Saarbrückens Sportdirektor Dieter Ferner im Interview

»Eine Sänfte für die Sponsoren«

Eigentlich war der 1. FC Saarbrücken schon so gut wie tot. Nach dem Abstieg 2006 in die Oberliga war der ehemalige Bundesligist am Boden. Inzwischen hat sich der Verein in der Dritten Bundesliga etabliert. Wir sprachen mit Sportdirektor Dieter Ferner. Saarbrückens Sportdirektor Dieter Ferner im Interview

Vor drei Jahren war der 1. FC Saarbrücken weg vom Fenster. Der Abstieg in die Oberliga bedeutete für den Club nicht nur den Absturz in die Bedeutungslosigkeit, sondern auch das Erwachen aus selbstgebastelten Träumen, die sich nie erfüllt hatten. Seither ist es um den FCS ruhig geworden. Die Dorfsportplätze der fünften Liga haben den Verein zu sich selbst finden lassen. Mit dem Versuch, den schlafenden Riesen fortan durch leise Töne und ohne Negativschlagzeilen in Bewegung zu bringen, haben es die Verantwortlichen nun wieder bis in die Dritte Liga geschafft. Doch ein Problem gilt es noch zu beseitigen. Weil Profifußball ohne VIP-Logen und ein schmuckes Stadion nicht zu finanzieren ist, brauchen der FCS dringend eine neue Heimat. Während Sportdirektor Ferner den Grundregeln des Fußballs zeitlose Geltung einräumt, weiß er auch, dass die Nostalgie des alten Ludwigsparks keine Sponsorengelder bringt.

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Dieter Ferner, Glückwunsch zum sechsten Platz in der Dritten Bundesliga. Noch Anfang des Jahres haben Sie bei einem Fantreffen gesagt, dass im Falle des Abstiegs alle aktuellen Themen, wie etwa der Stadionneubau, ad acta gelegt werden könnten. Wären in Saarbrücken jetzt die Lichter aus, wenn Sie tatsächlich wieder in die Regionalliga abgestiegen wären?

Dieter Ferner: Es würde zwar weiterhin Fußball gespielt, aber nicht auf dem jetzigen Niveau und mit dieser finanziellen Ausstattung wie wir es ihm Moment genießen dürfen. Ein Abstieg in die Regionalliga wäre trotzdem absolut tödlich gewesen.

Das Saarland gehört, wirtschaftlich gesehen, nicht zu den stärksten Regionen. Trotzdem ist der 1. FC Saarbrücken wieder zurück im nach oben gekommen. Wie haben Sie das geschafft?

Dieter Ferner: Weil wir immer noch einen Hauptsponsor haben, der uns nicht hat fallen lassen, der mit immensen Mitteln erst ermöglicht hat, wo wir jetzt sind. Den größten Anteil am Aufstieg der letzten Jahre hatte weder ein Ferner oder ein Luginger (Jürgen Luginger, der aktuelle FCS-Trainer, d. Red.), noch ein Präsident, sondern der Hauptsponsor, ohne deren Unterstützung das nicht möglich gewesen wäre.

Sie haben mehrfach erklärt, wie sehr die Zukunft des Saar-Fußballs von einem neuen Stadion abhängt. Rennen Ihnen die Sponsoren dann die Türen ein?

Dieter Ferner: Nein, keiner kommt und bietet uns einfach 100.000 Euro an. Der Verein muss sich natürlich um potenzielle Sponsoren bemühen, daran führt kein Weg vorbei. Mit einem neuen Stadion kann man möglichen Geldgebern etwas anbieten. Bei unserem aktuellen Stadion (dem Ludwigsparkstadion, d. Red.) stellt sich die Frage, was man hier anbieten kann, und das ist eigentlich nicht viel. Wir könnten vielleicht ein Sänfte bauen, auf der ein Sponsor dann zur Toilette getragen wird, damit er trockenen Fußes dort ankommt. Tatsache ist, dass man einem Sponsoren hier keinen Gegenwert für das anbieten kann, was er an Geldern zur Verfügung stellt. Alle Sponsoren, die jetzt noch dabei sind, tun das größtenteils aus alter Verbundenheit und Liebe zum Verein.

Ohne VIP-Logen geht es also nicht mehr?

Dieter Ferner: Fußball ist heute Event. Manchmal habe ich den Eindruck, dass viele gar nicht wissen, wie das Spiel im Endeffekt ausgegangen ist, die Leute feiern sich selber. Aber auch bei den Hardcore-Fans steht das Zusammengehörigkeitsgefühl und der Event-Charakter im Vordergrund. Fußball ist heute ein Umfeld, wo man sich auch mit Geschäftspartnern trifft. Anders, als noch vor 30 Jahren, hat sich das Umfeld um den Fußball völlig gewandelt. Wenn du mit der Infrastruktur nicht mithalten kannst, wirst du immer weiter zurückfallen und den Abstand erst über ein bis zwei Generationen wieder aufholen können.

2009 stieg der 1.FCS erstmals in seiner Geschichte in die fünfte Liga ab.- Wenn Sie auf den Gang in die Oberliga zurückblicken: Welche Lehren hat der Club daraus gezogen?

Dieter Ferner: In der Vergangenheit sind häufig Ziele formuliert worden, die im Endeffekt nicht erreicht werden konnten. Dadurch entstand ein großer Bruch zwischen den Verantwortlichen und den Fans. Als wir dann in der Oberliga angetreten sind, habe ich erst gar nicht vom sicheren Aufstieg als Saisonziel gesprochen. Vom Kader her hatten wir in der Oberliga natürlich eine herausragende Mannschaft und sensationelle Trainingsbedingungen. Von daher war es eigentlich Pflicht aufzusteigen. Es wäre aber vermessen gewesen, uns schon im Vorfeld als sicheren Meister zu deklarieren.

Was machen Sie sonst noch anders als Ihre Vorgänger?

Dieter Ferner: Alles was wir tun, orientiert sich am sportlichen Erfolg. Der Trainer und ich sind im ständigen Austausch mit dem Präsidium, aber den sportlich Verantwortlichen wird nicht reingeredet. Als ich Trainer war, hat mich keiner gefragt, wer am Samstag spielt. Genauso ist es bei Jürgen Luginger. Wir tauschen uns aus, aber die Aufstellung erfahre ich oft erst, wenn ich den Spielbericht habe.

Nach sieben Spieltagen in der laufenden Saison ist der 1. FC Saarbrücken Dritter. Trotzdem betonen Sie, dass das Saisonziel weiterhin ein einstelliger Tabellenplatz sei. Sind Sie Realist oder Tiefstapler?

Dieter Ferner: Von den 20 Mannschaften wollen mit Sicherheit 18 oben mitspielen, wenn man die beiden zweiten Mannschaften ausschließt. Insgesamt ist die Liga in diesem Jahr noch ausgeglichener als es im letzten der Fall war. Aber um ein erstes Fazit zu ziehen, muss wir erst einmal zehn bis zwölf Spiele absolvieren. Erst dann weiß man, wie die Leistungsstärke der anderen Mannschaften in etwa einzuschätzen ist. Jetzt geht das noch nicht.

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Dieter Ferner
Geboren 1949 in Wuppertal. Als Spieler zunächst in Leverkusen, Oberhausen und Saarbrücken aktiv, zog es ihn Anfang der achtziger Jahre in die USA zu den Chicago Sting. Nach Duellen mit George Best und anderen Größen wurde er 1981 gegen Cosmos New York nordamerikanischer Meister: »Ich hatte dort eine ganz tolle Zeit.« Heute, nach zwei Aufstiegen als Trainer der Saarländer, sportlicher Leiter beim 1. FC Saarbrücken.

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