Zunächst schien sich die Entscheidung von Dundee als richtig zu erweisen. Der Sturm in der deutschen Nationalmannschaft war überaltert und junge neue Stürmer wurden dringend gesucht. Der DFB entschied sich erstmals in der Geschichte des Verbandes Spieler für das A-Team einzubürgern und fand bei der Umsetzung prominente Unterstützer. Der damalige Innenminister Manfred Kanther sah die Chance sein Image in der Bevölkerung aufzubessern und drückte öffentlich wirksam den Antrag auf die deutsche Staatsbürgerschaft nach einem halben Jahr durch. Die »Bild« gratulierte: »Herzlich willkommen!« Im Februar 1997 sollte Sean Dundee unter Bundestrainer Berti Vogts im Freundschaftsspiel gegen Israel sein Startdebüt feiern.Mit der Einladung zur deutschen Nationalmannschaft erfüllte sich für mich ein Traum. Das war zu diesem Zeitpunkt das schönste Gefühl meines Lebens! Doch am Wochenende vor dem Spiel gegen Israel verletzte ich mich im Spiel gegen Stuttgart und spielte trotzdem weiter. Das war das schlimmste, was ich überhaupt hätte machen konnte. Nach dem Spiel konnte ich kaum noch gehen. Als ich einen Tag später im Hotel zur Nationalmannschaft stieß, schickte mich Berti Vogts gleich zu Dr. Müller-Wohlfarth.
Zu diesem Zeitpunkt hat Ihnen der Trainer schon öffentlich einen Einsatz von Beginn versprochen.Richtig. Doch der Doktor schloss nach der Untersuchung einen Einsatz vollkommen aus. Diese Nachricht war schlimmer, als meine Niederlage im Pokalfinale 1996
(der KSC verlor damals mit 0:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern, d. Red.) oder den Torschützentitel am letzten Spieltag der Saison 1995/96 knapp zu verpassen
(Stuttgarts Fredi Bobic gelangen am 34. Spieltag zwei Tore beim 3:1-Sieg gegen den KSC, Bobic wurde mit 17 Toren Torschützenkönig, Dundee, der in diesem Spiel ebenfalls ein Tor erzielt hatte, wurde mit 16 Toren nur Zweiter, d. Red.). Das hat mich richtig getroffen.
Am Ende standen Sie insgesamt dreimal im Kader, saßen aber nur einmal auf der Ersatzbank und wurden nie eingewechselt. Wie denken Sie heute darüber?Ich hätte einfach gerne ein Spiel für Deutschland gemacht. Nach meiner ersten Verletzung habe ich immer gedacht, dass ich es noch schaffe und habe es immer wieder probiert. Leider hatte ich dann zu viele Verletzungen, die mich ausgebremst haben. Es gab keine Gelegenheit mehr für die Nationalmannschaft zu spielen.
An die Erfolge in den ersten Jahre im Fußball-Oberhaus konnte Sean Dundee anschließend nie wieder anknüpfen. Zahlreiche Verletzungen warfen den Stürmer immer wieder zurück. Gelangen ihm in den Spielzeiten 1995/96 und 1996/97 16, bzw. 17 Tore, waren es in der Saison 1997/98 nur noch drei Treffer. 1998 wechselte Dundee vom Karlsruher SC zum FC Liverpool ausgeliehen, nach nur drei Spielen ging er 1999 zum VfB Stuttgart. In vier Jahren gelangen ihm 25 Tore in 77 Spielen, 2003 ging er zu Austria Wien. Dundee spielte nie wieder in einer europäischen Topliga. Im Rückblick möchte er dennoch nicht von einer gescheiterten Karriere sprechen. Im Gespräch sucht er in allen Rückschlägen immer noch etwas Positives. So auch bei der Anekdote von einer Auseinandersetzung mit einem Boulevardreporter. Worum ging es da genau?Es gab jemanden von der »Bild«-Zeitung, der eines Tages nach dem Training auf mich wartete und meine privaten Telefonrechnungen in der Hand hatte. Er wusste genau, mit wem ich wann gesprochen habe. Der Typ hatte mich am Anfang meiner Karriere in den Himmel geschrieben, später hat er mich zerstört.
Haben Sie nichts gegen diese gesetzeswidrige Aktion unternommen?Wenn jemand etwas Böses macht und ich merke, dass es ihm leid tut, dann ist es für mich vorbei. Ich bin nicht nachtragend. Später ist dieser Reporter sehr krank geworden. Da habe ich ihn im Krankenhaus angerufen und gute Besserung gewünscht. Er war total überrascht und hat sich bei mir bedankt.
Im Spitzensport können über Nacht Stars geboren werden. Nicht minder rasant können vermeintliche Hoffnungsträger scheitern. Sean Dundee bleibt ein Fußballer, der sportlich oft kurz vorm Ziel gescheitert ist. Zweimal Vize-Torschützenkönig, Vize-Pokalsieger, Beinahe-Nationalspieler. Seinen Traum, sagt er, habe er trotzdem gelebt. So einer darf dann auch für seine Schule mit der »Realisierung von Träumen« werben.
>>>>Sean Dundees Karriere in der Bildergalerie!