Rostocker Stadionsprecher für Anti-NPD-Aktion verurteilt

»Nazis lassen wir uns nicht bieten«

Nils Greese, Stadionsprecher des Verbandsligisten Rostocker FC, wurde wegen einer Aktion gegen die NPD vom Landessportgericht zu einer Geldstrafe verurteilt. Wir sprachen mit ihm über die Initiative »Storch Heinar« und verwirrte Schiedsrichter. Rostocker Stadionsprecher für Anti-NPD-Aktion verurteilt

Nils Greese, eine Woche vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern haben Sie in  der Halbzeitpause einen Vertreter der Anti-Rassismus-Initiative »Storch Heinar«, eine satirische Umdeutung der Nazi-Marke Thor Steinar, interviewt. Wie kam es dazu?

Nils Greese: In Rostock und Umgebung hat »Storch Heinar« im Rahmen des Landtagswahlkampfes Plakate gegen die NPD aufgehängt. Wir wollten auch etwas dazu beitragen und haben Julian Barlen, einen der Mitbegründer der Initiative, eingeladen. Das war vorher mit dem Vorstand, einigen Mitgliedern und Fans abgesprochen. Sie müssen wissen: Wir sind ein politischer Verein, unsere Fans sind eher dem linken Spektrum zuzuordnen.

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Wie lief das Interview ab?

Nils Greese: Ich habe Barlen mit den Worten angekündigt, er könne sich und seine Initiative  vorstellen. Dann haben wir über die Lautsprecheranlage ein kleines Interview geführt. Der Schiedsrichter teilte uns jedoch schon zu Beginn des Gesprächs mit, dass wir mit dieser politischen Veranstaltung aufhören sollen. Er hatte wohl verstanden, dass eine »Partei« vorgestellt werden sollte. Das ist aber Quatsch, »Storch Heinar« ist keine Partei.

Sie haben das Gespräch weiter geführt?

Nils Greese: Ja, sicher. Es hat mich überhaupt nicht interessiert, was der Schiedsrichter dazu sagt. Wir sind der Rostocker FC, wir haben Hausrecht und können machen, was wir wollen. Es ist ja nicht so, dass wir für die NPD oder für die SPD (Barlen ist SPD-Mitglied, d. Red.) argumentiert hätten, sondern gegen die NPD. Der Schiedsrichter hat aber einen Sonderbericht verfasst und mir darin auch noch vorgeworfen, ich hätte die Schiedsrichter als »Leichtmatrosen der NPD« bezeichnet. Das ist aber falsch, das Zitat hat sich lediglich auf die Sympathisanten dieser Partei bezogen.

Nun hat das Sportgericht des Landesfußballverbandes Mecklenburg-Vorpommern entschieden, dass Sie eine Strafe in Höhe von 50 Euro zahlen müssen. Wieso?

Nils Greese: Sie haben verstanden, dass wir keine Partei-Werbung gemacht haben, aber dem Schiedsrichter bezüglich der »Leichtmatrosen«-Äußerung geglaubt und das als unsportliches Verhalten gegenüber dem Schiedsrichterkollektiv gewertet. Man kann gegen das Urteil in Berufung gehen, allerdings kostet das schon mal 300 Euro Gebühren, die wir als klammer Fußballverein nicht haben. Ich denke, wenn wir ein bisschen mehr Geld auf der Tasche hätten und vor das Verwaltungsgericht gingen, würden die das Urteil in der Luft zerreißen. Und aus meiner inneren Überzeugung heraus müsste ich eigentlich dagegen vorgehen.

Haben Sie Befürchtungen, dass Ihnen auch die NPD wegen dieser Geschichte Ärger bereiten wird?

Nils Greese: Nein, glaube ich nicht. Wir hatten vor ein paar Jahren mal einen NPD-Funktionär, der einige Spiele besucht hat, den haben wir in hohem Bogen rausgeschmissen. Da haben wir ein dickes Fell und die Fans des Rostocker FC würden sich das nicht bieten lassen. 

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