03.08.2013

Saarbrückens Jürgen Luginger über das Pokalspiel gegen Werder

»Meine Lehrjahre sind vorbei«

Der 1. FC Saarbrücken wird am Sonntag alles daran setzen, dem SV Werder in der ersten Runde des DFB-Pokals ein Bein zu stellen. Wir sprachen vorab mit Trainer Jürgen Luginger über die Bremer, das Los zahlreicher Traditionsvereine und seine Trainerkarriere.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago

Jürgen Luginger, Sie sind mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet, kommt das »Spiel des Jahres« gegen Werder Bremen zum falschen Zeitpunkt?
Nein. Es ist doch wunderbar, dass wir die Gelegenheit bekommen, uns in einem anderen Wettbewerb zu präsentieren. Jeder kennt Beispiele, die zeigen, wie sich Mannschaften im Pokal Selbstvertrauen geholt haben. Wir haben nichts zu verlieren, aber eine Menge zu gewinnen.

Haben Sie schon ein Rezept, wie Sie die Nervosität Ihrer Spieler in den Griff kriegen?
Ach, uns wurde bereits im letzten Jahr ein Bundesligist zugelost (0:5 gegen Schalke 04, d. Red.). Meine Spieler wissen, was auf sie zukommt. Sie wollen angreifen und einen guten Eindruck hinterlassen. Weshalb sollten sie nervös sein? Wir wollen mit Spaß an die Sache rangehen.

Wie kommentieren Sie das Spielsystem Ihres Kollegen Robin Dutt?
Er hat in Freiburg und Leverkusen gute Arbeit geleistet. Robin Dutt hat stets viel Wert auf die Offensive gelegt, häufige Positionswechsel sind ihm wichtig. Auch in Bremen hat er nun viele variable und mutige Spieler: Profis, die das Spiel breit machen. Es wird schwierig, sein System zu knacken.

Ihr Bremer Lieblingsspieler?
Ich kenne Clemens Fritz und schätze dessen Spielweise sehr. Mittlerweile genießt er in Bremen einen hohen Stellenwert, arbeitet mannschaftsdienlich und hochprofessionell. Er hat sich ausgezeichnet entwickelt.

Würden Sie sich freuen, wenn Arnautovic und Elia am Sonntag aufliefen?
(lacht) Das ist Robin Dutts Angelegenheit! Werder hat so viel Qualität im Kader, da wäre es müßig, sich irgendeine Aufstellung zu wünschen. Für uns sich dadurch nämlich wenig. Fest steht: Erwischen die benannten Spieler einen guten Tag, sind sie nur schwer in den Griff zu kriegen.

Glauben Sie, Marko Arnautovic könnte drei oder vier Saarbrückener aufzählen?
So schlecht sind meine Jungs auch wieder nicht! (lacht) Wir wollen uns nicht kleiner machen als wir sind. Robin Dutt wird aber sicherlich dafür sorgen, dass seine Spieler die nötigen Infos bekommen. Ich glaube auch nicht, dass die uns unterschätzen, schließlich ist es kein Freundschaftsspiel. Es geht um sehr, sehr viel. Auch für Bremen.

Ihr Klub hat für die Pokal-Partie erst etwas mehr als 10.000 Karten verkauft – eine Enttäuschung?
Das würde ich so nicht sagen. Sollten 15.000 Zuschauer kommen, wäre das okay. Ich weiß nicht, wer von deutlich mehr geträumt hat.

Woran liegt es, dass zu den Heimspielen in der Regel nicht viel mehr als 5000 Zuschauer kommen?
Der Ludwigspark hat schon so einige Jahre auf der Uhr, das merkt man an diversen Stellen. Ob Service, Komfort, Infrastruktur – das Stadion ist nicht zu vergleichen mit den modernen Arenen vieler Konkurrenten. Die Zuschauer erwarten heutzutage einen gewissen Standard, den wir zurzeit leider nicht bieten können. Dass darunter auch die Atmosphäre leidet, steht außer Frage; die ist in den reinen Fußballarenen deutlich besser. Es ist ein Unterschied, ob 5000 Fans im Stadion des FC Hansa Rostock singen oder ob 5000 Fans im Ludwigspark singen.

Ist das der einzige Grund für die geringen Zuschauerzahlen?
Natürlich nicht. Man darf nicht vergessen, dass der Klub vor einigen Jahren in die Oberliga durchgereicht wurde. Wir haben einiges nachzuholen. Zudem haben die Leute hier einen Verein vor der Tür, der relativ erfolgreich im Profifußball mitmischt.

Sie meinen den 1. FC Kaiserslautern?
Ja. Und nach Mainz ist es im Übrigen auch keine Weltreise. Mit anderen Worten: Wir haben starke Konkurrenz in der Umgebung. Es ist verständlich, dass die Leute sich gern Spitzenfußball anschauen wollen – und das soll eindeutig kein Vorwurf sein. FCS-Fan zu sein, ist nicht immer bequem. Gerade deshalb möchte ich unseren treuen Anhängern, dem harten Kern, der uns in der Dritten Liga unterstützt, ein großes Kompliment machen.

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