Runder Tisch gegen Fan-Gewalt: DFB-Sicherheitschef Hendrik Große Lefert im Interview

»Bei der Prävention sind wir führend«

Auf Einladung von Innenminister Hans-Peter Friedrich kommen heute Verteter aus Politik und Fußball zu einem Runden Tisch zusammen, um über Maßnahmen gegen Fan-Gewalt zu beraten. Auch dabei: DFB-Sicherheitschef Hendrik Große Lefert. Wir sprachen mit ihm. Runder Tisch gegen Fan-Gewalt: DFB-Sicherheitschef Hendrik Große Lefert im Interview

Die live übertragenen Krawalle beim Pokalspiel von Dynamo Dresden bei Borussia Dortmund haben eine intensive Debatte über Gewalt beim Fußball losgetreten. Allerlei Vorschläge machen seitdem die Runde: Gefordert wird einerseits der Pokalausschluss Dynamo Dresdens für das kommende Jahr, andererseits aber auch Verbote von Ultragruppen, Stehplätzen oder Auswärtsfahrten. Was davon einer hysterischen Debatte geschuldet ist und welche Ideen tatsächlich zur Umsetzung gelangen können, wird heute bei einem Runden Tisch im Innenministerium beraten.

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Auf Einladung von Innenminister Hans-Peter Friedrich werden u.a. Theo Zwanziger und Reinhard Rauball als Vertreter von DFB und DFL mit den Innenministern aus Hessen, Niedersachen und Berlin diskutieren. Die Koordinationsstelle Fanprojekte wird mit ihrem Sprecher Michael Gabriel zugegen sein, Fan- oder Ultra-Vertreter sind nicht geladen. Auf dem Tagesplan stehen mögliche Verschärfungen eines Zehn-Punkte-Plans gegen Gewalt, den eine ähnliche Runde vor anderthalb Jahren beschlossen hatte. Vor Beginn der Konferenz sprachen wir mit dem neuen DFB-Sicherheitschef Hendrik Große Lefert, der ebenfalls an dem Runden Tisch teilnehmen wird.

Hendrik Große Lefert, im Innenministerium tagt heute ein Runder Tisch zum Thema »Gewalt im Zusammenhang mit Fußballspielen«. Welche Erwartungen haben Sie an das Treffen?

Hendrik Große Lefert: Dass der Fußball weiterhin Hand in Hand mit allen beteiligten Organisationen und Institutionen alles dafür tun wird, um für die Sicherheit aller Zuschauer im Stadion zu sorgen. Das können wir nur im Schulterschluss bewerkstelligen.

Erst vor anderthalb Jahren wurde ein Zehn-Punkte-Plan gegen Gewalt im Fußball verabschiedet. Nun kündigt Innenminister Hans-Peter Friedrich eine Verschärfung an. Sind die Maßnahmen gescheitert?

Hendrik Große Lefert: Leider gibt es noch immer Personen und Gruppen, die wir ganz bewusst nicht als Fans bezeichnen möchten. Diese erreichen wir nicht mit präventiven Mitteln. Gerade bei der Prävention übrigens sind wir in Deutschland absolut führend. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit dem Zehn-Punkte-Plan und den Erfolgen daraus deutlich besser gefahren sind als wenn es all diese Maßnahmen nicht gäbe. 

Ihr Vorgänger Helmut Spahn hat mit der Ultra-Initiative »Pyrotechnik legalisieren« verhandelt. Sie haben einer Kompromisslösung eine Absage erteilt. Warum?

Hendrik Große Lefert: Bereits vor meinem Einstieg als Sicherheitsbeauftragter hat man sich darauf verständigt, eine juristische Prüfung zum Thema Pyrotechnik zu veranlassen. Das Ergebnis ist dann ja auch veröffentlicht worden (Das vom DFB-Präsidium in Auftrag gegebene Rechtsgutachten kam zu dem Schluss, dass eine »Legalisierung« von Pyrotechnik rechtlich nicht zulässig ist, d. Red.)

Fanvertreter sind zum Runden Tisch nicht eingeladen. Besteht die Gefahr, dass der Dialog mit den Fans vernachlässigt wird?

Wir sind gerade dabei, das Nationale Konzept Sport und Sicherheit fortzuschreiben. Hier sind über die beim Runden Tisch vertretenen Innenminister hinaus auch weitere Ressorts und Netzwerkpartner eingebunden. Zum Beispiel auch KOS (Koordinationsstelle Fanprojekte) und BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte), die ganz wesentliche Aspekte aus Fansicht haben einfließen lassen. Von daher, denke ich, dass wwir hier durchaus den Dialog annehmen.

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