Schalkes Willi Koslowski blickt zurück

»Wir waren unaufhaltsam«

Für Willi Koslowski war die Saison 1957/58 nicht nur wegen der Meisterschaft eine unvergessliche. Das Eigengewächs schaffte damals den Durchbruch auf Schalke. Hier erinnert er sich an die Zeit, als die Bundesliga noch in ihren Kinderschuhen steckte. Schalkes Willi Koslowski blickt zurück

»Wenn man schnell war, stand man vor dem Tor!“ Willi Koslowski erzielte Willi Koslowski, warum war Schalkes Mannschaft am 13. April 1958 im letzten Ligaspiel beim SV Sodingen so nervös? Die Teilnahme an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft war doch bereits gesichert.

Die Meisterschaft in der Oberliga brachte aber einen Vorteil mit: Man war automatisch für die Gruppenspiele qualifiziert, während bei Platz zwei ein weiteres Qualifikationsspiel drohte. Das wollten wir vermeiden. Und in Sodingen war es nie einfach zu gewinnen.

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Haben Sie denn vor der Saison damit gerechnet, ganz oben mitzuspielen?

In den Jahren unter Edi Frühwirth war Schalke 04 immer oben dabei. Er war ein ganz moderner Trainer, in jeder Hinsicht. Das begann beim Training und setzte sich bei der Spielauffassung fort. Frühwirth hat die Manndeckung abgeschafft und uns mehr Freiheiten gegeben. Während meine Gegenspieler mich als Angreifer bis in die eigene Hälfte verfolgt haben, konnte sich bei uns auch jemand nach vorn einschalten, wenn sich ein Kollege zurückfallen lassen hat. Das war damals noch ungewöhnlich.

Für Sie selbst war das Spieljahr ein ganz besonderes.

Ja, ich habe den Durchbruch zum Stammspieler geschafft. Mit 21 Jahren war ich der jüngste Spieler der Meistermannschaft. Ich habe sehr von Trainer Frühwirth profitiert, der mich wie alle jungen sehr behutsam aufgebaut hat.

Wer waren die größten Konkurrenten?

Der 1. FC Köln, Alemannia Aachen und natürlich Borussia Dortmund als Deutscher Meister.

Zurück zum Spiel in Sodingen: Das Siegtor schoss Willi Soya.
Wie würden Sie ihn charakterisieren?


Ein sehr guter Spieler, stark im Abschluss. Er war einer der Pechvögel, denn im ersten Endrundenspiel gegen Eintracht Braunschweig verletzte er sich und musste im Finale gegen den Hamburger SV zuschauen. Aber trotzdem waren wir als Mannschaft nicht mehr zu stoppen. Wir lagen gegen Braunschweig früh zurück, aber dann haben wir kein Gegentor mehr zugelassen und - das Endspiel einbegriffen - 19 Treffer geschossen. Wir waren nicht mehr aufzuhalten, weil wir damals den modernsten Fußball spielten.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem ersten Schalker Bundesligaspiel am 24. August 1963?

Damals spielte der VfB Stuttgart bei uns in der Glückaufkampfbahn. Die fasste normal nur 30.000 Zuschauer, aber war immer voller. Die Leute haben am Spielfeldrand gesessen und waren gespannt. Das war für uns ja Neuland. Aus der Oberliga kannten wir nur die West-Vereine. Von den meisten Gegnern wussten wir nicht viel. Ich kannte immerhin noch einige VfB-Spieler von der Weltmeisterschaft in Chile. Etwa Helmut Sawatzki, der in dem Spiel bei Stuttgart im Tor stand.

Gegen den Nationaltorhüter gelang Ihnen vor der Halbzeit das erste Bundesligator für Schalke. Schildern Sie uns doch mal dieses historische Tor.

Da kann ich mich noch gut dran erinnern. Der Treffer fiel auf das Tor in Richtung zum Emscher-Schnellweg, den es damals noch gar nicht gab. Das war im Grunde genommen die Nordkurve. Ich bekam nach einem Schuss von Hermann die Gelegenheit zum Nachsetzen und habe den Ball mittels Unterkante der Latte verwandelt. In der 37. Minute war das.

Wie hat sich die Mannschaft damals auf das Spiel vorbereitet?

So eine gewisse Vorbereitung haben wir schon gemacht, aber das war nicht viel. Wir waren ja alle voll berufstätig und haben nach Feierabend trainiert. Wir waren vor dem Spiel auch nicht im Trainingslager oder so etwas. Da war ja gar keine Zeit für.

Was hat sich neben den neuen sportlichen Bedingungen mit der Einführung der Bundesliga für Sie verändert?


Man konnte in der Bundesliga mehr verdienen. Vor allem die Nationalspieler – und das war ich ja – haben mehr bekommen. Dazu gab es immer Prämien. Bis 1963 hießen wir Vertragsfußballer und haben maximal 400 Mark verdient. Die Jungspieler haben am wenigsten bekommen und das wurde dann mit dem Alter immer mehr. Ich selber war nie Profifußballer. Der Profifußball wurde damals noch nicht eingeführt. Ich habe immer voll gearbeitet. Mit den Jahren haben sich die Gehälter dann gesteigert bis zu den Summen von heute.

Sie haben selber in der Glückaufkampfbahn gespielt, aber auch das Parkstadion und heute die Arena AufSchalke miterlebt. Wie würden Sie die Unterschiede beschreiben?

In der Glückaufkampfbahn mit 40.000 war mehr Stimmung als mit 50.000 oder 60.000 heute. Früher haben die Leute fast bis zum Torpfosten gestanden. Wenn man eine Ecke schießen wollte, musste man die Leute erst beiseite schieben. Ich habe lange Zeit auch Rechtsaußen gespielt. Da ist mir einmal der Ball unter eine Bank auf der Vortribüne gerollt. Wir lagen zurück und ich musste mich beeilen, den Ball zu holen. Als ich den wieder hatte und gerade einwerfen wollte, saß da ein Opa an der Linie, der mich mit seinem Krückstock am Fuß festhielt. Der war wohl für den Gegner. So etwas ist ja heute undenkbar. Es gibt ja immer höhere Sicherheitsbestimmungen.

Haben Sie in der heutigen Mannschaft einen Lieblingsspieler?

Nicht direkt. Ich selber habe Stürmer gespielt und bin begeistert von Leuten die vorne spielen und es am schwersten haben. Man muss sich körperlich richtig einsetzen und wird hautnah gedeckt – und dann noch das Tor machen, das ist schon schwer heute. Es wird einfach mehr Wert auf Abwehr gelegt. Da ist ja immer noch einer der versucht, die Situation zu bereinigen. Das war für uns damals leichter. Wir haben nach dem WM-Prinzip gespielt, also Mann gegen Mann. Und wenn man dann schnell war, stand man eben vor dem Tor.

Was machen Sie heute?

Ich bin hier auf Schalke das Mädchen für alles. Schalke ist ein Großverein, und der Posteingang und Ausgang hat sich enorm gesteigert. Alleine durch die Anzahl der Tageskarten und Dauerkartenversendungen. Dafür bin ich zuständig.

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