Schweden-Legionär Michael Görlitz über seine alte Heimat

»So schön war es auch nicht«

Michael Görlitz vom FSV Frankfurt spielte dreieinhalb Jahre für den schwedischen Club Halmstad BK. Ein Interview über schwedische Verschlossenheit, und früh erkennbare Talente.

Michael Görlitz, 2008 wechselten sie zum schwedischen Erstligisten Halmstad BK. Wie kam der Wechsel zustande?
Mein Vertrag bei der zweiten Mannschaft von Bayern München, bei denen ich bis dahin gespielt hatte, wurde nicht mehr verlängert. Daraufhin hat mein damaliger Berater den Kontakt zu Halmstad hergestellt, die mich zum Probetraining eingeladen haben, und mir im Anschluß einen Vertrag anboten. Ich hatte zwar auch einige Anfragen aus der 3.Liga, wollte mir aber die Chance in einer ersten Liga zu spielen nicht entgehen lassen.

Hatten sie denn irgendeine Verbindung zu Schweden? Familien-Urlaube, Verwandte vielleicht?
Nein, nichts dergleichen. Ich wollte einfach nur Spielpraxis auf höherem Niveau sammeln.

Wie sind Sie in Halmstad aufgenommen worden?
Sehr gut! Die Schweden sind sehr nette, offene Menschen, sprechen alle sehr gut englisch. Das hat den Einstand natürlich enorm erleichtert.

Sie haben also schnell Anschluss gefunden?
Ja. Obwohl man auch sagen muss, dass die meisten Schweden, so offen und umgänglich sie zunächst sind, im Privaten eher verschlossen bleiben. Vielleicht war es auch nur ein Zufall, aber die meisten Freunde, die ich in dieser Zeit gewonnen habe, waren tatsächlich Halb-Schweden.

In Schweden leben circa neuneinhalb Millionen Menschen, der DFB hat in etwa sieben Millionen Mitglieder. Haben Sie eine Erklärung dafür, weshalb die Schweden trotzdem so eine große Sportnation sind?
Sport ist in der schwedischen Gesellschaft einfach allgegenwärtig. Wirklich jeder betreibt einen Sport. Vielleicht ist das ein Erklärungsansatz.

Wie sieht man die Deutschen in Schweden? Begegnen einen auch hoch im Norden die typischen Klischees von deutscher Disziplin und Pünktlichkeit?
Nein, überhaupt nicht. Ich denke das liegt daran, dass Deutschland für schwedische Touristen ein beliebtes Reiseziel ist. Zudem lernen erstaunlich viele Deutsch in der Schule. Das Bild Deutschlands ist in Schweden durchweg positiv. Obwohl Disziplin und Pünktlichkeit ohnehin nichts Schlechtes sind. (lacht).

Heute spielt Schweden gegen Deutschland in der WM-Qualifikation. Wie schätzen die Schweden ihre Chancen ein? Und wem drücken Sie die Daumen?
Ich drücke ganz klar Jogis Jungs die Daumen! So schön war es in Schweden nun auch wieder nicht. (lacht). Zum Spiel: Ich war letztens in Kontakt mit Martin Olsson, mit dessen Bruder Marcus ich bei Halmstad zusammengespielt habe, und der nicht nur ein guter Freund von mir, sondern auch aktueller Nationalspieler ist. Der Respekt vor der deutschen Mannschaft ist gewaltig! Nach den ohnehin schon überzeugenden Vorstellungen der deutschen Nationalmannschaft bei den letzten Turnieren, waren es vor allem Bayern und Dortmunds Leistungen in der Champions-League, die das Ansehen des deutschen Fußballs insgesamt in Schweden nochmals gesteigert haben. Bis dahin orientierte man sich doch eher an der Premier-League.

Zu Ihrer Zeit bei Bayern Münchens Amateuren haben Sie zusammen mit Mats Hummels und Thomas Müller in einer Mannschaft gespielt. War deren Qualität schon damals offensichtlich?
Absolut! Thomas Müller wurde in meiner letzten Saison bei Bayern einige Male aus der U19 zu uns hochgezogen. Schon damals hatte er einen beeindruckenden Zug zum Tor. Und auch bei Mats Hummels war schnell klar, über welches Potential er verfügt

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