Schalkes Trompeter im Interview

»Wie eine Beerdigung«

Seit vielen Jahren bläst Wilhelm Plenkers in Schalkes Nordkurve zur »Attacke«. Im Interview spricht »Trompeten-Willy« über seinen Brief an Felix Magath, Christoph Metzelder und darüber, wie er Bruce Willis beerben will. Schalkes Trompeter im InterviewImago

Hallo Willy, wir würden gerne mit dir über die Hinrunde des S04 sprechen.

Trompeten-Willy: Ist grade ganz schlecht. Hier ist momentan ein Team von RTL in der Bude. Am besten wäre morgen Abend noch mal.

(einen Tag später)

Hallo, geht es jetzt besser?

Trompeten-Willy: Ja. Seit geraumer Zeit habe ich die Hütte immer voll mit dem Fernsehen. Die meisten wollen unsere Schalke-verrückte Familie vorstellen. Das ist harte Arbeit. Für einen Spot von einem Sportsender vor der Saison wurde fünf Stunden gedreht. Dann war ich letztendlich aber nur zehn Sekunden zu sehen.  

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Auch in dem Dossier der »Zeit« über Felix Magath war von dir die Rede. Es war zu lesen, dass du Felix Magath in einem Brief deine Hilfe angeboten hättest.

Trompeten-Willy: Das stimmt auch vollkommen. Ich will mich nicht aufspielen oder dergleichen. Es ist nur so, dass seit dem Tod von Charly Neumann eine echte Kluft zwischen Verein und Fans herrscht. Viele sagen, dass das alles nicht mehr das »Schalke von früher« ist. Man kommt nicht mehr an die Spieler heran. Früher hat man dem Charly gesagt, dass es Fans im tiefsten Bayern gibt, die gerne eine Unterschrift von einem Spieler hätten. Eine Woche später hatte Charly alles organisiert.  

Hat Magath mittlerweile auf den Brief geantwortet?

Trompeten-Willy: Nein, und ich glaube auch nicht an den Weihnachtsmann. Klar mag es für Außenstehende komisch klingen, dass ein Fan so etwas macht. Nur: Schalke ist kein gewöhnlicher Verein. Der Club braucht die Bindung zu seinen Anhängern. Mich kennt man auf Schalke in der Fanszene seit zig Jahren und ich kenne viele aus dem Club. Ich könnte mir vorstellen, ein Bindeglied zu sein. Natürlich nie so wie es Charly war. Charly kann man nicht ersetzen, er war einmalig.  

Wie stellst du dir das konkret vor?

Trompeten-Willy: Gerade heute habe ich wieder Post bekommen von Schalke-Fans aus Luxemburg und Belgien. Leute, die zu jedem Spiel von Schalke fahren. Ich bin mir nicht sicher, ob so mancher Spieler weiß, wie „bekloppt“ die Leute für diesen Club sind. Da sind Ehen wegen Schalke die Emscher runter gegangen. Ich könnte mal den Verantwortlichen und Spielern vortragen, was den Fans auf der Seele brennt.  

War die Niederlage im Derby der Tiefpunkt dieser Vorrunde?

Trompeten-Willy: Das kann man wohl sagen. So etwas tut am meisten weh. Normalerweise feiern wir immer – egal ob Sieg oder Niederlage. Doch dieses Spiel war eine Beerdigung par excellence. Da habe ich auf meiner Trompete auch nur noch »Il Silenzio« gespielt.  

Was war positiv in dieser Hinrunde?

Trompeten-Willy: Die Spiele in der Champions League. Und Manu natürlich. Bei den meisten Spielen war es eine geschlossene Mannschaftsleistung – von Manuel Neuer. Bei Bayern kriegt er sechs Mille, bei Schalke zwei. Doch selbst von zwei kannst du 50 Jahre allein von den Zinsen leben. Das Geld kann man doch eh nicht mehr ausgeben. Dafür hat er hier seine Heimat.

Wie siehst du Felix Magath?

Trompeten-Willy: Mittlerweile sieht man in dieser Saison eine Handschrift. Aber diese Aussetzer wie in Kaiserslautern kriege ich nicht in den Kopf. Felix hat gesagt: »Mich muss keiner knuddeln.« Das will hier auch keiner, aber es fehlt ihm manchmal ein bisschen an Fingerspitzengefühl. Im Umgang mit den Spielern wie auch mit den Fans. Ein Beispiel: Letztes Jahr wurde eine große Saisonabschlussfeier mit den Fans angekündigt, die dann abgesagt wurde. Für manche war das ein Schlag ins Gesicht.


Zu Assauer hattest du ein anderes Verhältnis.

Trompeten-Willy: Assauer hat mich eines Tages angerufen und gesagt: »Willy, komm mal bitte vorbei. Ich will dir einen neuen Spieler vorstellen.« Ich kam im Büro an und da saß Andreas Möller, das Feindbild Nr. 1 aller Schalker. Möller sagte: »Ich bin jetzt Schalker.« Da meinte ich nur: »Das musst du erst noch beweisen.« Trotzdem habe ich mich bereit schlagen lassen und bin im Schalke-Trikot mit »Möller« hinten drauf mit der Bahn zurück gefahren. Ich sollte den Fans den Wechsel näher bringen. Ein Wunder, dass ich das überlebt habe. Wie auch immer: Aus »Heulsuse« wurde »Kampfsuse«.

Vor dieser Saison wurde mit Christoph Metzelder ebenso ein Ex-Borusse verpflichtet. Wie siehst du das?

Trompeten-Willy: Er spielt besser als zu Beginn der Saison. Aber es wird immer Leute geben, die ihn auf Schalke nicht sehen wollen – aufgrund seiner Vergangenheit. Doch hier ist alles immer zwischen Himmel hoch jauchzend und zu Tode betrübt. Wenn Metzelder im nächsten Derby das Siegtor schießt, ist er plötzlich angekommen. So ist das nun mal.  

Wenn nicht, musst du mit Assauer noch mal etwas aushecken.

Trompeten-Willy: Ich habe Rudi kürzlich in Essen getroffen. Da hat er gerufen: »Ey du Arsch, wie läuft es?« Und ich: »Ganz gut, du Penner.« Da meinte eine Passantin: »So können Sie doch nicht mit Herrn Assauer reden.« Doch wir reden immer so. Das ist nicht böse gemeint, sondern spricht nur dafür, dass man sich schon so lange kennt. In der Bier-Werbung klaut ihm Bruce Willis das Pils. Ich glaube, ich übernehme das besser beim nächsten Mal. Ist glaubwürdiger.  


Ein ausführliches Porträt über »Trompeten-Willy« gibt es bei unseren Freunden von »Schalke Unser«!

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