Schalke 04 geht neue Wege

»Viele schwarze Schaafe«

Schalke 04 geht neue Wege

Christian Frank, Ihr ehemaliger Arbeitgeber Schalke 04 ist gerade eine Kooperation mit »Herbalife« eingegangen, einem Unternehmen, das Produkte zur Nahrungsergänzung vertreibt. Was ist von solchen Präparaten zu halten?

Grundsätzlich muss man immer genau prüfen, welche Präparate man nimmt. Erstaunlich finde ich im Zusammenhang mit Schalke 04, dass Felix Magath immer darauf hingewiesen hat, solche Produkte nicht einsetzen zu wollen. Schalke hat – zumindest zu Zeiten meiner Beschäftigung – keinen Wert darauf gelegt, dass Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden. Ich habe mit Anbietern zusammengearbeitet, die Naturprodukte auf Saftbasis herstellen, generell gibt es aber relativ viele schwarze Schafe in der Branche. Auf der anderen Seite werden aber auch sehr wirksame Präparate hergestellt.

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Eine leistungssteigernde Wirkung ist oftmals nicht wissenschaftlich belegt. Glauben Sie an einen positiven Effekt?

Man muss sich die einzelnen Studien genau ansehen! Es muss nach den richtigen Dingen gesucht werden, um auch Ergebnisse ermitteln zu können. Nahrungsergänzung ist in der Forschung ein kleines Stiefkind – da fließen wesentlich weniger Gelder rein, als in die Medizin, wo es um Leben und Tod geht. Oftmals hat man Sportlern einfach Nahrungsergänzungsmittel gegeben und geschaut, ob sich die Leistung verbessert oder verschlechtert hat. Die Wirkung hängt aber sehr stark vom individuellen Bedarf ab.

Der FC Barcelona kooperiert schon länger mit »Herbalife«, während sich die FIFA in ihrer Empfehlung für natürliche Lebensmittel ausspricht. Wie verbreitet ist die Nahrungsergänzung?

Mit Nahrungsergänzungsmitteln werden meines Wissens jährlich rund zwölf Milliarden Euro Umsatz gemacht. Es wird also deutlich mehr Geld für Nahrungsergänzung ausgegeben, als beispielsweise für Anwälte. Grundsätzlich muss man sagen, dass Nahrungsergänzungsmittel sehr verbreitet sind - insbesondere bei den Mikronährstoffen (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, d. Red.) gibt es aber sehr viele minderwertige Produkte.

Felix Magath hat sich zu Beginn seiner Amtszeit auf Schalke von mehren Mitarbeitern getrennt, unter anderem auch von Ihnen. Legt er keinen Wert auf Ernährung seiner Spieler?

Er hat ja sein eigenes System und seine eigene Strategie, er bringt halt dementsprechend auch seine Leute mit.

Nach Angaben des Vereins aber keinen Ernährungsberater.

Das nicht, aber soweit ich weiß hat Schalke einen Koch und mit Seppo Eichkorn einen Sportwissenschaftler, der Einfluss auf die Ernährung nehmen kann. Die Spieler wiegen sich deutlich häufiger als bei mir, aber dabei handelt es sich um eine reine Gewichtskontrolle. Bei mir war das eine Impedanzmessung, in der ich auch den Wasser-, Fett- und Muskelanteil bestimmt habe. Ich kenne aber das System von Seppo Eichkorn nicht, darüber kann ich nichts sagen.



Welches Potential steckt in einer guten Ernährung? Lässt sich das in Zahlen ausdrücken?

Eine prozentuale Angabe kann man nicht machen, aber die Ernährung hat einen deutlich größeren Anteil an der Leistungsfähigkeit, als man früher angenommen hat. In der Regel werden in den Untersuchungen jedoch viele Einflussfaktoren vernachlässigt. Auf Schalke haben wir regelmäßige Bluttests gemacht und konnten ganz gezielt auf einzelne Spieler eingehen, die zum Beispiel einen Kalium- oder Magnesiummangel hatten. Dadurch gab es weniger Krämpfe und Muskelschwächen, die zu Koordinationsproblemen und in der Folge zu Verletzungen führen können. Wir hatten über neun Jahren die geringste Verletzungsrate mit den schnellsten Heilungszeiten!

Gibt es noch immer Spieler die sagen: »Gemüse ist nicht mein Fall« oder können Sie ein gesteigertes Interesse an Ernährung feststellen?

Ja, auf jeden Fall. Am Anfang habe ich in der Einzelbetreuung drei bis fünf Spieler gehabt, zum Schluss waren es fast alle. Da waren dann höchstens fünf Spieler nicht mehr in der Einzelbetreuung – das Verhältnis hat sich komplett gedreht.

Die Spieler wollen nicht nur gesund essen, sondern tatsächlich mehr über Ernährung wissen?

Ja, das war bei uns aber auch recht einfach. Wenn man sich ständig über den Weg läuft, dann ist es sehr einfach, kurz nachzufragen. Und: ich konnte den Jungs viele Dinge direkt hinstellen. Das ist sehr viel unkomplizierter, als wenn sich die Spieler Nahrungsmittel oder Produkte selber kaufen müssen.

Gab es bei Schalke in punkto Ernährung einen Musterprofi?

Viele sogar! Das waren immer fünf, sechs Profis, die meine Vorgaben eins zu eins umgesetzt haben. Natürlich haben die auch mal über die Stränge geschlagen, wenn es um eine Feier ging, aber das war dann wirklich die Ausnahme.             

Die Kader in der Bundesliga sind mittlerweile sehr bunt. Haben sie die Essgewohnheiten der »Exoten« besonders berücksichtigt?

Das war eigentlich nie ein Problem, wir hatten Standard-Buffets mit sehr vielen Variationen. Die Spieler konnten immer wählen: Fleisch, Fisch, Gemüse und Salat, Suppe, Brot und Nachspeisen - da kann man entsprechend der Vorlieben immer abwechslungsreich gestalten. Einen Afrikaner oder Brasilianer musste ich jetzt nicht explizit anders ernähren, als einen Europäer. Da ist auch so jeder glücklich geworden.

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