Rudi Bommer über die Sommerpause und Spielerberater

»Manchmal wünsche ich mir eine neue Handynummer«

Cottbus-Trainer Rudi Bommer wollte eigentlich seine Sommerpause am Strand genießen, doch sein Klub steht mal wieder vor dem Umbruch. Also blieb er zu Hause und kümmert sich nun um die Kaderplanung.

Rudi Bommer, Sie wollten in der Sommerpause eigentlich in den Süden fliegen, haben allerdings darauf verzichtet, weil die Verhandlungen mit Ihren Torhüter-Kandidaten ins Stocken gerieten. Gehen Sie nun trotzdem erholt in die neue Runde?
Zwar ist der Urlaub mit der Familie lange geplant gewesen, aber was soll ich machen? Ich fliege doch nicht in den Süden, wenn es in unserem Kader riesengroße Fragezeichen gibt. Dennoch: Mein Akku ist wieder voll.

Weshalb hat es so lange gedauert, einen Nachfolger für Stammtorhüter Thorsten Kirschbaum zu finden? Sein Wechsel zum VfB Stuttgart ist bereits im März verkündet worden.
Es war in der Tat schwierig, unsere Ideen umzusetzen. Wir wollten auf keinen Fall einen Schnellschuss machen, sondern unbedingt unseren Torwarttrainer einbinden. Er hat ein Mitspracherecht, schließlich soll er täglich mit dem Jungen zusammenarbeiten, ihn voranbringen. Leider war es zunächst nicht möglich, seine Vorstellungen zu erfüllen. Wir mussten einige Male umdisponieren und neue Optionen prüfen.

Eine Option: Lars Unnerstall. Es heißt, die Verhandlungen mit dem Schalker-Torhüter seien bereits weit fortgeschritten gewesen. Waren Sie überrascht, als er Ihnen per SMS absagte?
Na klar! Wir hatten zuvor viele Gespräche geführt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht mehr mit einer Absage gerechnet. Und dass eben jene auch noch per SMS eintrudelte, ja, was soll ich dazu sagen? Das ist zumindest ungewöhnlich. Aber das Thema ist mittlerweile abgehakt. Wir haben mit Robert Almer einen Top-Keeper verpflichtet, mit dem ich schon seit geraumer Zeit in Kontakt stehe.

Almer ist in Düsseldorf nicht an Stammtorhüter Fabian Giefer vorbeigekommen, insofern konnten Sie ihn in der Bundesliga nie über 90 Minuten sehen. Ist das ein Problem?
Wir wissen genau, was er drauf hat. Es ist sicherlich kein Zufall, dass Robert vor Kurzem zweimal für Österreich auflief. Er ist kein unerfahrener 20-Jähriger, sondern ein routinierter und abgezockter Profi. Wir brauchen eine Nummer eins, die Ruhe ausstrahlt – und genau das kann Robert. Ich mache mir da überhaupt keine Sorgen.

Stimmt es, dass in der Sommerpause beinahe täglich Spielerberater auf Ihre Mailbox sprechen?
So ist es! Das können Sie sich nicht vorstellen! An manchen Tagen habe ich das Gefühl, gleich würde mein Handy explodieren. Sobald das Transferfenster öffnet, weiß ich: Jetzt geht es wieder rund.

Und wie sortieren Sie die vielen Anfragen?
Ich will natürlich niemanden vor den Kopf stoßen und versuche daher, alle Angebote zu sondieren und zu beantworten. Der entscheidende Nachsatz lautet allerdings: »...wenn ich Zeit habe.« (lächelt) Leider vergehen manchmal ein paar Tage, was einige Herrschaften wiederum dazu animiert, mir böse Nachrichten zu schicken. Sie fragen dann, weshalb ich noch nicht geantwortet habe. Der Grundtenor dabei: Das könne ja bitte schön nicht sein, der angebotene Spieler sei schließlich 'ne Granate!

Sie wünschen sich an manchen Tagen eine neue Handynummer, richtig?
Oh ja! Das kommt sogar häufig vor.

Seit gestern steht der Wechsel Erik Jendriseks vom SC Freiburg zu Energie Cottbus offiziell fest. Der slowakische Nationalspieler kam in der Rückrunde lediglich auf einen Kurzeinsatz - was erwarten Sie von ihm?
Wir haben uns neben jungen, unbekümmerten auch gezielt nach erfahrenen Spielern umgeschaut. Die Verpflichtungen von Charles Takyi und Erik Jendrisek hatten daher Priorität. Beide sollen eine gewisse Ruhe in unser Spiel bringen. Denn genau daran hat es zuletzt immer wieder gehapert. In der vergangenen Spielzeit haben wir gerade gegen die sogenannten Kleinen immer wieder Punkte hergeschenkt, weil wir nicht mit deren Defensivtaktik zurechtgekommen sind. Wir agierten teils extrem unruhig, wussten uns nicht zu helfen, wurden ungeduldig. Das muss sich ändern. Nicht unwichtig: Takyi und Jendrisek sind bereits aufgestiegen, die wissen also, wie man mit Druck umgeht. Jetzt stimmt die Mischung aus jung und erfahren.

Sie sprechen vom Aufstieg?
(lacht) Genau das wollte ich damit nicht sagen! Sie haben mich schon verstanden. Ich spreche über Erfahrung und Konstanz in unseren Leistungen, nicht über Ziele.
Schade.
Unser Präsident hat das Saisonziel bereits klar benannt, wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. Sollte tatsächlich mehr drin sein, werden wir das gerne mitnehmen, keine Frage. Ich würde allerdings niemals vor einer Runde über etwaige Träume reden, denn ich erinnere mich noch gut an die vorletzte Saison, in der wir beinahe abgestiegen wären. Kurzum: Ein einstelliger Tabellenplatz ist realistisch. Alles andere wäre ein Bonusprogramm, das wir auf keinen Fall öffentlich als Ziel benennen sollten. Wir wären nicht der erste Verein, der damit auf die Nase fällt.

Planen Sie eigentlich noch weitere Transfers?
Wir schauen uns noch nach einem Innenverteidiger um, haben dabei allerdings keinerlei Druck. Die brisanten Themen sind geklärt.Wir haben gute Jungs dazubekommen.

Ihr Trainerkollege und Vorgänger Pele Wollitz schwärmte vor Kurzem im 11FREUNDE-Interview über die »hochprofessionellen Bedingungen« in Cottbus.
Kein Wunder! Trainingsplätze, Kraftraum, Physiotherapie – es mangelt wirklich an nichts. Alle im Klub ziehen an einem Strang, das spürt man jeden Tag. Wir müssen hier mit einem relativ geringen Budget auskommen, das heißt, wir müssen stets versuchen, unseren Konkurrenten einen Schritt voraus zu sein. Das ist dem FC Energie in der Vergangenheit häufig gut gelungen.

Wollitz nannte im Bezug auf die internen Strukturen das Wort »familiär« - übertrieben?
Cottbus hat 100.000 Einwohner. Man kennt sich, man läuft sich regelmäßig über den Weg, der Verein ist in Sachen Popularität und Emotionalität die klare Nummer 1 in der Region. Der Kontakt zwischen Fans, Spielern und Sponsoren ist eng. Bei 1860 München, Fortuna Düsseldorf oder Dynamo Dresden ist derlei sicherlich anonymer. Ich denke, das ist gemeint, wenn es heißt, in Cottbus gehe es familiär zu.

Kann diese Nähe nicht auch ein enormer Ballast sein, wenn es mal nicht so läuft?
Das ist denkbar, klar. Ich habe allerdings eher das Gegenteil erlebt: Als wir in der vorletzten Saison bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt kämpften, hat uns genau diese - in Anführungszeichen- Familie getragen. Die Menschen aus Cottbus und dem Umland haben uns derart gepusht, das war sensationell!

Rudi Bommer, am vergangenen Wochenende ist bekannt geworden, dass der Vertrag Ihres Sportdirektors Christian Beeck aufgelöst wurde. Hat Sie das überrascht?
Ja, eindeutig. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Halten Sie den Zeitpunkt der Trennung für gefährlich?
Nein, auf keinen Fall! Sicherlich gibt es bessere Momente, trotzdem sehe ich darin kein Risiko. Wir haben alle Transfers gemeinsam abgewickelt, wir haben täglich miteinander telefoniert. Die anstehenden Aufgaben können wir, also Geschäftsführer Normen Kothe und ich, problemlos im Team bearbeiten.

Haben Sie mit Christian Beeck über die Vertragsauflösung gesprochen?
Nachdem er sich entschieden hatte, nicht weiterzumachen, haben wir noch mal telefoniert. Den genauen Grund seiner Entscheidung hat er mir jedoch nicht genannt, wir haben nur ein wenig geplaudert. Am Ende des Gesprächs sagte er: »Wir gehen irgendwann noch mal Golf spielen.« 

Mit Verlaub: Nach all dem, was in den vergangenen Monaten über ihre Beziehung zueinander  geschrieben wurde, klingt dieser Satz für Außenstehende sicherlich überraschend.
Wir sind nicht immer einer Meinung gewesen. Das ist kein Geheimnis. Wir haben aber jederzeit professionell und respektvoll zusammengearbeitet. Und darauf kommt es doch an. Manchmal gab es intern ordentlich Pro und Contra, das hat die Diskussionen indes häufig befruchtet. Ich würde insofern nicht alles derart schwarz-weiß malen, wie es einige Außenstehende tun.

Wie meinen Sie das?
Leider sind auch viele Sachen von außen hineingetragen worden. Auch über mich hieß es vor ein paar Monaten »Bommer hört im Sommer auf«. Als wäre die Sache längst klar! Und was passierte? Ich bin immer noch da und motivierter denn je.

Rudi Bommer, Sie stehen für Gelassenheit und Sachlichkeit   - wann werden Sie so richtig laut?
Kommen Sie mal in unsere Kabine (lächelt). Ich bin kein Typ, der alles nach außen trägt. Wenn ich mich über meine Mannschaft ärgere, sage ich ihr das – sehr deutlich. Ich gehöre nicht zu den Trainern, die sich Gedanken darüber machen, wie sie ihr Image verändern könnten. Das ist mir zu anstrengend und wohl auch zu spät.

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