22.06.2013

Ruhrpott-Legende Peter Közle über Morddrohungen und den Sinn des Lebens

»Schneid dir die Haare ab, du Penner!«

Wenn man Peter Közle »dat« und „wat“ sagen hört, könnte man meinen, dass er in seinem Leben außer dem Ruhrgebiet nicht viel gesehen hat. Doch eigentlich stammt Közle aus Bayern und gesehen hat er eine ganze Menge. Wir unterhielten uns mit ihm über Morddrohungen, Feuer in der Nacht und den Sinn des Lebens.

Interview: Kai Griepenkerl Bild: Kai Griepenkerl

Peter Közle, wie wurden Sie zum Ruhrpottler?
Das war vom ersten Tag an mein Revier. Ich kam aus Zürich, einer richtig schönen Stadt. Aber der Ruhrpott und ich, das war Liebe auf den ersten Blick. Dabei hatte ich eine Bude in Beeck, das eine der hässlichsten Gegenden Duisburgs ist. Das hätte mich abschrecken müssen, aber im Gegenteil: Ich habe mich sauwohl gefühlt. In der ersten Nacht habe ich mich noch erschrocken, weil ich dachte, dass der Stadtteil abbrennt. Am nächsten Tag habe ich mir aber erklären lassen, dass nebenan im Stahlwerk Stahl gegossen wurde.

War der Wechsel aus der beschaulichen Schweiz in die Bundesliga nicht ein Kulturschock für Sie?
In der Schweiz hat mich keine Sau erkannt. Ich war naiv und dachte, dass es so weiterlaufen würde. Was dann folgte, hat mich erschlagen. Es ist erst mal eine geile Sache, wenn du ins Fernsehen kommst und dir jeder sagt, wie toll du bist. Aber mit dem Wissen von heute würde ich mich zurückziehen und nicht versuchen, der ganzen Welt zu erklären, wie ich bin.

Was war der entscheidende Fehler?
Ich habe nie verstanden, warum man als Fußballprofi seine Freizeit nicht so gestalten kann, wie man will. Also habe ich ehrlich gesagt, dass ich auch nach Niederlagen ein Bier trinken gehe, weil ich eh nicht schlafen kann. Das verstand natürlich kein Mensch. Und am Ende ist es eskaliert.

Dabei wurden Sie zunächst zum Publikumsliebling und „besonderen Profi“ gemacht.
Jemand, der die Haare bis zur Hälfte des Rückens trägt, tätowiert ist und mit Klamotten rumläuft, die zerrissen sind, ist ein gefundenes Fressen für die Presse. Aber das war mir wurscht. So war ich eben. Wenn ich heute Bilder von früher sehe, denke ich mir auch: „Ein bisschen kürzer hättest du die Haare schon machen können.“ Aber das waren eben die Neunziger, gerne auch mit Pullover in der Hose, drei Jacken an und noch ein Pulli um die Hüfte gebunden.

Würden Sie heute noch auffallen, wenn Sie Profi wären?
Um die gleiche Aufmerksamkeit wie damals zu bekommen, müsste ich schon eine Menge Tore schießen. Andererseits würde ich nicht lange im Profifußball überleben. Mit den Handykameras und Youtube müssen die Jungs heute brutal aufpassen, was sie machen. Ich hätte sicherlich ein paar Klicks erreicht, aber das hätte mir schnell das Genick gebrochen.

Was haben Sie denn so angestellt?
Ich habe die ganze Woche hart trainiert. Und am Wochenende nach dem Spiel habe ich mit meiner Clique gefeiert. Das waren keine Jungs, die ums Lagerfeuer saßen, Lieder gesungen haben und bei Sonnenuntergang nach Hause gegangen sind. Sie kamen nicht aus dem Fußball und konnten am Wochenende die Sau rauslassen. Ich hingegen musste am Sonntagmorgen mit einem leichten Promillegehalt zum Auslaufen.

Galten Sie auch innerhalb Ihrer Mannschaften als bunter Hund?
Eigentlich überhaupt nicht. Ich glaube, dass die meisten Jungs gedacht haben: »Zu was machen die den? Der ist doch ganz normal.« Ich bin echt ein ruhiger, angenehmer, bescheidener Zeitgenosse. Mit mir kann man normalerweise keinen Ärger bekommen. Klar habe ich alle Interviews mitgenommen, aber im Endeffekt war ich für jeden Trainer ein ganz einfacher Spieler. Ich habe trainiert wie ein Ochse, war pünktlich bei jedem Training und meistens nüchtern (lacht).

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