13.06.2010

Rugby-King Jedi Thian über die WM

»Aussies auf die Fresse!«

Dieser Mann frisst Australier zum Frühstück! Der legendäre neuseeländische Rugby-Kommentator Jedi Thian über Deutschlands ersten WM-Gegner, die »All Whites« und neuseeländische Trinkkultur beim Fußball.

Interview: Sebastian Schöbel Bild: Sebastian Schöbel
Jedi, bei der Fußball-WM sind die drei großen Rugby-Nationen Neuseeland, Australien und Südafrika erstmals gemeinsam am Start. Im Gastgeberland der WM muss sich König Fußball den Thron mit König Rugby teilen...

Du wirst lachen, aber in Neuseeland haben das die Menschen gar nicht unbedingt registriert. Die Leute hier rasten gerade völlig aus. Wir sind einfach so glücklich, dass es unsere »All Whites« überhaupt auf die große Fußball-Bühne geschafft haben. Das erste Mal seit 20 Jahren.



Das erste Mal seit 28 Jahren.

Na bitte! Wenn die Jungs ein paar Tore schießen, reicht uns das schon. Wir sind ein kleines Land mit nur vier Millionen Einwohnern. Dass es überhaupt ein paar Kiwis gibt, die auf internationalem Niveau spielen, ist ein kleines Wunder. Ryan Nelsen spielt zum Beispiel bei Blackburn. Coach Ricki Herbert war bei unserer ersten Weltmeisterschaft schon dabei, der hat auch in England gespielt. Und Wynton Rufer war ja damals sogar bei Werder Bremen.

Das ist aber ein bisschen viel Understatement, oder? Ihr seid vielleicht nicht viele, aber um das internationale Rugby zu dominieren reicht es gerade noch.

[lacht] Ja, das schon. Aber die Kids hier wachsen schließlich auch mit Rugby auf. Selbst die Migrantenkinder kommen früher oder später damit in Kontakt. Fußball ist in Neuseeland immer noch der Sport der Neuankömmlinge, vor allem der Europäer und Asiaten. Aber ich erhoffe mir wirklich einen Schub für den Sport. So war das kurzfristig auch damals, als wir bei der WM 1982 in Spanien dabei waren.

In Deutschland hält man Rugby und Fußball für zwei völlig verschiedene Welten. Du warst selber Erstliga-Spieler und bist jetzt Trainer einer Rugby-Mannschaft in Wellington: Gibt es sportliche Parallelen?

Rugby ist zunächst einmal der technisch sehr viel kompliziertere Sport. Aber der Wechsel vom Fußball zum Rugby ist absolut möglich. Die Spieler sind die ständige Vorwärtsbewegung mit dem Ball gewohnt. Dazu kommt eine ähnliche Motorik, die Beweglichkeit, die Sprints. In Neuseeland gibt es viele ehemalige Fußballer, die den Weg aufs Rugbyfeld finden. Nur das mit dem Tackling muss man ihnen noch beibringen, der Rest ergibt sich. Wenn ich es mir allerdings aussuchen könnte, würde ich Spieler vom Feldhockey holen. Die haben auch keine Angst davor, in den Kontakt zu gehen. Nur die Schläger muss man ihnen wegnehmen. [lacht]

Für euren Gruppengegner Italiener wäre Rugby also nichts: Schwalben sind da nutzlos.


Oh Mann, ich sage dir: Das könntest du einem Rugby-Spieler beim besten Willen nicht erklären: Wie man sich theatralisch hinfallen lassen kann, um dem Schiri eine Karte aus dem Kreuz zu leiern!

Ramponieren die vermutlich erfolglosen »All Whites« nicht ein bisschen den Nimbus der sportlichen Unbezwingbarkeit, den die »All Blacks« für Neuseeland geschaffen haben?

Also, wenn überhaupt könnten sie höchstens einen Kratzer in den Lack machen. Einen gaaaanz kleinen. (lacht)

Rugby ist das mit Abstand härtere Spiel, von Fan-Krawallen hört man aber eher selten - anders als im Fußball.

Na ja, im Fußball laufen solche Prügeleien immer gleich unter »Hooliganism«. In Neuseeland nennen wir das »getting your knickers in a knot«. Es gibt es natürlich solche Kameraden, die im Rugby-Stadion den wilden Mann markieren müssen. Bei den Junioren-Spielen an den  Wochenenden krachte es in letzter Zeit häufiger auf der Tribüne –  hauptsächlich unter den Vätern der Jungs. Manchmal schwappt die Welle der Wut dann aufs Spielfeld, klar.

Die deutsche Mannschaft hat in der WM-Vorbereitung sogar Rugby gespielt: Mit der »All Blacks«-Legende Jonah Lomu.

Jonah ist ein absoluter Ausnahmespieler. Er war der erste echte Weltstar des Rugby-Sports. Leider ist er in den letzten Monaten etwas von unserem Radar verschwunden; er spielt jetzt in Marseille. Sein Besuch bei eurer Mannschaft war hier nur eine kleine Meldung. Ich vermute, es hatte auch etwas damit zu tun, dass er mit Adidas den gleichen Sponsor wie die Deutschen hat.

Lomu hat eine motivierende Ansprache gehalten. Thema war wohl auch die Reaktion der All Blacks auf den Verlust ihres Anführers vor einer Weltmeisterschaft.

Ja, das war vor der Rugby-WM 1987. Damals verloren die »All Blacks« Andy Dalton – auch noch ihr bester Hakler, ein zentraler Spieler.

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