Sejad Salihovic im Interview

»Ibisevic fehlt uns sehr«

Sejad Salihovic hat seinen Wechsel von Berlin nach Hoffenheim nicht bereut – im Gegenteil. Der Bosnier über die Aussetzer von Jens Lehmann, den Ausfall von Vedad Ibisevic und die Aussichten auf die Meisterschale. Sejad Salihovic im InterviewImago

Herr Salihovic, was haben Sie eigentlich gedacht, als Jens Lehmann im Spiel gegen Stuttgart Ihren Schuh auf das Tor warf?
 
In dem Moment habe ich eigentlich gar nichts gedacht. Ich wollte nur weiterspielen, weil wir im Ballbesitz waren. Ich habe ja auch noch weitergespielt und danach den Schuh gesucht und auch gefunden.

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Waren Sie sauer auf Lehmann?
 
Nicht wirklich sauer, aber so etwas macht man einfach nicht. Für mich ist die Sache inzwischen aber auch abgehakt.
 
Haben Sie den Elfmeter wenige Minuten später deswegen verschossen, weil Sie diese Aktion verunsicherte?

 
Nein. Ganz und gar nicht. Das ist halt passiert und ist nicht mehr zu ändern. Natürlich ist es schade, dass das in 93. Minute passierte und wir damit 3 Punkte geholt hätten. Aber das kann jedem Spieler passieren.
 
Die Hinrunde der TSG war sensationell. Hatten Sie damit gerechnet, dass es so gut laufen wird?
 
Nein, damit gerechnet habe ich nicht. Natürlich wussten wir, dass wir eine gute Mannschaft haben. Dass es aber so gut läuft, hat niemand erwartet. Wir haben hart dafür gearbeitet, und ich hoffe, dass wir das weiterhin tun.
 
Mit welcher Platzierung haben Sie denn gerechnet?
 
Mittelfeld.
 
Abstiegskampf haben Sie ausgeschlossen?
 
Ja.
 
Inzwischen läuft es etwas stockender.
 
Wir sind immer noch gut dabei und haben in der Rückrunde erst ein Spiel verloren. Natürlich ist es jetzt schwieriger, weil sich die Gegner auf uns einstellen. Wir sind aber stark genug, um weiterhin eine gute Rolle zu spielen.
 
Wie sehr fehlt Ibisevic?
 
Er fehlt uns sehr. Er hat viele wichtige Tore erzielt, war einfach sehr treffsicher. Ich denke, dass wir die verlorenen Punkte geholt hätten, wenn er in den letzten Spielen dabei gewesen wäre.
 
Sejad Salihovic, Sie gingen von Berlin in die Provinz. War das ein Kulturschock?
 
(lacht) Ja, als ich vor drei Jahren kam, war es so. Aber in der Mannschaft waren Supertypen, die mir sehr geholfen haben. Ich habe mich sehr schnell eingelebt. Ich bin froh, dass ich hier bin.
 
Kommt keine Langeweile auf?
 
Nein, Stuttgart ist in der Nähe, Mannheim auch – es geht.
 
Vermissen Sie Berlin?
 
Naja, ich weiß natürlich, dass Berlin eine schöne Stadt ist. Ich freue mich, wenn ich da bin, aber ich vermisse Berlin nicht.
 
Glauben Sie, dass Sie sich bei Hertha ähnlich entwickelt hätten, wie es in Hoffenheim der Fall war?
 
Es war wichtig für mich, Berlin zu verlassen und mich nur auf Fußball zu konzentrieren. Bei Hertha wäre es schwer geworden.
 
Stichwort »Berlin verlassen«: Es fällt auf, dass die Talente der hochgelobten Hertha-Nachwuchsarbeit wie Sie, wie Boateng oder Dejagah den Durchbruch in Berlin nicht schaffen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
 
(lacht) Immer die gleiche Frage. Für die anderen kann ich natürlich nicht sprechen. Für mich war es wichtig, Berlin zu verlassen. Ich habe mich dort nicht auf Fußball konzentriert und meinen Beruf nicht geschätzt. In Hoffenheim habe ich aber sehr zu schätzen gelernt, was ich an diesem Beruf habe. Dadurch habe ich mich so sehr weiterentwickelt.
 
Was machen Sie in Hoffenheim denn anders als in Berlin?
 
In Berlin war ich ein bisschen unterwegs, hier nicht. Ich habe in Hoffenheim angefangen, Gas zu geben. Das habe ich in Berlin nicht gemacht.
 
Ist es der Verdienst von Ralf Rangnick, dass Sie Ihren Beruf nun ernster nehmen als zuvor?
 
Zum Teil ist es natürlich sein Verdienst, trotzdem lag es an mir. Ich denke, das ganze Team hat mich hier weitergebracht und auch ich mich selbst.
 
Als Sie nach Hoffenheim gingen, spielte die TSG noch in der Regionalliga. Empfanden Sie den Wechsel als Abstieg – oder ahnten Sie, was dort heranwachsen kann?
 
Ehrlich gesagt, wusste ich damals nicht einmal, wo Hoffenheim genau liegt. Ich hatte mich damals entschieden, Hertha zu verlassen – egal, wohin.
 
Ich nehme an, Sie bereuen nichts?
 
Nein, nichts.
 
Immer wieder wird Dietmar Hopp von gegnerischen Fans beleidigt und angefeindet. Ist das für Sie als Spieler eine zusätzliche Motivation?
 
Ich höre da weg, finde es aber schade, dass es diese Beleidigungen gibt. Man sollte froh sein, dass es Leute wie ihn gibt. Andere kaufen sich Yachten und alles mögliche. Ich bin darüber froh, was er hier macht, und wir alle schätzen das sehr. Wir sind dankbar für all das, was er für den Verein und die Region macht. Fans, die solche Plakate zeigen, sind einfach nicht fair und sollten mit offenen Augen durchs Leben gehen.
 
Gab es Anfeidung nach dem Motto »Ihr Geldsäcke« auch schon von Gegenspielern?
 
Nein, so etwas habe ich noch nicht mitbekommen.
 
Im Herbst hieß es, der FC Bayern sei an Ihnen dran. Wie intensiv haben Sie über einen Wechsel nachgedacht?
 
Es ist natürlich eine Ehre, wenn ein solcher Verein anfragt, aber trotzdem habe ich mich für 1899 entschieden und bin froh darüber. Ich denke, dass ich mich hier immer noch sehr viel weiter entwickeln kann. Ich hatte keinen Grund wegzugehen – hier bin ich glücklich.
 
Landet die TSG am Ende vor den Bayern?
 
(Lacht) Das werden wir sehen. Natürlich haben die Bayern eine sehr gute Mannschaft. Wenn wir vor ihnen landen, wäre das ein Wunder. Egal, was alle sagen: Wir sind immer noch ein Aufsteiger und versuchen, die anderen da oben zu ärgern.

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