27.06.2012

Sebastian Kehl über Deutschland gegen Italien

»Diesmal sind wir dran«

Sebastian Kehl, Kapitän von Meister Borussia Dortmund, kennt sich aus mit entscheidenden Spielen gegen Italien. Bei der WM 2006 stand er bei der tragischen 0:2-Halbfinalniederlage mit auf dem Rasen. Hier spricht er über eine neue Chance und Einsatzzeiten für die Kollegen vom BVB.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Sebastian Kehl, wo schauen Sie die Europameisterschaft?
In Spanien. Ich bin noch im Urlaub.

Und, wie gefiel Ihnen das Viertelfinale Italien gegen England?
Die bessere Mannschaft hat gewonnen, ganz eindeutig. Nach gut einer Stunde sind die Engländer ja immer müder geworden, die Italiener waren nicht nur konditionell wesentlich besser drauf. Gut für Italien, schlecht für uns.
 
Wieso?
Ich hätte mir die Engländer als Halbfinal-Gegner gewünscht, die wären leichter zu schlagen gewesen. Mit Italien wartet ein richtig schwerer Brocken, aber wenn man Europameister werden will, muss man sie schlagen.
 
Sie kennen sich aus mit Halbfinal-Spielen gegen Italien. Bei der WM 2006 standen Sie gegen die Italiener in der Startelf, weil Torsten Frings nach dem Viertelfinale gegen Argentinien gesperrt wurde. Welche Erinnerungen haben Sie an dieses Spiel?
Keine wirklich guten. Ich erinnere mich an ein gutes Spiel von uns mit zum Teil richtig guten Chancen von beispielsweise Bernd Schneider oder Lukas Podolski, aber vor allem an den Moment, als Fabio Grosso das 1:0 erzielt. Da war plötzlich nichts, nur Leere und Stille. Und die Gewissheit, dass unser Ziel und der große Traum soeben zerplatzt war.
 
Den entscheidenden Pass auf Grosso gab damals Andrea Pirlo.
Pirlo war schon damals ein großartiger Spieler. So elegant und vor allem: so lässig. Pirlo hat eine unglaubliche Ausstrahlung und eine Ruhe am Ball, die schon beeindruckend ist. Wie erfahren und cool er ist, hat er nicht nur mit seinem Elfmeter gegen England bewiesen.
 
Dreht man als Mitspieler nicht völlig durch, wenn einer in so einem entscheidenden Moment den Ball aufs Tor lupft?
Dass er diesen Elfmeter so verwandelt hat, war absoluter Wahnsinn. Die Chance, sich richtig zu blamieren, und alles zu verlieren, ist riesengroß. Aber letztlich hat diese Aktion das Elfmeterschießen entschieden. Pirlo hat alles richtig gemacht.
 

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