22.02.2013

Schalke-Fans gegen »Viagogo«

»Das ist ein Pakt mit dem Teufel!«

Die Kampagne »viaNOgo!« richtet sich gegen die Kooperation von Schalke 04 und dem umstrittenen Ticket-Zweitverwerter »Viagogo«. Michael Eckl, einer der Organisatoren des Fan-Protestes, über undemokratische Vorstandsmitglieder, die »Legalisierung des Schwarzmarktes« und eine Extrawurst für Ticket-Verkäufer.

Interview: Gareth Joswig Bild: Imago

Michael Eckl, Sie sind Dauerkarteninhaber und Allesfahrer von Schalke 04. Was haben Sie bisher gemacht, wenn sie vor einem Heimspiel eine Karte übrig hatten?
Ich habe mich vor dem Spiel an die »1000-Freunde-Mauer« gestellt und die Karte an einen anderen Schalker zum regulären Tagespreis verkauft. Dauerkarteninhaber konnten außerdem ihr Ticket an der Schalker Kartenbörse hinterlegen, dort wurde es dann ohne Aufpreis an einen anderen Schalker weitergegeben.

Vor der Winterpause kündigte Schalke die »Partnerschaft« mit dem umstrittenen Ticketdienstleister »Viagogo« an. Wie wird es dann aussehen?
Dann kann jeder seine Karte doppelt so teuer verkaufen. Die Kartenbörse wird komplett in »Viagogo«  aufgehen. Das Portal kassiert horrende Gebühren, »Zweitmarktverwertung« nennt sich das – für mich jetzt schon das Unwort des Jahres. Ein Schlag ins Gesicht für alle Schalker. Ab Juli darf sich »Viagogo« »offizieller Tickethändler von Schalke 04« nennen. Das ist ein Pakt mit dem Teufel.

Wie haben Sie reagiert?
Zuerst sind wir direkt in Kontakt mit dem Verein getreten. Frank Zellin, Mitinitiator der Kampagne »viaNOgo«, und ich beschäftigen uns schon länger mit Kartenpreisen und den Konditionen von Dauerkarten. Wir sind beide Mitglieder des Kartenausschusses. Bei der letzten Sitzung Mitte Januar sprachen wir Peter Peters (Vorstandsmitglied von Schalke 04, d. Red.) auf das Thema »Viagogo« an. Als ich mich zu Wort meldete und meine Vorbehalte äußerte, hat Peters mich nicht ernst genommen. Im Laufe dieser Sitzung sagte er noch: »Gut, dass wir auf Schalke keine Demokratie sind.«

Klingt nicht sehr diplomatisch.
Die Schalke-Fans wollen »Viagogo« nicht. Gelsenkirchen ist eine strukturell sehr schwache Region. Die Leute haben kein Geld für die astronomischen Preise bei einem Internetportal. Peters nimmt die Fans nicht ernst. Das ist eines Vorstands nicht würdig.

Wie ging es weiter?
Wir sind auf die Barrikaden gegangen. Über Nacht haben wir unsere Aktion »viaNOgo!« ins Leben gerufen. In erster Linie wollen wir die Schalke-Fans darüber informieren, was »Viagogo« eigentlich ist. Darüber hinaus sammeln wir Unterschriften, um eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu forcieren. Dort wollen wir die zukünftige Partnerschaft kippen.

Der Vorstand argumentiert, man bekomme den Schwarzmarkt nicht in den Griff und kooperiere mit dem Ticketportal, um illegale Ticketverkäufe zu kanalisieren.
Im Grunde ist das einfach die Legalisierung des Schwarzmarktes. Inhaber von Karten können ihre Tickets schon jetzt bei »Viagogo« teuer verkaufen. Ich hab mir stundenlang die AGBs durchgelesen: Das Portal erhebt hohe Gebühren auf Kartenvermittlung. Schalke verdient an dem Deal pro Jahr 1,2 Millionen Euro. Der Deal soll über drei Jahre laufen.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden