14.02.2014

RWE-Legende Stefan Lorenz über Mauselöcher und Wasserschäden

»Ich dachte an einen schlechten Scherz!«

Vier Jahre war Stefan Lorenz, 32, das Bollwerk in der RWE-Abwehr, nun macht er im Klub eine Ausbildung. Ein Gespräch über Mauselöcher und Wasserschäden.

Interview: Ilja Behnisch Bild: Imago

Stefan Lorenz, zwischen 2005 und 2009 spielten Sie für Rot-Weiss Essen, damals noch im Georg-Melches-Stadion. Woran denken Sie, wenn Siezurückblicken?
Vor allem erinnere ich mich daran, dass wir seitlich versetzt zur Mittellinie eingelaufen sind. Heute ist es in den meisten Stadien so, dass die Mannschaften auf Höhe der Mittellinie den Platz betreten. Im Georg-Melches-Stadion sind wir einmal schräg über das Spielfeld, auf unsere rot-weiße »Wand« zu. Schon aus dem Spielertunnel heraus ertönte das »Adiole«, was jedes Mal für Gänsehaut sorgte. Und obwohl das Stadion seit den Neunzigern nur noch drei Tribünen hatte, war es durch die flache und enge Bauweise ordentlich laut.

Was erzeugt sonst noch nostalgische Empfindungen?
Ich erinnere mich an die Gästekabine. Das war die gefühlt kleinste Kabine der Welt. Die Mannschaften hockten darin übereinander wie in einem Mauseloch. Da hatten viele Gegner schon vor dem Anstoß keine Lust mehr.

Seit Februar 2013 sind Sie zurück im Verein. Wie finden Sie das neue Stadion?
Vom alten Hafenstraßen-Charme ist nicht viel übrig. Das ist ein bisschen schade. Allein wenn ich an den Rasen im Georg-Melches-Stadion denke: Der war natürlich gewachsen und damit auch oft tief. Wenn es dann noch geregnet hatte und das Flutlicht anging, konnte man die 18er-Stollen tragen und die Kartoffeln aus der Erde holen. Das ist bei den modernen Rasen und den Normen, die vom DFB vorgegeben werden, gar nicht mehr möglich. So ist es auch mit dem neuen Stadion. Das ist zwar wunderschön, aber der Rot-Weiss-Faktor ist noch ausbaufähig. So richtig angekommen bin ich noch nicht, und einige Fans, behaupte ich mal, auch nicht.

Ein alter Flutlichtmast steht zumindest noch.
Zum Glück. Das neue Stadion ist etwas versetzt zum alten gebaut. Der übriggebliebene Flutlichtmast steht jetzt auf dem Parkplatz hinter dem Stadion, der im Moment noch vollendet wird. Etwas von der alten Spielstätte zu bewahren, war den Fans zurecht besonders wichtig. Die Masten hat man schon von weitem sehen können, wie ein Wahrzeichen. Das neue Stadion trägt das Flutlicht im Dach, somit bleibt ein Stück Geschichte erhalten.

Das »Stadion Essen« hat die Stadt finanziert, der Verein ist nur Pächter. Sind Sie zufrieden mit der Situation?
Wir können uns nicht beschweren. Wir sind aktuell Viertligist. Da liegt es auf der Hand, dass das Stadion nicht gänzlich nach unseren Vorstellungen gebaut werden konnte. Und wir haben noch Glück, dass große Sponsoren, die jeweils Namensgeber einer Tribüne sind, ebenfalls rot als Markenfarbe haben und die Sitzschalen daher farblich zum Verein passen.

Was fehlt zum Glück?
Eine Gaststätte oder Kneipe direkt am oder im Stadion. Ein Ort, an dem die Fans nach dem Spiel noch am Stadion bleiben, wo auch die Spieler mal abgegriffen werden können. Die Profis haben im neuen VIP-Bereich zwar ihre Ecke, und das ist auch wichtig, dass sie dort Präsenz zeigen, aber der Kontakt zur Fan-Basis geht so verloren. Eine Anlaufstelle wie »Melches Hütte«, unweit vom Stadion, ist da schon eine Hilfe.

Was ist eigentlich mit der alten Statue von »Boss« Helmut Rahn passiert?
Der »Boss« steht aktuell an der Seumannstraße, am Standort unseres Nachwuchszentrums »Breilmanns Wiese«. Und sobald die kleineren Bauarbeiten rund um das Stadion abgeschlossen sind, werden wir für die Statue unseres Helmut Rahn, dem berühmtesten Sohn der Stadt, natürlich einen geeigneten Platz finden.  

Haben Sie einen Lieblingsplatz im Stadion?
Ich sitze gern so weit oben wie möglich. Der Überblick auf das Spielgeschehen ist da einfach besser. Außerdem denke ich immer, dass ich dort irgendwann unserem Stadionsprecher behilflich sein kann.

Wie das?
Sein Posten ist nicht unbedingt ideal. Die Sprecherkabine ist zwar schön weit oben, auf Höhe der Logen, aber auch ziemlich am Rand. Außerdem ist sein Sichtfeld eingeschränkt, wenn er sitzt, kann er nicht richtig auf das Spielfeld schauen. Und bei Auswechslungen muss er sich mit einem Feldstecher behelfen, um zu erkennen, wer da überhaupt den Platz verlässt. Wenn ihm das irgendwann mal nicht mehr gelingt, kann ich ihm helfen. (Lacht.)

Kurz vor Saisonbeginn sorgte ein Wasserschaden im Keller der Haupttribüne, in der unter anderem auch der Spielertrakt untergebracht war, für Chaos. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie an diesem Tag zur Arbeit kamen?
Zunächst dachte ich an einen schlechten Scherz. Aber irgendwie ist das auch wieder typisch Rot-Weiss Essen. Immer wieder kommen Rückschläge, aber wir stehen auch immer wieder auf. Die Mannschaften sind jetzt provisorisch in Containern untergebracht und laufen zurzeit seitlich auf das Spielfeld ein. So ähnlich wie früher. Die Container sind dafür sehr geräumig, auch wenn ich dafür gewesen wäre, den der Gäste etwas kleiner zu halten.

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