Sehen wir Sie bald in Liga eins, Ralph Hasenhüttl?

»Die Bundesliga läuft mir nicht davon«

Ralph Hasenhüttl hat schon viel in seiner jungen Trainerlaufbahn erlebt. Der Trainer des FC Ingolstadt führte den Verein in ruhiges Fahrwasser, zuvor war er mit dem VfR Aalen aufgestiegen. Die gute Arbeit wird auch von Bundesligisten honoriert.

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Ralph Hasenhüttl, Sie arbeiten seit sieben Jahren als Trainer. Was machen Sie mittlerweile anders als zu Beginn Ihrer Karriere?
Ich habe meine Spielidee weiterentwickelt, bin gelassener geworden und zudem reifer.

Erinnern Sie sich noch an typische Anfängerfehler?
Klar. Spieler auszusortieren, um sich Respekt zu verschaffen, war nicht gerade klug. Mein Vorgehen hatte wohl damit zu tun, dass ich zu jener Zeit vom Co- zum Cheftrainer befördert wurde. Ich dachte damals, ich müsse klare Zeichen setzen und dürfe keinerlei Schwäche zeigen. Heutzutage habe ich als Trainer eine gewisse Reputation, sodass ich auf derlei Aktionismus verzichten kann.

Man hört von etablierten Trainern häufig den Satz, sie hätten den Trainerberuf zunächst unterschätzt. Ging Ihnen das ähnlich?
Absolut nicht! Nach meiner Jugendtrainertätigkeit in Unterhaching wurde ich Assistent von Harry Deutinger, der zuvor selbst zwanzig Jahre als Co-Trainer gearbeitet hatte. Von ihm habe ich viel gelernt. Harry hat rund um die Uhr für den Beruf gelebt. Er hat mir beigebracht, wie man Gegner analysiert und auch im Moment des Erfolgs demütig und bescheiden bleibt. Ich kann mir keinen besseren Lehrer vorstellen. Kurz: Ich wusste genau, was mich erwarten würde.

Was ist das Schwierigste an Ihrem Beruf?
Manche Personalentscheidungen sind heikel. Wenn es beispielsweise darum geht, jemandem mitzuteilen, dass er in den eigenen Planungen keine Rolle mehr spielt. Ich weiß, welch enorme Tragweite so was für den Spieler haben kann. Denn nicht selten wird die Angelegenheit von den Medien durchleuchtet. Das ist manchmal sehr, sehr bitter für denjenigen, über den berichtet wird.

Und wie gehen Sie mit eigenen Fehlern um?
Man muss als Trainer bereit sein, eigene Fehler zu erkennen und daraus zu lernen. Wer das nicht tut, wird schnell unglaubwürdig und scheitert irgendwann. Dir muss klar sein, dass du nicht unfehlbar bist.

Fällt Ihnen ein Beispiel ein?
Es kann passieren, dass ich mit meiner Taktik mal falsch liege  - oder der Gegner sich einfach für die bessere entschieden hat. Läuft die eigene Mannschaft ins offene Messer, sollte man als Trainer auch die Courage haben zu sagen: »Jungs, leider habe ich euch den falschen Plan an die Hand gegeben, deshalb haben wir hier heute verloren.« Fußball ist ein Fehlerspiel. Entscheidend ist, übers Jahr gesehen weniger Fehler zu machen als die Konkurrenz.
Sie haben während Ihrer Auszeit im vergangenen Sommer mehrmals inkognito das Training bei Borussia Dortmund verfolgt – welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?
Es geht dabei vorrangig um Selbstbestätigung. Ich habe dadurch meine Arbeit überprüft und mir zugleich ein paar Impulse geholt. Allerdings war ich damals nicht nur im Trainingslager des BVB, sondern habe mir auch die Saisonvorbereitung anderer Bundesligisten angeschaut. Es ist interessant zu sehen, wie viel von den Trainingsinhalten und Systemideen später in der Meisterschaft wiederzuerkennen ist.

Was antworten Sie denen, die sagen, sowohl ihre Mannschaftsführung als auch ihre Spielidee ist derer Jürgen Klopps sehr ähnlich?
(Lacht) Ich weiß nicht, wie Jürgen seine Mannschaft führt. Ich glaube allerdings, dass er ausgezeichnet auf die einzelnen Charaktere eingeht und ihnen seine Taktik mit Überzeugung vermittelt. Auch ich versuche, mit den Spielern viel zu sprechen und sie vor ungerechtfertigter Kritik zu schützen. Die Art Fußball, die Jürgen spielen lässt, gefällt mir extrem gut – sehr temporeich und leidenschaftlich. Klar ist aber auch: Jürgen trainiert mit dem BVB einen deutschen Topklub. Für ihn alles noch eine Spur härter, Stichwort Druck. Er muss den Medienvertretern täglich Rede und Antwort stehen. Das sollte man nicht unterschätzen.

Wie Jürgen Klopp stehen auch Sie für schnelles Umschaltspiel...
Geschwindigkeit ist mein Ding, ja. Um vermeintlich übermächtige Mannschaften zu überraschen, ist das schnelle Umschalten von Defensive auf Offensive ein probates Mittel. Derlei ist uns in der vergangenen Runde des Öfteren gelungen, beispielsweise gegen Favoriten wie Köln oder auch Fürth.

Haben Sie den Eindruck, der FC Ingolstadt wird unterschätzt?
All die Klubs, die nicht gerade als Zuschauermagneten gelten, haben damit zu kämpfen, sich Respekt zu verschaffen. Das macht es für den Trainer aber nicht weniger reizvoll, im Gegenteil: Man kann im Idealfall sogar Geschichte schreiben. So was entschädigt auch für die ein oder andere Fehlentscheidung, die die Schiedsrichter zugunsten der großen Vereine treffen.

Glauben Sie ernsthaft, ein Schiedsrichter hat das Image eines Klubs bei seinen Entscheidungen im Hinterkopf?
Nein, aber es macht einen Unterschied, ob bei einem vermeintlichen Foul 5000 Zuschauer rufen  - oder eben 45 000. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Wir haben bei Union Berlin in der Nachspielzeit einen Elfmeter gegen uns bekommen (24. Spieltag, Endstand: 1:1, d. Red.). Eine klare Fehlentscheidung, bei der die Stimmung in der ausverkauften Alten Försterei vermutlich keine geringe Rolle gespielt hat. Wenn 25000 Zuschauer »Elfmeter« schreien, ist es für den Schiedsrichter schwerer, cool zu bleiben und das Spiel laufen zu lassen, als in einer ähnlichen Situation bei uns in Ingolstadt. Ich will den Schiedsrichtern aber auf keinen Fall etwas unterstellen. Auch wir müssen es schaffen, in unserem Stadion für eine ähnliche Stimmung zu sorgen.

Woran liegt es, dass zu ihren Heimspielen nur selten mehr als 7000 Zuschauer kommen?
Wir sind ein junger Verein, der – wie so viele – aus einer Zusammenführung hervorging.Viele Leute tun sich schwer damit, eine neue Bindung aufzubauen. Ähnliches habe ich auch beim VfR Aalen erlebt, dort wurden ständig irgendwelche alten Kamellen ausgegraben – furchtbar! Irgendwann hat sich die Stimmung gedreht, plötzlich ist so manchem klar geworden, dass der Verein die eigene Region repräsentiert. Wir haben versucht, einen Fußball zu spielen, der die Leute begeistert. Und was geschah? Plötzlich war bei vielen das Gefühl da: »Oha, da geht am Wochenende die Post ab, da muss ich hin.«

Zuletzt hat Ihr Klub eine Menge Geld in die Infrastruktur investiert. Wo sehen Sie derzeit den größten Nachholbedarf?
Wir wollen ein starkes Mitglied der Zweiten Liga werden. Wir müssen die Marke FC Ingolstadt 04 weiter aufwerten, um nachhaltig zu wachsen. Jeder Jugendspieler aus der Region muss das Ziel haben, für den FCI zu spielen. Der Verein hat zwar ein großes Potenzial, wird aber auch in Zukunft nicht in der Lage sein, zig Millionen in Spieler zu investieren. Wir wollen uns langsam, Schritt für Schritt, nach oben kämpfen. Schulden sind tabu.

Sie haben früher als Spieler unter anderem für Greuther Fürth auf dem Platz gestanden – hat der Klub für Sie eigentlich Vorbildcharakter?
Vor den Verantwortlichen in Fürth muss man den Hut ziehen. Sie haben mit bescheidenen Mitteln Großartiges erreicht. Dahinter steckt gute Arbeit. Apropos: Auch dieser Verein ist das Ergebnis einer Fusion. Die haben noch ein paar Jahre Vorsprung, aber wir kommen ihnen schon näher (lächelt).

Nervt oder ehrt es Sie, dass Sie immer wieder bei anderen Klubs gehandelt werden?
Grundsätzlich ist es ein Lob, klar. Ich habe in Ingolstadt aber einen langfristigen Vertrag (endet im Juni 2016, d. Red.) unterschrieben – ohne Ausstiegsklausel. Dementsprechend identifiziere ich mich voll und ganz mit der Aufgabe. Eines kann ich aber nicht leugnen: Meine Reaktion war nicht gerade cool, als ich das erste Mal mit einem Bundesligisten in Verbindung gebracht wurde.

Sie meinen die Anfrage der SpVgg Greuther Fürth im Winter 2013?
Ja. Damals fiel es mir unheimlich schwer, das Thema beiseite zu schieben. So etwas wirbelt den kompletten Alltag durcheinander. Inzwischen gehe ich wesentlich cooler mit solchen Anfragen um.

Es stimmt aber, dass Ihnen in den vergangenen Monaten einige Anfragen vorgelegt wurden, oder?
Das will ich nicht kommentieren. Nur soviel: Wenn ich weiter erfolgreich als Trainer arbeite, läuft mir die Bundesliga nicht davon. Ich glaube übrigens: Am Schönsten ist es, wenn man es irgendwann auf sportlichem Weg dorthin schafft – und nicht durch einen Klubwechsel.

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