Sebastian Mielitz über die 1. Bundesliga

»Ich will mehr davon«

An Werder-Torwart Tim Wiese kommt derzeit niemand vorbei. Auch nicht Sebastian Mielitz, der sich in zwei Spielen als Ersatzmann dennoch ins Rampenlicht spielen konnte. Der 20-Jährige über die Lust an der 1. Bundesliga. Sebastian Mielitz über die 1. Bundesliga

Sebastian Mielitz, nach Ihrem Bundesliga-Debüt gegen den 1. FC Köln (das Spiel endete 0:0) wurden Sie auf der Internetseite Ihres Vereins mit den Worten zitiert: »Ich habe mein Trikot natürlich nicht getauscht und mit nach Hause genommen. Ich weiß noch nicht was ich damit mache.« Was ist mit dem guten Stück passiert?

Ich glaube, das liegt noch in meiner Tasche. Nein, halt, das hat mein Papa mit nach Hause genommen.

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Ihr Vater ist also Werder-Fan? In der Jugend spielten Sie schließlich auch für Neuruppin und Cottbus.

Der ist immer Fan von dem Verein, für den ich spiele. Bei mir ist das anders: Ich war schon als kleiner Junge Werder-Fan.

Sie haben in dieser Saison 14 Spiele für Werders zweite Mannschaft in der dritten Liga absolviert. Inwiefern spürt man als Torhüter den Unterschied zwei Ligen höher?

Die Aufgaben bleiben ja gleich: Ich muss mein Tor sauber halten. Was man merkt ist die Qualität der Mitspieler. Ohne den Kollegen aus der dritten Liga auf die Füße treten zu wollen.

Gegen Köln hatten Sie eine starke Szene, als Sie im Eins-gegen-Eins-Duell mit Novakovic die Ruhe bewahrten und seinen Schuss mit dem Fuß abwehren konnten. Gibt es für solche Momente ein Patentrezept?

Gerade weil wir so offensiv spielen und die Verteidiger weit mit nach vorne rücken, passiert das ja nicht selten, dass man als Torhüter vor solchen Aufgaben steht und ein Stürmer alleine auf einen zu rennt. Das einfachste Mittel: Stehen bleiben. Stehen bleiben und zwar so lange, bis der Angreifer vergessen hat, was er eigentlich vorhatte.

Eine kleine Randgeschichte Ihres Debüts war, dass in dieser Partie erstmals der neue WM-Ball eingesetzt wurde. Probleme scheinen Sie damit nicht gehabt zu haben?

Weil es als Torwart deine Aufgabe ist jeden Ball zu halten, der auf dein Tor fliegt. Ganz gleich, aus welchem Material der besteht. Sagen wir es so: Ganz gerade fliegt dieser Ball nicht. Aber seit dem Köln-Spiel habe ich auch nicht mehr mit dem WM-Ball gespielt.

Weil Sie seither nicht mehr eingesetzt wurden.

Weil wir im Verein mit anderen Bällen trainieren.

Als Torhüter sind Sie in der exotischen Lage, mit allerlei Technik in Verbindung gebracht zu werden. Schuhe, Handschuhe, Bälle – wie sehr müssen Sie sich damit auseinandersetzen?

Wenn ich optimale Leistungen bringen will, dann ist die Technik auch Teil meines Berufes. Insofern spielt das eine große Rolle.

Apropos Beruf: Tim Wiese hat seine Verletzung auskuriert, Sie sitzen wieder auf der Bank. Wie kann man sich an dieses Gefühl gewöhnen?

Gar nicht. Wenn man einmal das Glück hatte während einer Bundesligapartie auf dem Platz zu stehen, will man immer mehr davon. Aber: Man muss sich daran gewöhnen. Ich sehe das ganz realistisch: Ich war ja auch nur deshalb direkter Ersatz für Tim, weil Christian (Vander, d. Red.) noch verletzt ist und nicht einsatzfähig war. Die Einsätze gegen Funchal und Köln waren Bonbons, jetzt stelle ich mich wieder hinten an und warte.

Ihr Trainer Thomas Schaaf und Ihre Kollegen haben, angesprochen auf Ihren Einsatz, die guten Leistungen im Training als Legitimation für Ihren Platz in der Startaufstellung angeführt. Wie kann man sich als Torhüter in den Übungseinheiten ins Rampenlicht spielen?

Indem du in jedes Training mit voller Konzentration gehst, jeden noch so einfachen Schuss ernst nimmst und festhältst und jeden Pass sicher zum Mitspieler bringst. Ein kleiner Fehler und du stehst blöd da. Feldspieler haben es da etwas einfacher, aber so ist das nun mal als Torwart.

Dass Torhüter unter besonderem Druck stehen ist kein Geheimnis mehr. Wie gehen Sie mit diesen Situationen um?

Manchmal muss man einfach auf Durchzug schalten. Nicht alles, was von außen an Kritik kommt, muss man sich auch zu Herzen nehmen. Ich habe mal eine Dokumentation über Oliver Kahn gesehen, in der er diesen berühmten Tunnelblick beschreibt. Den gibt es wirklich.

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