Schiedsrichter Felix Zwayer im Interview

»Der Respekt hat abgenommen«

Am Samstag leitete Felix Zwayer das Kreisliga-B-Spiel zwischen SV Blau-Gelb II gegen GW Baumschulenweg, am Sonntag das zwischen Bayer Leverkusen und Schalke. Im Interview spricht der Schiedsrichter über die Gewalt in den Kreisligen und den Druck in der Bundesliga. Schiedsrichter Felix Zwayer im Interview

Felix Zwayer, am Samstag Kreisliga B, am Sonntag Bundesliga. Was hat Ihnen denn besser gefallen?

Felix Zwayer: Man kann das schlecht vergleichen. Wie jeder Sportler freut man sich immer über die größte Herausforderung und das ist nun einmal die Bundesliga. Aber ich habe auch das Spiel in der Kreisliga B als sehr angenehm empfunden, es waren zwei sehr faire Mannschaften. Die Organisation war vorbildlich.

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Ist die Umstellung schwer gefallen?

Felix Zwayer: In den ersten Momenten am Samstag wurde mir wieder bewusst, wie schwer es ist, auf sich allein gestellt zu sein. Es gibt in den unterklassigen Ligen keine Assistenten, mit denen man sich abstimmen, deren Hilfe man beanspruchen kann. Das Tempo des Spiels ist nicht vergleichbar. Einen Sprint wie den von Jefferson Farfan sieht man in der Kreisliga B ja äußerst selten.  

Sie haben in der Kreisliga gepfiffen, um die DFB-Aktion »Zeit zum Nachdenken – kein Platz für Gewalt« zu unterstützen.


Felix Zwayer: Es war mir wichtig, dass das Thema eine gewisse Aufmerksamkeit erlangt. Da ist es auch an uns Bundesliga-Schiedsrichtern, aus Solidarität ein Zeichen zu setzen. Mittlerweile häufen sich die tätlichen Angriffe gegenüber Schiedsrichtern. Das Erschreckende ist, dass sich das sogar im Jugendbereich abspielt – selbst bei E-Jugendspielen. Dort sind es meistens die Eltern, die sich daneben benehmen und Schiedsrichter beschimpfen und bedrohen.  

Sie haben zu Beginn Ihrer Karriere auch in unterklassigen Ligen gepfiffen. Haben Sie ähnliche Erfahrungen machen müssen?


Felix Zwayer: Glücklicherweise nicht. Mein Schiedsrichter-Kollege Gerald Bothe, mit dem ich in einer Lehrgemeinschaft war, ist Mitte September in Berlin von einem Spieler mit einem Faustschlag ins Gesicht niedergeschlagen worden. Das ist unfassbar und traurig.

Was raten Sie als etablierter Schiedsrichter Ihren Kreisliga-Kollegen für den Umgang mit kritischen Situationen?

Felix Zwayer: Man muss mit allem rechnen, darf aber nicht vom Schlimmsten ausgehen. Bei einem Spiel kann alles passieren, aber man darf sich durch Angst nicht hemmen lassen. Die Freude sollte im Vordergrund stehen, das Auftreten und der Umgang sollten immer respektvoll sein. Nur: Nicht allein die Schiedsrichter sind hier in der Verantwortung, denn das sind größtenteils Leute, für die das Pfeifen noch Hobby ist. Vielmehr liegt es auch in der Verantwortung der Mannschaften, Trainer und Kapitäne, auf Spieler einzuwirken, sie zu beruhigen, Fehlverhalten zu erkennen und entgegenzuwirken.  

Kann es sein, dass durch die Vorfälle rund um das Schiedsrichterwesen der Respekt gegenüber den Spielleitern abgenommen hat? Es gab den Skandal um Hoyzer, die Meldungen um Kempter und Amerell und nun den Vorwurf der Steuerhinterziehung.


Felix Zwayer: Ursache für zunehmende Gewalt auf den Fußballplätzen sind nicht die Schiedsrichter! Wohl aber mangelnder Respekt gegenüber der Funktion und den ausübenden Menschen. An den Schiedsrichtern wird Frust abgeladen, sie stehen relativ alleine da, ohne Mitspieler, oft ohne Schutz. Insgesamt ist das eher ein gesellschaftliches Problem: Nicht nur der Respekt gegenüber den Schiedsrichtern, sondern allgemein gegenüber den Mitmenschen hat abgenommen.  

Wie groß ist der mentale Druck für die Schiedsrichter? Können Sie nach einem Spiel ruhig schlafen?


Felix Zwayer: Ich habe einen ruhigen und festen Schlaf. (lacht) Wir haben natürlich die Aufgabe, Spiele nachzubereiten und zu analysieren, aber ich erledige das lieber, wenn ich wach und aufmerksam bin. Ich schaue mir nach einer Partie nicht alle Fernsehmagazine und Zeitungen an, sondern arbeite die Szenen sachlich und professionell auf, wir werden mit genügend Videomaterial versorgt. Wenn Fehler passiert sind, dann muss man dazu stehen, man ärgert sich, zieht seine Lehren und tut alles dafür, dass sie sich nicht wiederholen.  

Sie arbeiten als Immobilienkaufmann. Kommen da nicht auch Kunden und sprechen Sie auf Ihre Entscheidungen an?


Felix Zwayer: Ja, das kommt vor. Je nachdem, aus welchen Regionen die Kunden kommen, beurteilen sie die Situationen dann auch sehr unterschiedlich. 

Wissen Sie schon, wann Sie das nächste Spiel pfeifen?

Felix Zwayer: Nein, bis jetzt noch nicht. Die Ansetzungen werden immer erst kurz vorher bekannt gegeben.  

Das heißt, bei Einladungen für Geburtstagsfeiern müssen Sie immer erst die Spielansetzungen abwarten.


Felix Zwayer: Ja, der Wochenplan richtet sich danach. Aber das haben wir Schiedsrichter uns ja ausgesucht. Und wir machen den Job schließlich gern.

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