18.06.2013

Rudi Bommer über die Sommerpause und Spielerberater

»Manchmal wünsche ich mir eine neue Handynummer«

Cottbus-Trainer Rudi Bommer wollte eigentlich seine Sommerpause am Strand genießen, doch sein Klub steht mal wieder vor dem Umbruch. Also blieb er zu Hause und kümmert sich nun um die Kaderplanung. Ein Gespräch über Mailboxnachrichten, SMS-Absagen und den Abgang von Sportdirektor Christian Beeck.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago
Schade.
Unser Präsident hat das Saisonziel bereits klar benannt, wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. Sollte tatsächlich mehr drin sein, werden wir das gerne mitnehmen, keine Frage. Ich würde allerdings niemals vor einer Runde über etwaige Träume reden, denn ich erinnere mich noch gut an die vorletzte Saison, in der wir beinahe abgestiegen wären. Kurzum: Ein einstelliger Tabellenplatz ist realistisch. Alles andere wäre ein Bonusprogramm, das wir auf keinen Fall öffentlich als Ziel benennen sollten. Wir wären nicht der erste Verein, der damit auf die Nase fällt.

Planen Sie eigentlich noch weitere Transfers?
Wir schauen uns noch nach einem Innenverteidiger um, haben dabei allerdings keinerlei Druck. Die brisanten Themen sind geklärt.Wir haben gute Jungs dazubekommen.

Ihr Trainerkollege und Vorgänger Pele Wollitz schwärmte vor Kurzem im 11FREUNDE-Interview über die »hochprofessionellen Bedingungen« in Cottbus.
Kein Wunder! Trainingsplätze, Kraftraum, Physiotherapie – es mangelt wirklich an nichts. Alle im Klub ziehen an einem Strang, das spürt man jeden Tag. Wir müssen hier mit einem relativ geringen Budget auskommen, das heißt, wir müssen stets versuchen, unseren Konkurrenten einen Schritt voraus zu sein. Das ist dem FC Energie in der Vergangenheit häufig gut gelungen.

Wollitz nannte im Bezug auf die internen Strukturen das Wort »familiär« - übertrieben?
Cottbus hat 100.000 Einwohner. Man kennt sich, man läuft sich regelmäßig über den Weg, der Verein ist in Sachen Popularität und Emotionalität die klare Nummer 1 in der Region. Der Kontakt zwischen Fans, Spielern und Sponsoren ist eng. Bei 1860 München, Fortuna Düsseldorf oder Dynamo Dresden ist derlei sicherlich anonymer. Ich denke, das ist gemeint, wenn es heißt, in Cottbus gehe es familiär zu.

Kann diese Nähe nicht auch ein enormer Ballast sein, wenn es mal nicht so läuft?
Das ist denkbar, klar. Ich habe allerdings eher das Gegenteil erlebt: Als wir in der vorletzten Saison bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt kämpften, hat uns genau diese - in Anführungszeichen- Familie getragen. Die Menschen aus Cottbus und dem Umland haben uns derart gepusht, das war sensationell!

Rudi Bommer, am vergangenen Wochenende ist bekannt geworden, dass der Vertrag Ihres Sportdirektors Christian Beeck aufgelöst wurde. Hat Sie das überrascht?
Ja, eindeutig. Damit hatte ich nicht gerechnet.
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