25.03.2014

Schalkes Fan- und Sicherheitschef vor dem Revierderby

»Wenn Mist gebaut wird, ergreifen wir Maßnahmen«

Volker Fürderer ist der mächtigste Mann, wenn es bei Schalke 04 um die Themen Fans und Sicherheit geht. Vor dem Derby gegen Borussia Dortmund sprachen wir mit ihm.

Interview: Alex Raack Bild: Markus Burke


Welche Lehre haben Sie persönlich aus dem Spiel gezogen?
Dass die Abstimmung mit der Polizei und den Fans am Spieltag noch wesentlich klarer sein muss. Wir als Verantwortliche müssen genau wissen, wer wann wie handelt.

Das dürfte gerade bei einem Fußballspiel sehr schwer sein.
Allerdings. Es geht schon damit los, dass die Zuschauer begründeten Anweisungen des Ordnungsdienstes unbedingt Folge zu leisten haben.

Das ist utopisch.
Das haben Sie jetzt gesagt. Wir haben im Nachgang zum Saloniki-Spiel sehr vernünftige Gespräche mit den Fans zu diesem Thema geführt.

Sie waren als Sicherheitsbeauftragter für die Vorfälle bei den Spielen gegen Saloniki und Basel mitverantwortlich. Wie sieht Ihre Charmeoffensive aus, um sich wieder mit dem Schalker Anhang zu versöhnen?
Eine Charmeoffensive benötige ich nicht. Aber selbstverständlich werde ich mich in den kommenden Wochen mit so vielen Fans und Fanvertretern wie möglich treffen, um Gespräche zu führen.

Wie muss man sich das vorstellen? Tingeln Sie dann von Fanklub-Stammtisch zu Fanklub-Stammtisch?
Unter anderem. Aber auch in meinem Büro oder in der Arena kann man sich ganz wunderbar unterhalten.

Anfang Januar sorgten diverse Informationen für Unruhe, wonach zunächst ernsthaft überlegt wurde, das nächste Revierderby gegen Borussia Dortmund ohne den Gästeanhang auszutragen. Also ohne Fans vom FC Schalke. Auslöser waren die Vorfälle beim vergangenen Derby…
…darf ich die Chance nutzen, um diesbezüglich einmal Licht ins Dunkle zu bringen?

Gerne.
Das Spiel gegen Dortmund war im Oktober 2013. Meiner Meinung nach erreichten die Krawalle vor, während und nach dem Spiel damals leider ein neues Level. Als wir uns darüber Gedanken machten, wie man so etwas künftig verhindern kann, war eine von vielen Überlegungen,  Derbys ohne Gästefans durchzuführen. Aber diese Idee wurde aus der ersten Emotion heraus formuliert. Nach vielen schlaflosen Nächten kamen wir zu der Erkenntnis, dass diese Maßnahme nicht angemessen wäre. Im November haben wir den Kollegen vom BVB bereits mitgeteilt, dass eine komplett gesperrte Gästekurve für uns keine Option sei. Anschließend verabredeten wir uns für Mitte Januar 2014 zu einem neuerlichen Gespräch, um dort eine abschließende Entscheidung zu fällen und zu besprechen, wie wir diese kommunizieren.

Kurz vor diesem Gespräch spekulierten allerdings verschiedene Medien über ein mögliches Auswärtsfansverbot.
 Das wurde nach den Ausschreitungen bei unserem Freundschaftsspiel in Köln lanciert. Von uns drang keine Information nach außen und ich bin mir sehr sicher, dass auch der BVB kein Interesse daran hatte.

Wie ging es danach weiter?
Sie können sich vorstellen, dass die Spekulationen in den Medien nicht gerade förderlich waren, um in Ruhe eine Entscheidung zu fällen. Wir saßen dann mit dem BVB zusammen. Dabei ging es schwerpunktmäßig um die An- und Abreise. Die Dortmunder haben uns mitgeteilt, dass sie bei der DFL eine Vorverlegung der Anstoßzeit von 20 auf 18 Uhr beantragen wollen. Der BVB hat als Veranstalter das Recht dazu. Gleichzeitig haben wir die Runde dazu genutzt, uns dafür auszusprechen, die Begegnung mit Gästefans auszutragen.

Was erhoffen sich die Vereine von der veränderten Anstoßzeit?
Das ermöglicht uns, die Anreise beider Fanlager besser begleiten zu können. An den Schwierigkeiten der Handhabung mit der Abreise wird das freilich nichts ändern.

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