22.02.2009

Sascha Dum im Interview

»Auch mal genießen«

In der Hinrunde überraschte Sascha Dum das Leverkusener Publikum als Offensiv-Joker. Doch sein Rückrundenstart verlief schleppend. Ein Gespräch über Last-Minute-Einsätze, raunende Fans und David Odonkor.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Sascha Dum, Sie kommen gerade vom Training. Konnten Sie sich für einen Einsatz gegen den HSV aufdrängen?

Das Training war gut, aber ob ich gegen den HSV spielen werde, hängt vom Spielverlauf ab. Die Chancen sind für mich größer, wenn wir in Rückstand geraten und noch etwas passieren muss. Wenn ich reinkomme und wir gewinnen, freue ich mich natürlich. Wenn ich reinkomme und wir verlieren, tue ich das nicht.



In der Hinrunde wurden Sie meist in der Schlussphase des Spiels eingewechselt. Wie stellen Sie sich auf solche Kurzeinsätze ein?

Das ist wie Lotto spielen. Wenn man in der Schlussphase reinkommt, hat man ein oder zwei Aktionen, die müssen funktionieren. Gelingen sie nicht, sagt jeder: »Der ist doch frisch, da müsste doch viel mehr kommen.« Und wenn sie gelingen, heißt es schnell: »Der wäre doch was für die erste Elf.« Das ist eine Gratwanderung, auf die man sich kaum einstellen kann.

Versuchen Sie gezielt den »Der wäre doch was für die erste Elf«-Effekt zu provozieren oder probieren Sie es auch mal mit einer Fehler-vermeiden-Taktik?


Fehler vermeiden ist gar nicht mein Spiel. Durch meine Läufe und Dribblings sieht mein Spiel sehr spektakulär aus. Das kann natürlich auch schief gehen. Aber wenn ich versuchen würde, »ordentlich« zu spielen, Fehler zu vermeiden und möglichst wenige Fehlpässe zu produzieren, wäre das keine Hilfe für meine Mannschaft.

Das heißt, Sie kalkulieren negative Reaktionen von den Rängen mit ein. Inwiefern beschäftigt Sie so etwas?


Wenn man flankt und der Ball geht hinters Tor, ist es natürlich kein schönes Gefühl, wenn man das Raunen der Zuschauer hört. Aber eigentlich beschäftige ich mich erst nach dem Spiel damit. Dann kann es durchaus vorkommen, dass ich mir denke: »Was war das für ein Rotz, den du dir da zusammengespielt hast.« Aber während des Spiels passiert das eher selten. Dann muss schon ziemlich viel daneben gehen.

Und wenn mal ziemlich viel daneben geht...

Dann geht es nicht ganz spurlos an einem vorbei. Ich brauch dann immer meine Momente für mich, in denen ich darüber nachdenke, um das zu verdauen. Am übernächsten Tag ist das aber meist vergessen. Dazu muss ich sagen: Ich bin erst 22 Jahre alt. Mit 30 steht man da sicherlich eher drüber. 

Sie haben einmal gesagt: »Vor einem Spiel bis in die Puppen fernzusehen geht einfach nicht mehr.« Wie steht es mit Pizzerien zerlegen oder Minibars leerräumen? Keinerlei Bedürfnis nach Chaos, Rock´n Roll, Paul Gascoigne?

Höchstens zu Hause (lacht). Nein, es gibt definitiv bessere Beschäftigungen.

Welche sind das?


Ich habe zwei Pferde und einen Hund. Alleine dadurch bin ich schon ausgelastet.

Gehören Sie zu der Generation Hitzlsperger, die ihren Körper als Kapital sieht und alles tut, um möglichst viel aus ihm herauszuholen?

Was wäre denn die andere Generation?

Zum Beispiel die Instinktfußballer, die mehr auf ihr Talent gesetzt und sich auch mal gehen lassen haben.

Bei mir ist es eine gesunde Mischung. Ich bin schon ein Typ, der sagt, es ist wichtig, ab und an zu genießen. Aber trotzdem darf man nicht vergessen, dass Fußball ein sehr kurzlebiges Geschäft ist, und da ist es nun mal wichtig, dass der Körper funktioniert, weil er wichtigster Bestandteil des Fußballspiels ist.

Wie sieht es denn aus, wenn Sie genießen?

Das mache ich mit einem Glas Cola und einer Currywurst mit Pommes – natürlich nur in der wettkampffreien Zeit.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden