SGE-Legende Willi Neuberger über Frankfurt-Gladbach

»So ein Tor machen nur Pelé und ich«

Willi Neuberger war Teil der Frankfurter Mannschaft, die 1980 den Uefa-Cup gegen Borussia Mönchengladbach gewann. Ein Gespräch über verschwundene Pokale, kuriose Vereinswechsel und die Kunst des Golfens.

Willi Neuberger, heute Abend gastiert Borussia Mönchengladbach im Frankfurter Waldstadion. Da werden Erinnerungen wach, oder?
Na klar, Gladbach war unser Gegner im UEFA-Pokal-Finale 1980.

Erzählen Sie mal.
Ach, das ist doch schon so lange her, das war ja fast noch vor dem Krieg. (lacht) Das Finale wurde damals noch in Hin- und Rückspiel gespielt. Wir mussten zuerst an den Bökelberg, wo wir sehr knapp und unglücklich mit 2:3 verloren. Zwei Wochen später kamen die Gladbacher zu uns nach Frankfurt. Es stand lange 0:0. In der 77. Minute wurde Fred Schaub eingewechselt, der mittlerweile leider verstorben ist. Nur vier Minuten nach seiner Einwechslung schoss er das entscheidende Tor und wir waren UEFA-Pokal-Sieger.

Und dann wurde gefeiert?
Ja, im Crest-Hotel in Frankfurt gab es ein rauschendes Fest. Die ganze Mannschaft samt Frauen hat dort gefeiert.

Es heißt, das Fest sei derart rauschend gewesen, dass irgendwann sogar der Pokal verschwunden war.
Ja, gegen Ende wurde hektisch der Pokal gesucht. Wie sich am nächsten Tag herausstellte, hatte Bernd Hölzenbein den Pott kurzerhand mit nach Hause genommen.

War der Gewinn des Uefa-Cups Ihr größter Triumph?
Sicherlich. Die beiden DFB-Pokalsiege mit der Eintracht waren auch schön. Aber ein Sieg im Europacup steht da noch drüber. Insgesamt war meine Frankfurter Zeit sehr erfolgreich. Wir haben oft im Europapokal gespielt. 1976 standen wir im Halbfinale und sind gegen West Ham United nur sehr knapp gescheitert. Sonst hätten wir schon vier Jahre früher im Finale gestanden.

Sie haben von 1974 bis 1983 für die Eintracht gespielt und 1975 und 1981 den DFB-Pokal gewonnen. Im Endspiel gegen Kaiserslautern 1981 haben Sie auch einen Treffer zum 3:1 beigesteuert - und sich danach mit Pelé verglichen.
Ach, das war doch nur Spaß. Ich habe das 1:0 geschossen, ein sehenswerter Volleyschuss, und wurde nach dem Spiel von einem Journalisten auf das Tor angesprochen. Da habe ich aus Jux gesagt: »So ein Tor machen nur Pelé und ich.« Pelé war damals schon eine lebende Legende, Ernst gemeint war der Satz also nicht.

Frankfurt war Ihre längste Station in der Bundesliga. Der Wechsel zur Eintracht 1974 war allerdings recht kurios.
Ich spielte damals in Wuppertal. Eines Tages kam ich vom Training und las, dass die Eintracht Spieler sucht. Sie waren gerade von einem Europacup-Spiel in Kiew zurückgekommen, bei dem sie ausgeschieden waren. Auch, weil sie mit dem ein oder anderen Amateur spielen mussten. Ich wusste, dass der Wuppertaler SV Steuerschulden hatte und Spieler verkaufen musste. Die Mannschaft war sehr alt und ich war einer der wenigen, bei dem der Verein noch ein wenig Ablöse erzielen konnte. Ich habe mich also ans Telefon gesetzt und einen Bekannten angerufen, der internationale Fußballspiele arrangierte und den ich aus meiner Dortmunder Zeit kannte. Der hat dann den Vorsitzenden des Spielerausschusses bei der Eintracht kontaktiert, Ernst Berger. So etwas wie ein Manager, nur damals noch ehrenamtlich. Und so lief der Transfer an.

Und die Eintracht empfing Sie mit offenen Armen?
Ich weiß, dass Trainer Dietrich Weise mich zu Beginn nicht haben wollte. Am Ende waren wir aber die dicksten Freunde (lacht). Ernst Berger hat Weises Bedenken ignoriert und gesagt: »Den holen wir!«. Ich bin also nach Frankfurt gefahren, habe den Scheck abgeholt und bin wieder zurück nach Wuppertal gedüst. Alles in allem hat der Transfer nur etwa eine Woche gedauert. Und auch wenn ich den Transfer selber eingefädelt habe, hat Wuppertal noch ordentlich kassiert, etwa 450.000 Mark.

Sie haben ein Händchen für kuriose Wechsel. Schon der von Dortmund nach Bremen 1971 verlief ungewöhnlich.
Damals habe ich bei beiden Vereinen Verträge unterschrieben. Deswegen musste ich vor das Arbeitsgericht, das den Wechseln zu Werder Bremen aber schließlich erlaubte. Ein Wechsel, der im Nachhinein ein Fehler war.

Warum?
Das waren zwei verlorene Jahre. Der Verein hatte mit viel Geld viele neue Spieler geholt. Die alten waren neidisch auf die neuen Spieler, weil ständig in der Zeitung stand, dass die Neuverpflichtungen viel mehr verdienen. In der Presse hieß die Mannschaft die »Millionenelf«. Eine Million war damals viel Geld. Heute bekommt man ja höchsten noch einen Fußballschuh dafür. (lacht)

Mit 520 Bundesligaspielen liegen Sie auf Platz acht der Rekordspieler. Dem gegenüber stehen aber nur zwei Länderspiele. Wie kommt das?
Ich stand im vorläufigen Aufgebot für die WM in Mexiko, musste dann aber, wie auch Jupp Heynckes und Herbert Laumen, zuhause bleiben. Das war natürlich schade. Insgesamt war ich bestimmt zehn Mal bei der Nationalelf dabei. Gespielt habe ich eben nur zwei Mal. Aber meine Positionen waren auch mehr als gut besetzt. Netzer und Overath im Mittelfeld oder den Libero Beckenbauer – die verdrängt man nicht so einfach. Außerdem gab es in der Nationalmannschaft die Blöcke von Bayern München und Borussia Mönchengladbach, die schon einen Großteil der Plätze belegten. Der Rest war eher Beiwerk.

Wo schauen Sie sich die Neuauflage des Uefa-Cup-Endspiels heute Abend denn an?
Ich bin im Stadion.

Und treffen die Mannschaftskameraden von früher?
Wir haben im VIP-Bereich einen Tisch, da treffe ich mich mit Jürgen Grabowski, Bernd Nickel und Bernd Hölzenbein. Eine Art Eintracht-Stammtisch (lacht).

Wird dann über die gute alte Zeit geredet?
Was sollen wir noch über uns reden? Die aktuelle Mannschaft gibt doch genug Gesprächsstoff her. Die Eintracht kann es diese Saison nach Europa schaffen. Hinter Bayern, Dortmund und Leverkusen kommt nicht mehr viel. Gegen die direkten Konkurrenten Freiburg, Hamburg und Mainz ist alles möglich. Wenn die Eintracht nach Europa käme, wäre das super. Aber wenn das der Fall sein sollte, müsste die Eintracht auch ihre besten Spieler halten, damit es nicht gleich wieder abwärts geht. Und auch den Trainer.

Armin Veh, der 1980 Gladbacher war.
Er war aber kein Stammspieler und hat im Finale nicht gespielt. Aber so schließt sich der Kreis.

Her Neuberger, es heißt, an Ihnen sei auch ein herausragender Golfspieler verloren gegangen.
Naja, was heißt herausragend. Ich habe als einer der ersten Fußballer angefangen, Golf zu spielen, gemeinsam mit meinem Mitspieler Gert Trinklein. Die anderen haben uns anfangs noch dafür ausgelacht, heute spielen sie alle selbst (lacht).

Warum so bescheiden? Ich habe gelesen, Sie seien ein »Supertalent« im Golf.
Ach, Supertalent. Ich habe schon recht lange ein gutes Handicap und versuche es zu halten.

Wo liegt das Handicap?
Ich habe Handicap 5.

Das ist mehr als ordentlich. Sind Sie gar ein besserer Golfspieler als sie ein Fußballer waren?
Nein. Golf ist viel schwerer als Fußball. Es wird auch immer schwerer, je älter man wird.

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