05.07.2012

Sean Dundee über seine Karriere als Beinahe-Superstar

»Ich habe sehr viele Fehler gemacht«

Er galt als Hoffnungsträger für eine ganze Fußballnation. Seine Tore sollten der Stürmerflaute in der Nationalmannschaft Mitte der Neunziger ein Ende bereiten. Von höchster Stelle in einem Schnellverfahren mit einem deutschen Pass ausgestattet, stand Sean Dundee kurz vor der Erfüllung seines Lebenstraums. Doch der Karrieretraum zerplatzte. Wir sprachen mit ihm.

Interview: Jonathan Sachse Bild: Imago

Sean Dundee, im Internet werben Sie für Ihre Fußballschule mit dem Satz: »Ich möchte Kindern bei der Realisierung ihrer Träume helfen. So wie es mir gelungen ist.« Gibt es auch Dinge, vor denen Sie Ihre Schützlinge warnen würden?
Dass sie nicht die gleichen Fehler machen wie ich. Ich habe viele Fehler gemacht. Wenn ich zurückgehen könnte und alles neu machen könnte, würde ich wahrscheinlich ganz anderer Spieler werden. Dann würde ich es wahrscheinlich viel weiter schaffen.

Worauf sollen die Kinder also konkret achten?
Die Kinder müssen sich viel Zeit nehmen. Vor dem Training und nach dem Training bereit sein Extra-Schichten einzulegen. Das musste ich auch lernen. Am Anfang bin ich lieber mal mit Freunden ausgegangen.   

Was noch?
Sie sollten nicht allen Leuten vertrauen.

Vertraut hat Sean Dundee zu Beginn seiner Karriere sehr vielen Leuten. Beinahe naiv gelang es dem gebürtigen Südafrikaner nicht immer Freunde und reine Geschäftsbeziehungen zu unterschieden. Er berichtet von Beratern, die ihn aus rein wirtschaftlichem Interesse möglichst schnell von Verein zu Verein verkauften wollten. Mit 19 Jahren wechselte der junge Stürmer nach Deutschland zum Zweitligisten Stuttgarter Kickers. Zu Beginn nahm er meist auf der Bank Platz, entschied sich zu einem Wechsel in die Regionalliga und wurde dort nach einer erfolgreichen Saison 1995 zum Karlsruher SC in die 1. Bundesliga transferiert.

Mit welchen Gefühlen sind sie in ihre erste Saison in der höchsten deutschen Spielklasse eingestiegen?
Fußball war mein Leben. Zu der Zeit haben Klinsmann, Häßler und weitere Weltmeister von 1990 in Deutschland gespielt. Von denen hatte ich als Kind Poster an meiner Wand hängen! Allerdings dachte ich auch an die Schwierigkeiten, die auf mich zukommen würden. Allein die neue Sprache machte mir Probleme.

Haben Sie sich als Neuling bei den Stuttgarter Kickers einsam gefühlt?
Wir spielten schlecht und ich wurde nur selten eingesetzt. Nach meinem ersten Heimaturlaub im sommerlichen Durban bin ich im Winter nach Stuttgart zurückgekehrt. Damals habe ich mich wirklich alleine gefühlt und dachte, dass ich das nicht mehr lange aushalte. Doch der kleine Mann in mir rief: »Wenn du jetzt aufgibst, bereust du das dein Leben lang!« Ich habe auf den kleinen Mann gehört.

Mit 33 Treffern in zwei Spielzeiten beim Karlsruher SC weckte der Südafrikaner in seinem Heimatland Begehrlichkeiten. Im Dezember 1995 stand er für ein Testspiel im Kader der »Bafana Bafana«, der süfafrikanischen Nationalmannschaft. Der damalige Gegner hieß: Deutschland.

Was ging Ihnen damals nach der Nominierung durch den Kopf?
Es war für mich eine große Ehre. Als mir dann jemand gesagt hat, dass ich nicht spielen soll, weil ich vielleicht noch für Deutschland auflaufen könnte, habe ich mich allerdings gegen einen Einsatz entschieden.

Beim Aufwärmen täuschten Sie eine Verletzung vor und wurden nicht eingesetzt.
Ich war leicht verletzt. Wahrscheinlich hätte ich auch spielen können. Ich wollte aber lieber abwarten und noch nicht für Südafrika spielen. In dieser Mannschaft war ich ein Außenseiter. Die Jungs waren wie eine Familie, hatten schon lange zusammengespielt. Für die war ich ein Spieler aus Deutschland, der nun geholt worden war, um endlich Tore zu schießen. Die meisten waren nicht glücklich, als sie mich das erste Mal sahen.

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