Serdar Tasci im Interview

»Wir sind Deutschland«

Jung-Nationalspieler Serdar Tasci hat einen großen Traum: Er möchte Weltmeister werden. Wir sprachen mit ihm über den langen Weg nach Südafrika, seine Entscheidung für Deutschland und das Spiel gegen Russland. Serdar Tasci im InterviewImago

Warum sind Sie sicher, dass Sie am Samstag spielen?

Sicher bin ich mir nicht. Ich habe jetzt drei Länderspiele gemacht und freue mich, dass ich wieder dabei bin. Im Training gebe ich Gas, und dann hoffe ich natürlich auf einen Einsatz.

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Das war die politisch korrekte Antwort - gibt es auch eine andere?


Nein, es gibt keine andere. Ich würde mich natürlich freuen, wenn ich spielen würde.

Hat der Trainer schon mit Ihnen über Ihre Einsatzchancen gesprochen?


Nein, noch gar nicht. Wer am Samstag spielen wird, kann ich noch nicht absehen.

In Deutschland gilt die Innenverteidigung als Problemzone - sind Sie die Lösung des Problems?

Das hoffe ich. Ich werde mein Bestes geben, dass ich mich etablieren kann in der Nationalmannschaft und dass ich eine Stütze werde.

Haben Sie den Eindruck, dass Sie Christoph Metzelder leistungsmäßig abgehängt haben?


Christoph Metzelder ist ein Spieler mit viel Erfahrung. Er hat viele Länderspiele und immer gute Leistungen gezeigt. Ich habe ihn nicht verdrängt, aber er ist jetzt nicht dabei, und das ist eine Chance für mich, die ich hoffentlich nutzen kann.

Angst vor großen Namen ist nicht Ihr Ding.


Nein, ich weiß, was ich kann, und ich bin selbstbewusst genug, um mich durchzusetzen. Ich habe mich bisher immer gegen gute Konkurrenten durchsetzen können.

Was muss ein moderner Innenverteidiger heutzutage können - wie ist das Anforderungsprofil?

Alles eigentlich. Zweikampfstark, kopfballstark sowieso. Ein moderner Innenverteidiger muss das Spiel von hinten aufbauen können wie ein Mittelfeldspieler.

Wo sehen Sie Ihre besonderen Stärken und wo ist Nachholbedarf?

Über meine Stärken will ich gar nicht reden, weil ich mich überall noch verbessern kann. Nur soviel: Es liegt mir, das Spiel von hinten zu öffnen.

Per Mertesacker hat jetzt gesagt, dass Deutschland mit ihm selbst und mit Christoph Metzelder gut für die Zukunft gewappnet sei - müssen sie den langen Bremer noch von Ihren Qualitäten überzeugen?

Ich muss den Trainer überzeugen. Natürlich ist die Innenverteidigung wichtig. Die muss harmonieren. Aber wenn ich meine Einsatzzeiten bekomme, dann wird der Lange schon sehen, dass ich einer bin, der dort spielen kann.

Ihr Trainer Armin Veh hat Ihre Spielweise als »aggressiv und im positiven Sinne böse« charakterisiert - können Sie dem zustimmen?

Ich mag es, aggressiv zu spielen. Natürlich muss man dem Stürmer auch mal weh tun, um sich Respekt zu verschaffen. Und wenn der Trainer das sagt, muss das auch stimmen.

Zuletzt haben Sie hinten dreimal mit Heiko Westermann zusammen gespielt.


Ich denke, das war schon in Ordnung. Nach drei Spielen kann man, glaube ich, nicht erwarten, dass wir alles wegputzen, was da kommt. Solche Spiele wie in Finnland, in denen man drei Gegentore bekommt, passieren einfach. Das darf nicht passieren, aber es gibt solche Spiele.

War die Kritik okay?


Das ist normal, dass heftiger kritisiert wird, wenn man drei Gegentore bekommt. Aber mit jedem Spiel wird die Harmonie besser. Jetzt gegen Russland wollen wir uns natürlich wieder beweisen und zu Null spielen.

Torwart Robert Enke fällt aus, wie negativ ist das?

Damit alles passt, ist es wichtig, dass der Torwart mit derselben Abwehrformation möglichst oft spielt. Aber unsere Torhüter sind alle sehr gut, deshalb denke ich nicht, dass sich das Fehlen von Robert Enke negativ auswirkt.

Sie haben sich entschieden, für Deutschland zu spielen. Sehen Sie sich als Beispiel für eine gelungene Integration?

Ja klar, auf jeden Fall. Es gibt hier bekanntlich sehr viele türkischstämmige Deutsche, und für die bin ich schon ein Beispiel für eine gelungene Integration.

Aber die Entscheidung, für Deutschland zu spielen, ist ihnen nicht einfach gefallen.

Ich denke, das ist auch verständlich. Meine Eltern kommen aus der Türkei. Aber ich bin hier geboren und aufgewachsen, deshalb war die Entscheidung so schwer auch wieder nicht.

Ist es richtig, dass eine Abordnung des türkischen Verbandes vor Ihrer Tür gestanden hat, um in letzter Minute zu versuchen, Sie doch noch für die Türkei zu gewinnen?

Ja, das gab's schon. Nicht ganz so extrem. Aber meine Entscheidung war schon gefallen, als ich das erste Spiel für die U 21 gemacht habe.

Vor Jahren haben sich die türkischstämmigen Deutschen zumeist noch für die Türkei entschieden - fällt es Ihrer Generation leichter, sich für Deutschland zu entscheiden, weil das Land moderner geworden ist.

Das kann schon sein. Ich finde es mittlerweile völlig normal, wenn sich Spieler mit ausländischen Eltern für Deutschland entscheiden. Das sieht man doch bei der A-Nationalmannschaft. Da gibt es genügend Beispiele. Es wird uns leicht gemacht.

Gegen Russland wird ja auch jeder gute Mann gebraucht.


Ganz klar, Russland ist der schwerste Gruppengegner. Sie haben vor allem mit Andrej Arschawin und Pavel Pogrebnyak hervorragende Individualisten. Da müssen wir einfach hochkonzentriert sein. Aber wir spielen zu Hause. Wir sind Deutschland, wir müssen Selbstvertrauen haben und zu Hause einfach gewinnen.

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