21.01.2009

Scott Chipperfield über seinen Wechsel

»Es kam nicht plötzlich«

Scott Chipperfield, Herthas Neuzugang vom FC Basel, erzählt von der ersten Kontaktaufnahme und alten Bekannten in seinem neuen Team. »Joe Simunic wohnte in Australien gar nicht so weit weg von mir«, sagt Chipperfield. 

Interview: Sven Goldmann Bild: Imago
Scott Chipperfield über seinen Wechsel
Mister Chipperfield, Sie hatten acht großartige Jahre in Basel, die Fans dort lieben Sie, Ihre Verdienste sind unumstritten. Musste es denn noch dieses eine letzte Freundschaftsspiel am Donnerstag sein, ausgerechnet auf Kunstrasen?

Immerhin habe ich zum Abschied noch ein Tor geschossen … Nein, im Ernst, hinterher ist man immer schlauer. Ja, der Kunstrasen war nicht gut für mich und meine Fußsehne, ich hätte mir meinen Start bei Hertha anders gewünscht. Ich kann es nicht ändern, glaube aber auch nicht, dass das ein Problem sein wird.



Die medizinischen Untersuchungen in Berlin sind also nur eine Formalität?

So will ich das nicht sagen. Aber ich bin sehr zuversichtlich. Ich habe die entsprechenden MRT-Aufnahmen aus Basel mitgebracht, aber Herthas medizinische Abteilung will sich einen eigenen Eindruck mit eigenen Untersuchungen verschaffen. Dafür habe ich volles Verständnis. Ich werde am Mittwoch mit der Mannschaft nach Berlin fliegen, dann sehen wir weiter.

Warum der plötzliche Abschied aus Basel?

So plötzlich war das gar nicht. Ich war über Weihnachten zu Hause in Australien, da hat sich Hertha bei meinem Agenten gemeldet und Interesse signalisiert. Das hat mich schon sehr interessiert.

Basel plant auf Ihrer Position mit zwei, drei jungen Leuten …

… da war es an der Zeit, sich nach einer Veränderung umzusehen. Ich wollte ja schon mal weg, nach England, in die Premier League. 2006 hatte ich ein gutes Angebot aus Charlton, aber der FC Basel hat eine zu hohe Ablösesumme verlangt. Dieses Mal hat es geklappt, dafür bin ich dem Verein sehr dankbar. Basel war eine tolle Zeit, aber ich wollte eine neue Herausforderung.

Auch im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika?

Die spielt dabei auf jeden Fall eine Rolle. Nach der Weltmeisterschaft will ich nach Australien zurückkehren, aber erst einmal ist die WM-Endrunde mein großes Ziel. Ich habe in Berlin die Chance, auf hohem Niveau zu spielen. In Basel sind wir ja ganz nah an der deutschen Grenze, ich habe die Bundesliga sehr aufmerksam im Fernsehen verfolgt.

Für den Fall, dass es mit Hertha klappt – haben Sie sich schon eine Rückennummer ausgesucht?

Das ist mir eigentlich ziemlich egal. In Basel hatte ich die Nummer 11, aber die ist in Berlin schon vergeben. In der Nationalmannschaft hatte ich zuletzt die 14.

Die trägt in Berlin Ihr australischer Landsmann Josip Simunic. Kennen Sie sich?

Natürlich, er ist in Canberra aufgewachsen, das ist gar nicht so weit weg von meiner Heimatstadt Wollongong. Ich habe bei der WM 2006 in Deutschland gegen ihn gespielt – ich für Australien, er für Kroatien.

Kennen Sie sonst noch jemanden aus Ihrer voraussichtlich neuen Mannschaft?

Arne Friedrich, gerade eben habe ich mich mit ihm unterhalten. Beim Confed-Cup im Sommer 2005 haben wir gegeneinander gespielt.

Sie sind seit Montag in Herthas Trainingslager in Marbella. Wie fällt Ihr erster Eindruck aus?

Bisher habe ich nur ein paar Untersuchungen gemacht und zusammen mit der Mannschaft gegessen. Alle machen einen angenehmen Eindruck. Hertha hat eine sehr junge Mannschaft mit vielen talentierten Spielern.

An Herthas Trainer Lucien Favre dürften Sie nicht so gute Erinnerungen haben. Im Mai 2005 hat er noch den FC Zürich trainiert und Ihrem FC Basel durch ein Tor in der Nachspielzeit noch die Schweizer Meisterschaft weggenommen.

Oh ja, ich kann mich noch gut daran erinnern. Unsere Fans haben danach verrückt gespielt, es kam zu schweren Ausschreitungen, aber so etwas passiert nun mal im Fußball. Und mein Verhältnis zu Monsieur Favre wird das bestimmt nicht belasten. Seine Arbeit und sein Erfolg sprechen für sich. Ich werde versuchen, ihm und der Mannschaft mit meiner Erfahrung weiterzuhelfen.

Dieser Artikel erschien in der aktuellen Ausgabe der Tageszeitung "Der Tagesspiegel"

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