Ronnie Nathanielsz über Filipinos und Ali

»Er spielte mit Frauen«

Ronnie Nathanielsz ist eine Sportreporterlegende auf den Philippinen. Er war der Betreuer von Muhammad Ali in Manila und hat mit Bobby Fischer Hahnenkämpfe besucht. Ein Gespräch über Reisfelder und »The Greatest«. Ronnie Nathanielsz über Filipinos und AliChristoph Stockburger

Ronnie Nathanielsz, auf Facebook haben Sie gefordert, dass Fußball wieder ein Volkssport auf den Philippinen werden sollte.

Ja, der Meinung war ich schon immer. Ich liebe Fußball! Und jetzt wäre die richtige Zeit, den Sport wieder voranzutreiben. Die Philippinen haben beim wichtigsten Turnier in Asien, dem Suzuki-Cup, das Halbfinale erreicht – eine hervorragende Leistung. Plötzlich spricht wieder jeder über Fußball.

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Wie beliebt ist Fußball auf den Philippinen?

Leider nicht mehr so beliebt wie vor 40 Jahren. Daran ist Basketball schuld. Die Kinder spielen Fußball bis sie auf die High-School kommen, dann wechseln sie den Sport und spielen Basketball. Aus zwei einfachen Gründen: Erstens gibt es eine gut strukturierte Basketball-Liga auf den Philippinen, wo die Spieler gut bezahlt werden. Zweitens kommen alle schönen Ladies zu den Basketballspielen. In den 1940er Jahren stellten die Philippinen das erfolgreichste Fußball-Nationalteam in Asien, aber danach ging es mit Sport bergab.

Was ist also Ihrer Meinung nach nun zu tun?

Die Plätze müssen wieder auf Vordermann gebracht werden. Wir haben keine vernünftigen Fußballfelder auf den Philippinen, man hat sie einfach verrotten lassen! Du kannst dort Reis reinschmeissen und er würde wachsen. Wie sollen die Kicker da das Dribbeln lernen? Die FIFA bietet Entwicklungsländern Unterstützung an, diese Quellen müssen angezapft werden. Zum anderen müssen Fußballer aus dem Ausland mit philippinischen Wurzeln für unsere Nationalmannschaft begeistert werden. Wir haben bereits sechs oder sieben solcher Spieler im Team.

Spieler wie Manuel Ott vom FC Ingolstadt oder Stephan Schröck von Greuther Fürth.

Genau. Diese Jungs bringen ihr Können mit und sorgen zudem für einen Wissenstransfer. Und es gefällt Ihnen hier! Die Filipinos lieben sie; sie sind jung und sehen gut aus. Über Facebook und Twitter haben mir Leute noch die Namen von vielen weiteren Spielern geschickt, die in Europa spielen und für die Philippinen auflaufen könnten. Ich glaube, dass der Fußball auf diesem Weg wieder ein Comeback feiern könnte.

Und die Ladies müssen vom Basketballplatz zum Fußballfeld gebracht werden...

Exakt! Ich habe immer gesagt, dass es für einen erfolgreichen Sport zwei Dinge bedarf: Zum einen musst du attraktive und bekannte Menschen dazu bringen, sich die Spiele anzuschauen, weil dann die breite Masse automatisch auch angezogen wird. Zum anderen müssen die Spiele im TV übertragen werden, damit möglichst viele Menschen Spaß an dem Sport haben können. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass ein TV-Sender in letzter Minute entschieden hat, das Spiel der Philippinen gegen Burma zu übertragen. Und die Einschaltquoten waren großartig.

Wie stehen die Chancen, dass Fußball einen festen Platz im philippinischen Fernsehen bekommt?

Gut. Die Weltmeisterschaft wurde im TV übertragen und viele Leute haben ihren Fernseher eingeschaltet. Allerdings sind die Filipinos vom Basketball an Highscores gewohnt. Wenn Sie mich fragen, hat das die Aufmerksamkeitsspanne der Leute ziemlich verkürzt. Wenn Sie ein 0:0 im TV sehen, sagen die Zuschauer: »90 Minuten gespielt und keine Treffer! Was für ein gottverdammtes Spiel soll das sein!« Dabei kann ein 0:0 ein großartiges Spiel gewesen sein. Die Augen der Filipinos müssen also erst noch ein bisschen für die Schönheit des Fußballspiels geschärft werden. 

Haben Sie davon gehört, dass man sich bei dem deutschen Internet-Sportportal spox.com als philippinischer Nationaltrainer bewerben konnte?

Um ehrlich zu sein, nein. Ich weiß, dass der Verband einen Trainer sucht und habe gehört, dass ein Brasilianer Interesse an dem Job hat.

Was wird die größte Herausforderung für den Nationaltrainer?

Den passenden Stil für das Team zu finden. Ich persönlich finde den Fußball der deutschen Nationalmannschaft sehr attraktiv, außerdem ist er hervorragend durchstrukturiert. Ich glaube, wir brauchen einen Mix aus deutschem und brasilianischem Fußball. Filipinos haben Rhythmus. Beim Fußball brauchst du Rhythmus, ein gutes Auge, Schnelligkeit und Mut. Die Filipinos sind ausgezeichnete Tänzer. Ich sage immer: Bringt euren Stil von der Tanzfläche auf den Fußballplatz, dann seid ihr erfolgreich.

Werden wir die Philippinen bei der WM in Russland oder Katar sehen?

Ehrlich gesagt: Ich habe da so meine Zweifel. Soweit werden wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sein. Das ist ein langer, harter Weg. Jetzt gilt es zunächst, die Öffentlichkeit für Fußball zu begeistern. Denn wenn die Leute den Sport im TV sehen und in der Zeitung darüber lesen, dann wollen sie das Spiel selbst spielen. Es geht im Grunde darum, mehr junge Menschen weg vom Basketball und hin zum Fußball zu bringen.

Herr Nathanielsz, Sie waren der Betreuer von Muhammad Ali beim legendären Thriller in Manila. Hat er auch Fußball gespielt?

Nein. Er hat mit Frauen gespielt. (lacht sehr laut und dreckig)

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