01.07.2007

Rudi Assauer im Interview

„Diese wunderbare Kiste“

Die „Arena AufSchalke“ gehört mit ihren 61.482 Plätzen und dem 29 Tonnen schweren Videowürfel zu den beeindruckendsten Stadien Europas- und Rudi Assauers größter Erfolg als Manager. Seinen Lieblingsplatz musste er räumen.

Interview: Tobias Börner Bild: Imago
Rudi Assauer, was fasziniert Sie an der »Arena AufSchalke«?

Alles! Diese wunderbare Kiste ist für mich mit Abstand das schönste Stadion der Welt. Es ist dieser ungeheure Eindruck, den die Arena hinterlässt. Egal, wo sie sich aufhalten, sie werden aus dem Staunen nicht rauskommen. Ich habe oft erlebt, wie Besuchern beim ersten Mal die Luft weg blieb.



Sie nannten das Stadion einst ihr »Baby«. Wann wurde es gezeugt?

Ideen dazu gab es immer mal wieder. Im Jahr 1996 haben wir den Bau einer neuen Arena letztlich beschlossen. Wir konnten auch gar nicht anders.

Warum denn nicht?

Das Ausschlaggebende war der zunehmend desolate Zustand des alten Parkstadions. Durch die alten Stollen unter Tage herrschte zuviel Bewegung in der Statik, was immer wieder zum Absacken des Bauwerks führte. Ich erinnere mich noch an Stufen, die morgens einen halben Meter tiefer standen als noch am Abend zuvor. Als dann auch noch aus dem Tribünendach Betonsplitter auf die Zuschauer runterregneten, war für mich das Ende der Fahnenstange erreicht.

Hatten Sie ein konkretes Vorbild für den Neubau?

Ja, wir orientierten uns am »Gelredome« von Arnheim, welcher heute der kleine Bruder der »Arena AufSchalke« ist. Das einziehbare Dach und das ausfahrbare Spielfeld passten hervorragend in unsere Planung.

Die nicht nur auf Fußball ausgelegt war und ist.

Richtig. Die Arena hat ein enormes Potential, dort mitten im Herzen des Ruhrgebietes. Dadurch, dass man sie in eine Halle verwandeln kann, sind andere große Events möglich – und auch dringend nötig, um die Kosten zu decken.

Inwieweit wurden die Schalke-Fans in das Projekt miteinbezogen?

Als die Arena in Arnheim stand, sind wir mit 5000 Anhängern zu einer Besichtung in die Niederlande gefahren. Wir wollten ihre Meinungen und Anregungen hören und anschließend versuchen, alles, was davon möglich war, in die Realität umzusetzen.

Wozu dann auch die Beibehaltung der gewohnten Stehplatzpreise zählte.

Ja. Die Fans sind das Größte das Schalke zu bieten hat. Sowohl in ihrer Leidensfähigkeit, als auch in ihrer Begeisterung für den Verein. Gelsenkirchen ist nicht gerade der Nabel der Welt und die Wirtschaftskraft ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken. Da kann ich dann nicht die Kosten für das Stadion auf den Rücken der Fans austragen. So blieben wir im Bereich der Stehplätze beim alten Preis, also bei acht Euro.

Die Bauzeit betrug drei Jahre. Hatten Sie mit Problemen zu kämpfen?

Im Prinzip war der Stadionbau eine relativ flotte Angelegenheit. Die bürokratischen Hürden waren manchmal schon recht schwierig zu überwinden, doch alles in allem hat die Stadt Gelsenkirchen uns keine Steine in den Weg gelegt, da sie ebenfalls an einem Neubau interessiert war. Glücklicherweise mussten wir in der Finanzierung auf keine staatlichen Hilfen zurückgreifen und stemmten die 191 Millionen Euro Baukosten aus privatwirtschaftlichen Quellen.

Von der UEFA erhielt das Stadion eine Fünf-Sterne-Plus-Wertung.

Eigentlich wollten sie sogar sechs Sterne vergeben, scheuten sich aber davor, weil dann andere Spielstätten ebenfalls einen Anspruch auf die Bewertung erhoben hätten.

Was war der schönste Moment, den Sie in der »Arena AufSchalke« erlebt haben?

Das war die Eröffnungsfeier. Zum ersten Mal konnten wir die Fans im Stadion begrüßen. Als ich in die strahlenden Gesichter schaute und diese wahnsinnige Akustik vernahm, lief mir ein Schauer über den Rücken. Ein erhebender Moment für uns alle, die wir daran gearbeitet haben.

Eine Stadionkapelle ist hierzulande eher untypisch. Woher stammte diese Idee?

Die haben wir aus Barcelona importiert. Es ist der Wahnsinn, wie diese Einrichtung wahrgenommen wird. Trauungen und Taufen finden hier laufend statt. Sie wissen ja, irgendwie ist Schalke auch Religion.

Und der Videowürfel?

Ist der größte in Europa und mit 29 Tonnen nicht gerade ein Leichtgewicht, aber dafür ungemein robust. Der einzige, der ihn einmal getroffen hat, war Oliver Kahn und selbst der konnte ihm nichts anhaben (lacht).

Haben Sie nach Ihrer Demission als Manager eigentlich lebenslang freien Zutritt?

Das weiß ich nicht. Für die abgelaufene Saison hat mir der Verein zumindest zwei Ehrenkarten geschenkt.

Demzufolge ist ihr Lieblingsplatz in der Arena doch bestimmt auf der Ehrentribüne, oder?

Man kann von dort natürlich prima sehen, aber mein Lieblingsplatz war zumindest früher immer unten auf der Trainerbank (lacht).

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