutage gar nicht mehr, vielleicht noch gegen Liechtenstein und San Marino. Man muss das Spiel schon sehr ernst nehmen, wenn man es gewinnen will. Wenn wir das tun, gehe ich fest von einem Sieg aus.

Mit Mesut Özil und Andreas Beck stehen zwei junge Spieler vor Ihrem Debüt. Was kann man von den beiden erwarten?

Özil hat schon gute Ansätze gezeigt, und Hoffenheim schwimmt mit Beck auf einer Erfolgswelle. Das sind sicherlich Spieler, die in solchen Freundschaftsspielen beweisen müssen, dass sie zu recht für die Nationalmannschaft nominiert worden sind. Jetzt müssen sie ihre Leistungen auch auf dem internationalen Parkett bringen.

Im Vorfeld der Partie wurde in den Medien wieder die Ballack/Frings- contra Löw/Bierhoff-Posse aufgewärmt. Den leidigen Begriff des »Führungsspielers«, wie hat man den 1971 definiert?

Das waren die erfahrenen Spieler, die ihre Stellung durch Leistung bestätigten. Die Spieler, die auf dem Platz stehen, müssen zeigen, dass sie es drauf haben. Ganz gleich, wer da angeblich »Führungsspieler« ist und wer nicht. Bei uns wurde da nicht groß drüber diskutiert. Es hat sich halt im Laufe der Zeit ergeben, wer die Anführer auf dem Platz sind.

Eine einfache Rechnung: Führungsspieler gleich Leistungsträger?

So ist es.

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