24.05.2010

Sami Khedira über seine neue Rolle

»Ich habe mein eigenes Spiel«

Nach der Verletzung von Michael Ballack deutet in der Nationalelf alles auf ein neues Duo mit Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira hin. Wir sprachen mit dem Stuttgarter über Vorbilder, seine neue Rolle und die WM.

Interview: Michael Rosentritt Bild: Imago
Herr Khedira, was hat denn die Nachricht vom WM-Aus Michael Ballacks bei Ihnen ausgelöst?

Das Gleiche wie bei jedem anderen, den es so übel erwischt: Ich war schockiert, dass es wirklich so schlimm ist. Ich lag gerade auf der Massagebank bei Klaus Eder, als mich die Nachricht erreichte. So etwas ist immer bitter, noch dazu bei so einem wichtigen Spieler wie dem Kapitän. Die Stimmung war schon gedrückt, als ich mir Gedanken gemacht habe, wie es jetzt weiter geht. 



Wie geht es jetzt weiter? 


Wir haben diese Nachricht zu verarbeiten. Bei der WM werden wir dann 23 Spieler sein, die den Ausfall kompensieren müssen. Ich denke, das werden wir dann auch schaffen. 

Hat Joachim Löw Ihnen schon mitgeteilt, dass Sie an der Seite von Bastian Schweinsteiger Ballacks Rolle übernehmen? 

Nein, hat er nicht. 

Wie sehr würde es Sie überraschen, wenn die Wahl des Bundestrainers auf Sie hinausliefe? 

Was heißt Überraschung? Ich habe immer wieder betont, dass ich bei diesem Turnier nicht nur den Gute-Laune-Peter spielen, sondern meine Leistung auf dem Platz bringen möchte. Und das ist jetzt eventuell der Fall. Wir haben jetzt noch zwei Testspiele und genügend Trainingseinheiten, in denen ich versuche, mich anzubieten und dadurch eine noch wichtigere Rolle einzunehmen. Ich will dem Bundestrainer zeigen, dass ich bereit bin, die Position zu spielen. 

Dann hat sich Ihre Position schon verändert? 


Der Ausfall von Michael Ballack stellt erst einmal eine Schwächung für das Team dar. Aber natürlich haben wir ganz gute Alternativen für jede Position. Ich versuche im Training meine Arbeit abzuliefern, mich aufzudrängen. Und wenn ich die Chance erhalten sollte, dort zu spielen, dann möchte ich das Vertrauen des Trainers rechtfertigen. Das ist doch klar. 

Vor einem Jahr haben Sie schon gesagt, es sei Ihr Ziel, nicht nur einfach dabei zu sein bei der WM, sondern auch zu spielen. Inwiefern sind Sie Ihrem Ziel näher gekommen? 

Das weiß ich nicht. Die Sache ist für Michael und für das Team bitter, ich möchte nicht dastehen als der, der davon profitiert hat. Klar ist es mein Ziel, bei der WM auf dieser Position zu spielen. 

Bis vor kurzem waren Sie noch Ergänzungsspieler, plötzlich stehen Sie im Brennpunkt. Wie gehen Sie damit um? 


Mir war immer bewusst, dass Michael Ballack und Bastian Schweinsteiger gesetzt sein werden, weil sie auch wirklich gut sind. Aber ich habe mich nie verrückt machen lassen. Ich werde mir auch jetzt nicht den Kopf zerbrechen, ob ich spiele und welche Aufgabe auf mich zukommt. Ich bleibe konzentriert. Ich will den Beweis antreten, dass ich da bin, wenn ich gebraucht werde. Momentan spüre ich eine gewisse Vorfreude, aber keine große Nervosität. Denn das, was eintreten könnte, wollte ich doch immer. Darauf habe ich zwei Jahre hingearbeitet. 

Wer ist schwerer zu ersetzen: der Fußballer Ballack oder die Führungsperson samt der Erfahrung aus fast 100 Länderspielen?

Beides ist schwierig, darin besteht ja die riesige Herausforderung. Es gab keinen Spieler, der die Mannschaft in den vergangenen Jahren so geprägt hat. Gerade bei den Turnieren zählte Michael Ballack zu den entscheidenden Figuren. Das hängt mit seiner Persönlichkeit und seiner Erfahrung zusammen. Das alles wird uns sehr fehlen. 

Beim VfB Stuttgart spielen Sie bereits die dominante Rolle im zentralen Mittelfeld. Lässt sich das nicht einfach auf das Nationalteam übertragen? 


Wenn man auf dem Platz geht, versucht jeder, seine bestmögliche Leistung zu bringen. Egal wo. Aber natürlich ist die Qualität in der Nationalmannschaft noch einmal höher als die im Verein. Der Bundestrainer und sein Team geben hier jede Hilfestellung, sodass die Umgewöhnung schneller vonstatten läuft. Ich glaube, dass es mir bislang ganz gut gelingt.

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