Roy Makaay über Hollands WM-Auftakt

»Robben ist ein Anführer«

Hollands 43-facher Nationalspieler Roy Makaay über den Auftaktsieg seiner Landsleute, Robbens Leaderqualitäten und Hollands Chancen aufs Achtelfinale.

Roy Makaay, haben Sie sich schon wieder beruhigt?
Danke, geht wieder. Das war schon extrem stark, was die Mannschaft in der zweiten Halbzeit mit Spanien angestellt hat.

Aber?
Nach einem 5:1-Sieg muss man ja vorsichtig mit Kritik sein. Trotzdem erinnere ich daran, dass David Silva kurz vor dem 2:1 für Holland die Riesenchance hatte, das zweite spanische Tor zu erzielen. Wenn er den Ball einfach reingeschoben hätte, statt zu lupfen, wäre das Spiel ganz anders ausgegangen. Da bin ich mir sicher.

Stattdessen gelang Robin van Persie eine Minute später das 1:1 mit einem Traumtor. Ihnen als ehemaliger Stürmer war doch bestimmt klar, dass er den Ball mit dem Kopf über Casillas heben würde, oder?
Ich habe das Spiel im TV gesehen, da war ich genauso überrascht wie jeder andere auch. Später wurde mir berichtet, dass die holländischen Scouts die Spieler extra instruiert hatten, es mal mit Lupfern zu versuchen, weil Casillas immer so weit vor dem Tor steht. Van Persie hat das also exakt so gewollt. Das macht den Treffer für mich nur noch schöner.

Mit Stefan de Vrij und Bruno Martins Indi, beide 22, standen zwei junge Spieler von Ihrem Arbeitgeber Feyenoord Rotterdam in der Startelf. Wie schätzen Sie die Leistung der beiden ein?
Sowohl mit Stefan, als auch mit Bruno habe ich sogar noch zusammen gespielt: 2010 stand de Vrij bereits mit im Profikader, Martins Indi durfte regelmäßig mit uns trainieren. Bruno hat bei Feyenoord eher eine unglückliche Saison gespielt, gegen Spanien war er zuverlässig und konstant – aber der Junge kann noch viel besser spielen, der ist ein echtes Talent. De Vrij ist ein ganz ruhiger Bursche, der immer einen kühlen Kopf behält. Louis van Gaal weiß schon, was er an den beiden hat – sonst würde er sie ja nicht aufstellen.

Van Gaal war bereits von 2000 bis 2002 Bondscoach, Sie haben unter ihm gespielt. Wie muss man sich van Gaal vor so wichtigen Spielen vorstellen?
Er ist ein akribischer Arbeiter, deshalb ist er vor den Spielen in der Kabine auch recht gelassen und entspannt. Weil er weiß, dass er seine Arbeit getan hat. Und gegen Spanien ist seine Taktik spätestens in der zweiten Halbzeit ja auch wunderbar aufgegangen.

Wie würden Sie diese Spielweise beschreiben?
Ganz simpel erklärt: Die komplette Taktik richtet sich danach, Robin van Persie und Arjen Robben die nötigen Freiräume zu schaffen, damit die ihre Weltklasse-Qualitäten ausspielen können. Gegen Spanien hat man gesehen, was passieren kann, wenn solche Fußballer die nötigen Freiheiten bekommen.

War Robben für Sie der wichtigste Mann des Spiels?
Robben war fantastisch. Aber die entscheidende Säule im holländischen Spiel heißt Nigel de Jong. Der lässt gegnerische Angriffe zerschellen wie ein Felsen die Wellen und spielt dann auch noch die klugen Pässe in die Offensive.

Am Mittwoch spielt Holland gegen Australien. Der Einzug ins Achtelfinale ist jetzt nur noch Formsache, oder?
Ich bin doch nicht verrückt und antworte darauf mit: Ja. Hinterher heißt es noch, der größenwahnsinnige Makaay hat der Elftal Pech gebracht. Die Chance ist sehr groß, denn gegen Australien muss die Mannschaft eigentlich gewinnen. Aber da lauert auch die Gefahr: Gegen Spanien konnte Holland ganz entspannt aufspielen, niemand hatte etwas gegen den Weltmeister erwartet. Gegen Australien ist der Druck unwesentlich höher.

Können die »jungen Wilden« um de Vrij oder Martins Indi diesem Druck standhalten?
So wie ich die beiden kennengelernt habe: Ja. Und auch der Rest der Mannschaft scheint ziemlich gefestigt zu sein, das liegt auch an den beiden herausragenden Anführern Robben und van Persie. Das sind inzwischen keine hochbegabten Jünglinge mehr, das sind längst echte Stars, an denen sich die Newcomer orientieren können. Bleibt nur noch eine Frage, die ganz Holland bewegt.

Nämlich?
Ob van Gaal an der Taktik aus dem Spanien-Spiel festhält, oder sich was Neues einfallen lässt.

Was glauben Sie?
Ich bin ja selbst nur noch Zuschauer. Und das ist doch das Beste daran: Ich habe keine Ahnung und lasse mich einfach überraschen (lacht).

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