01.01.2012

Sänger Thees Uhlmann über den FC St. Pauli

»Dieser Verein funktioniert wie die Grünen«

Derzeit wühlt sich der FC St. Pauli mal wieder durch die 2. Bundesliga. Thees Uhlmann findet das gar nicht so schlimm. Im Gespräch mit Moritz Herrmann erklärt der Sänger, warum der Kiezklub wie die Grünen funktioniert – und was Fußball eigentlich bedeutet.

Interview: Moritz Herrmann Bild: Ingo Pertramer

Thees Uhlmann, am 16. Juli war in Ihrem Blog zu lesen: »Und Fußball läuft jetzt auch wieder.« Haben Sie dem Saisonstart entgegengefiebert?

Thees Uhlmann: Es ist so, dass der Fußball den Leuten eine Struktur der Woche gibt. Das Gehirn weiß, dass es sich ab Freitagabend endlich wieder mit Sachen beschäftigen kann, die Spaß bringen. Ergo habe ich mich schon sehr gefreut auf den Saisonstart. Wobei, das erste Spiel war nervlich dann schon wieder so anstrengend, da denkt man sich: Oh Gott, neulich noch frei und jetzt das hier!



Sie sind bekannt dafür, zum FC St. Pauli zu halten. Der Kiezclub, die erste Jugendliebe. Dabei stammen Sie aus Hemmoor, einer kleinen Stadt im Landkreis Cuxhaven, Niedersachsen.

Thees Uhlmann: Eigentlich ist es ja dann so, dass man Fan wird vom Lokalverein. Da, wo man herkommt. Bei mir war das nicht so, weil ich in Hemmoor aufwuchs und sich meine Eltern null für Fußball interessiert haben. Ein legendärer Satz meines Vaters lautete: »Mein Lieblingsergebnis ist 1:1, da braucht sich keiner zu ärgern.« Das ist mein familiärer Background. Deshalb habe ich mir meinen Verein nicht aus geographischen Stücken gesucht, sondern mit kulturellem Antrieb.

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Der FC St. Pauli als kulturelles Faszinosum mit politischer Botschaft?

Thees Uhlmann: Genau. Weil es, auch wenn das vielleicht heute lächerlich klingt, ein riesiges Vakuum gab damals, und der FC St. Pauli und seine Fanszene haben dieses Vakuum gefüllt. Ich fand es ganz instinktiv sehr faszinierend, dass so eine kleine Sache so eine große Strahlkraft haben kann. Man braucht ja nicht mehr darüber diskutieren, dass der FC St. Pauli einiges im deutschen Fußball bewegt hat.

Wie haben die fußballfremden Eltern die plötzliche Sympathie für einen Fußballklub, noch dazu den FC St. Pauli, begleitet?

Thees Uhlmann: Die fanden das einfach okay, vielleicht ein bisschen skurril. Als mein Bruder sein Abitur geschafft hatte, sind wir sehr schick im Restaurant der Astra-Brauerei essen gegangen. Ich wollte am nächsten Tag ans Millerntor zum Spiel. Also hat meine Mutter den Ober gefragt: »Mein Sohn möchte morgen zum Fußball. Ist es da denn gefährlich?« Und der Ober dann: »Nee, das geht schon in Ordnung. Da passen die Leute aufeinander auf.«

Von Ihnen stammt der Satz: »Nur Musik und St. Pauli sind die einzigen Konstanten, die einen begleitet haben und begleiten.« Erinnern Sie sich an den frustrierendsten Moment in Begleitung des FC St. Pauli?

Thees Uhlmann: Der frustrierendste Moment, hmm ... (überlegt).

Es gab wahrscheinlich nicht eben wenige.

Thees Uhlmann: Das ist richtig (lacht). Die Zeit in der dritten Liga war wahnsinnig frustrierend. Das war Rumpelfußball, da hat das ganze Stadion kollektiv gestöhnt. Aber das ist natürlich egal, sowas gehört dazu. Genau wie es keine Rolle spielen sollte, ob die Person, die man liebt, hübsch oder hässlich ist, sollte man seinem Verein auch in diesen Zeiten die Treue halten. Deshalb habe ich meinen Song für den FC St. Pauli ja auch zu Drittligazeiten geschrieben.

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